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Wie sicher ist die Grenzregion?

Nach Einbrüchen in Rehefeld fühlen sich die Bewohner unsicher. Doch die Bundespolizei ist nicht die richtige Ansprechpartnerin für ihre Sorgen.

Noch sitzt die Bundespolizei in der ehemaligen Grenzzollanlage in Zinnwald.
Noch sitzt die Bundespolizei in der ehemaligen Grenzzollanlage in Zinnwald. © Egbert Kamprath

Das beste Fahrrad war weg. Kurz vorm Reformationstag muss es passiert sein: Irgendjemand hatte das Schuppenschloss der Familie Richter in Rehefeld abgeschraubt und als nächstes das Fahrradschloss geknackt, das drei Räder der Familie noch einmal extra zusammenhielt. 

Marina Richter trägt früh die Ausgaben der Sächsischen Zeitung aus: "Mein Fahrrad für die Arbeit haben sie stehen gelassen, das von meinem Sohn auch", sagt sie: "Die waren wohl nicht hochwertig genug." Doch das Mountainbike ihrer Tochter habe um die 700 Euro gekostet. "Weil sie gerade für längere Zeit nicht da ist, hatte ich die Räder extra mit einem alten Laken abgedeckt, damit sie niemand im Schuppen sieht."

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Komische Spuren im alten Jagdschloss von Rehefeld

Als sie das nächste Mal früh die Zeitung austrug, fiel ihr ein Fahrrad auf, das am alten Jagdschloss der Wettiner lehnte - das Gebäude an der Talstraße in Rehefeld steht schon seit Jahrzehnten leer. "Das war zwar nicht unser Rad, aber ich konnte auch Spuren von Übernachtungen dort erkennen: Rucksäcke und Sauerkrautbüchsen lagen dort herum." Eine Nachbarin würde auch ab und an dort Licht sehen. 

"Nach solchen Vorfällen fühlt man sich unsicher", sagt Marina Richter. Sie würde sich wünschen, dass die Bundespolizei nicht nur an der B170 und im tschechischen Moldava kontrolliert, sondern mehr in den Ortschaften. "Hier bei uns muss ja keiner mehr damit rechnen, dass er einem Polizisten begegnet."

Bundespolizei im Zollamt Zinnwald

Die Bundespolizei ist in Altenberg beim Zollamt in Zinnwald in Form eines Dienstortes vertreten, eine Art Außenposten des Bundespolizeireviers Dippoldiswalde, das wiederum zur Bundespolizeiinspektion Berggießhübel gehört. "Personalstärken von Bundespolizeirevieren werden nicht kommuniziert", schreibt der Pressesprecher der Behörde Steffen Ehrlich. 

Die Aufgaben der Bundespolizei im Gebiet Sächsische Schweiz-Osterzgebirge unterscheidet er in grenz- und bahnpolizeiliche Aufgaben. Grenzpolizeilich gehe es darum, "Kriminalitätsphänomene der illegalen Migration und des Einschleusens von Ausländern nebst Begleitdelikten" festzustellen. Zu den Aufgaben der Bahnpolizei gehören Fahrgelddelikte und Sachbeschädigung. 

A 17 als Transnationale Verkehrsachse durch Europa

Zudem agiert die Bundespolizei in europäischen Zusammenhängen: Mit der A17 führt eine sogenannte Transnationale Verkehrsachse durch ihr Gebiet, die sich von der Türkei über Bulgarien, Ungarn und Tschechien bis nach Rostock und Bremen zieht. Da auch die B170 und die B171 zu den Grenzüberschreitenden Hauptverkehrswegen gehören, wird es für die Bundespolizei dort interessant, wo diese Routen aufeinandertreffen. Ein Schwerpunkt liegt also in Bannewitz bei Dresden und einer in Schmiedeberg.   

