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Die zwei von der Bobbahn

Seit Jahrzehnten sind zwei alte Schulfreunde als Kampfrichter in Altenberg dabei. Dafür nehmen sie extra Urlaub.

Der Dittersdorfer Heiko Gemeinert (links) und der Dresdner Matthias Sedlaczek sind seit 30 Jahren als Kampfrichter an der Altenberger Bobbahn im Einsatz.
Der Dittersdorfer Heiko Gemeinert (links) und der Dresdner Matthias Sedlaczek sind seit 30 Jahren als Kampfrichter an der Altenberger Bobbahn im Einsatz. © Egbert Kamprath

Sie agieren im Hintergrund, laufen vor den Fernsehkameras höchstens mal kurz durchs Bild, aber ohne ihre Tätigkeit ließe sich kein Wettkampf durchführen: die Kampfrichter. Am Start und Ziel der Altenberger Bobbahn stehen 15 von ihnen.

Sie wachen über die Einhaltung der Regeln, wie das vorgeschriebene Gewicht der Schlitten oder den genau festgelegten Querschnitt der Kufen und gehen den Sportlern zur Hand, damit diese schnell die Bahn wieder verlassen können. Schließlich folgen die Schlitten im Abstand von anderthalb bis zwei Minuten. Das ist bei einem Blick auf die Uhr oder bei der ersten Freude über eine gelungene Fuhre manchmal schnell vergessen.

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Heiko Gemeinert und Matthias Sedlaczek sind dabei alte Hasen als Kampfrichter und stehen schon seit Jahrzehnten an der Bahn. Der aus Falkenhain stammende Matthias Sedlaczek arbeitet schon seit 1982 mit. Damals hatte er den aktiven Biathlonsport an den Nagel gehängt, aber nach einer neuen Betätigung gesucht. Er fand sie als Übungsleiter und Kampfrichter an der früheren Naturrodelbahn im Langen Grund bei Oberbärenburg.

Idylle im Lampenschein: Die Altenberger Bobbahn leuchtet im Winterwald.
Idylle im Lampenschein: Die Altenberger Bobbahn leuchtet im Winterwald. © Egbert Kamprath

Erster Anschieber von Gabi Kohlisch

Nach dem Bau der Bobbahn ging es auf ehrenamtlicher Basis im Kohlgrund weiter, erstmals 1986 mit der DDR-Meisterschaft. Und Matthias Sedlaczek überredete schließlich auch seinen früheren Schulfreund Heiko Gemeinert zum Mitmachen. Beide eint auch, dass sie beim Sportclub Oberbärenburg als Anschieber aktiv Bob gefahren sind. Matthias Sedlaczek gehörte 1987 sogar zu den Gründungsmitgliedern.

Beide kennen den Rennsport im Eiskanal also aus eigenem Erleben, können sich in die Athleten hinein versetzen. „Die ersten Fahrten im Bob hat die spätere Weltmeisterin Gabi Kohlisch mit mir als Bremser absolviert, es war damals niemand anderes da“, erinnert sich mit einem Schmunzeln Heiko Gemeinert. Viele der späteren Weltmeister und Olympiasieger hat er quasi bei ihren ersten Schritten erlebt und sich mit ihnen über die Erfolge gefreut. Später wählten viele von Ihnen die Trainerlaufbahn und betreuen nun ihrerseits die Sportler. „Jeder Wettkampf hier ist immer wieder fast wie ein herzliches Klassentreffen“, erzählt der 59-Jährige.

Fehlt da nicht wer? Nein. Neuerdings gibt es auch den Einer, genannt Monobob.
Fehlt da nicht wer? Nein. Neuerdings gibt es auch den Einer, genannt Monobob. © Egbert Kamprath

Doch während der Rennen kennen er und sein Kampfrichterkollege keine Ausnahmen. Die Regeln sind für alle gleich und die Teams wissen, dass sie kontrolliert werden. „Der Kufensport ist mit den Jahren professioneller geworden. Was geht, wird ausgereizt“, erzählt Sedlaczek. Schließlich entscheide oft der Bruchteil einer Sekunde über Sieg und Niederlage. Bei den Kufen haben mittlerweile alle fast die gleichen Voraussetzungen.

„Die Temperatur des Metalls wird von uns vor jedem Start kontrolliert.“ Beim Gewicht lasse sich hingegen noch etwas experimentieren. „Es gibt zwar festgelegte Grenzwerte, aber die lassen Zwischenräume zu. Mit einem Kilo mehr ist die Endgeschwindigkeit vielleicht höher, man muss es beim Start aber auch erst mal mit anschieben“, umschreibt Matthias Sedlaczek seine Tätigkeit.

An seiner Seite stehen die Mitglieder der Jury, die über die Einhaltung des Reglements wachen. So müssen die Kampfrichter nicht im Blick haben, ob ein Bob regelkonform gebaut wurde. Allerdings achten sie darauf, dass kein abgefallenes Teil in der Bahn liegt und Nachfolgende gefährden könnte. Um immer auf dem Laufenden zu bleiben, werden jedes Jahr Lehrgänge besucht.

Das schwere Gerät muss schnell raus aus der Bahn. Matthias Sedlaczek hilft dabei.
Das schwere Gerät muss schnell raus aus der Bahn. Matthias Sedlaczek hilft dabei. © Egbert Kamprath

Dramatische Momente erlebt

Viel erlebt haben die Kampfrichter dabei in den vergangenen Jahrzehnten, lernten interessante Persönlichkeiten hautnah kennen und erlebten dramatische Momente. Sie verfolgten, wie in der früheren Männerdomäne auch Frauen immer mehr Fuß fassten, sehen nun die ersten Wettkampffahrten im neuen Monobob.

Heiko Gemeinert findet vor allem auffällig, dass der Sport über die Jahre immer schneller geworden ist. Mit den Bestzeiten von früher fährt man heutzutage schon lange nicht mehr ganz vorn mit. Auf der anderen Seite werden die Fahrerlager immer kleiner. Das ist ein Problem, mit dem der Leistungssport allgemein zu kämpfen hat. Vor allem aber, wenn das Material so teuer ist wie beim Bob. Deshalb ist es für die beiden Kampfrichter besonders wichtig, dass bald wieder Besucher an die Bahn dürfen. Gerade Altenberg ist bekannt für sein besonderes Flair, das in diesem Jahr alle vermissen.

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Ein Weltmeistertitel oder Podestplatz wird erst dann so richtig schön, wenn er unter dem Jubel von Tausenden erkämpft wurde. Außerdem wünschen sich Heiko Gemeinert und Matthias Sedlaczek, dass sie ihren Urlaub endlich wieder so verbringen können, wie sie es gewohnt sind. Denn nichts anderes ist es, wenn sie bei Wettkämpfen an der Bahn stehen. Sie nehmen sich für diese ehrenamtliche Tätigkeit von ihrer eigentlichen Arbeit im Versuchsgut Börnchen beziehungsweise bei Sachsenenergie frei.

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