Wohl auch deshalb hat das Bundesinnenministerium am 1. April 2020 nach einer polizeifachlichen Einschätzung des Bundespolizeipräsidiums und der Bundespolizeidirektion Pirna die Verlagerung des Bundespolizeireviers Altenberg nach Dippoldiswalde verfügt. "Dippoldiswalde ist strategisch interessant", sagt Steffen Ehrlich dazu. "Es ist nahe dieser Schnittstelle des nationalen und internationalen Reiseverkehrs in Bannewitz und auch nahe an Schmiedeberg." 

Umzug nach Dippoldiswalde in Arbeit

Zum Stand der Verlegung schreibt Ehrlich: "Aktuell werden durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) und den Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement der Mietvertrag ausgearbeitet sowie die notwendigen Umbaumaßnahmen veranlasst." 

Das würde aber nicht heißen, dass sich im Raum Altenberg gar kein Personal der Bundespolizei mehr aufhalten würde: "Seit 2019 besteht dazu eine Kooperationsvereinbarung der Bundespolizeiinspektion Berggießhübel mit dem Polizeirevier Freital-Dippoldiswalde. In diesem Zusammenhang verrichten bereits seit Mitte 2019 Polizeibeamte der Bundespolizei gemeinsam Dienst mit Kollegen der Polizei des Freistaates Sachsen in Altenberg."

Geklaute Fahrräder fallen nicht ins Aufgabengebiet der Bundespolizei. Auch wenn sie im grenznahen Raum verschwinden, ist für diese die Landespolizei zuständig - in Altenberg in Form von vier Bürgerpolizisten, "die grundsätzlich versuchen, von 6 bi 18 Uhr erreichbar zu sein", schreibt Lukas Reumund, Sachbearbeiter bei der Stabsstelle für Kommunikation der Polizeidirektion Dresden, die nach dem Polizeirevier Freital-Dippoldiswalde mit Sitz in Freital die nächsthöhere Dienststelle ist.   

Keine Acht-Minuten-Regel für Bürgerpolizisten

Auf die Frage, ob es ähnlich der Acht-Minuten-Regel der Feuerwehr eine Mindestzeit gibt, in der die Polizisten nach einem Anruf vor Ort sein müssten, antwortet er: "Mindestzeiten sind bei der Polizei nicht vorgesehen. Die Bearbeiter des Lagezentrums priorisieren die Aufträge und setzen die verfügbaren Funkwagen danach ein."

Zumindest laut Statistik zu Diebstählen und Einbrüchen in Altenberg und den dazugehörigen Ortsteilen fällt das Jahr 2020 derzeit noch nicht mit außergewöhnlich hohen Zahlen auf. Weil das Jahr noch nicht zu Ende ist und die Zahlen noch nicht endgültig ausgewertet sind, lasse sich bisher lediglich eine Tendenz erkennen. 

Statistik trägt nicht zum Sicherheitsgefühl bei

Nach dieser Einschätzung unter Vorbehalt bewegen sich die gesamten Diebstahlsdelikte ungefähr im selben Rahmen wie 2019 - da wurden im Raum Altenberg acht Fahrräder als gestohlen gemeldet, bei 116 Diebstählen insgesamt. Eine steigende Tendenz lässt sich in diesem längeren Zeitraum nicht ablesen. 

2015 - Diebstähle gesamt: 114 - Fahrräder: 12
2016 - Diebstähle gesamt: 222 - Fahrräder: 13
2017 - Diebstähle gesamt: 101 - Fahrräder:   6
2018 - Diebstähle gesamt:   85 - Fahrräder:   8
2019 - Diebstähle gesamt: 116 - Fahrräder:   8

Zu Marina Richters Sicherheitsgefühl trägt die Statistik allerdings wenig bei: "Meine Nachbarin hat neulich beim Holzholen einen fremden Mann in blauer Arbeitskleidung in ihrem Schuppen aufgestöbert", sagt sie. "Inzwischen bekomme ich schon einen Schreck, wenn mein Mann mal vergisst, unser Tor zuzumachen. Da denke ich gleich, jetzt gab es wieder einen Einbruch." Schon lange würde sie auch beim kleinsten Gang durchs Grundstück die Haustür zuschließen. Doch im Fall des Fahrrades ihrer Tochter nutzte das auch nichts.

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