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Flügel statt Kufen für Ex-Bobpilot Nico Walther

Bei der Sportlergala des Kreissportbundes erhielten die Sportler des Jahres 2019 endlich ihre Auszeichnungen - und konnten von einigen Neuigkeiten berichten.

"Ich kann ja mal mein Namensschild hochhalten", sagte Nico Walther bei der Sportlergala des Kreissportbundes und der Sächsische Zeitung. Doch auch ohne bleibt der Bobpilot vielen im Gedächtnis.
"Ich kann ja mal mein Namensschild hochhalten", sagte Nico Walther bei der Sportlergala des Kreissportbundes und der Sächsische Zeitung. Doch auch ohne bleibt der Bobpilot vielen im Gedächtnis. © Egbert Kamprath

Bobtrainer Gerd Leopold rutscht die Stimme weg, und er bekommt sie so schnell auch nicht wieder eingefangen. Es bleibt kurz still im Saal. "Respektvoll und anständig" sei Nico Walther im Umgang gewesen, resümiert der Trainer schließlich über die fast zehnjährige Zusammenarbeit mit dem Olympiazweiten im Viererbob: "So geht eine Karriere zu Ende."

Preisverleihung wegen Corona lange verschoben

Bei der Bob-WM 2020 in Altenberg hatte Walther nach dem Empfang seiner Bronzemedaille seinen Abschied vom Wettkampfgeschehen bekannt gegeben. Für viele kam das überraschend. "Ich bin mir sicher, Du hättest auch bei den Olympischen Winterspielen 2022 eine Medaille geholt", sagt Trainer Leopold sichtlich bewegt. "Im Grunde ist Peking für Dich gemacht."

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Im Steigersaal von Schloss Burgk in Freital veranstaltete der Kreissportbund Sächsische Schweiz-Osterzgebirge am Donnerstagabend endlich jene Gala, die eigentlich bereits im letzten Jahr um diese Zeit angesetzt wurde, aber wegen Corona immer weiter verschoben wurde: die Ehrung der Sportler des Jahres 2019.

Gartenpartystimmung im Scheunenhof

Mit circa 50 statt 300 Gästen zwar im kleineren Kreis als gewohnt. Dafür entsteht im sommerlich warmen Scheunenhof schnell Gartenparty-Atmosphäre. "Ich bin gar nicht da", ruft Bobpilot Francesco Friedrich gut gelaunt herüber. Eigentlich sei er nämlich im Ostsee-Urlaub. "Gleich danach fahre ich wieder hoch."

Bei der Preisverleihung erhält das Bobteam Francesco Friedrich vom BSC Oberbärenburg den ersten Platz als Mannschaft des Jahres - 2019 natürlich, dafür bereits zum neunten Mal. "Und immer wieder wichtig für uns", sagt Friedrich bei seiner Dankesrede: "Es zeigt, dass wir unser Gesicht nicht verlieren." Bodenhaftung als Grundhaltung also, und wie es nach der Corona-Erkrankung Mitte März weiterging, kommentiert Anschieber Martin Grothkopp: "Wir sind glimpflich davon gekommen, hatten einen guten Arzt und stehen jetzt gut im Training."

Vor der Preisverleihung war Zeit für ein paar entspannte Gespräche im Hof von Schloss Burgk. Zusammen am Tisch sitzen Bobtrainer Gerd Leopold, Anschieber Candy Bauer vom Bobteam Friedrich, Sportbund-Geschäftsführer Dietmar Wagner und Bobpilot Francesco Friedrich.
Vor der Preisverleihung war Zeit für ein paar entspannte Gespräche im Hof von Schloss Burgk. Zusammen am Tisch sitzen Bobtrainer Gerd Leopold, Anschieber Candy Bauer vom Bobteam Friedrich, Sportbund-Geschäftsführer Dietmar Wagner und Bobpilot Francesco Friedrich. © Egbert Kamprath
Die Ruderer Johanna Sinkwitz und Franz Werner vom Pirnaer Ruderverein 1872 sind beide Jahrgang 2001, waren 2019 erstmals bei den "Großen" dabei - und wurden gleich Sportler des Jahres.
Die Ruderer Johanna Sinkwitz und Franz Werner vom Pirnaer Ruderverein 1872 sind beide Jahrgang 2001, waren 2019 erstmals bei den "Großen" dabei - und wurden gleich Sportler des Jahres. © Egbert Kamprath
Geräteturnerin Julia Leubert vom SV Wesenitztal erhielt die meisten Stimmen bei der Publikumswahl. Dzu gratulierten Kornrad Formella, der Leiter des Expert Marktes Pirna und Jörg Seidel, Geschäftsführer der DDV Sächsische Schweiz-Osterzgebirge GmbH. Wenig später wurde sie sie zusammen mit der Landesliga-Frauenturnriege ihres Vereins auch dritte Mannschaft des Jahres 2019.
Geräteturnerin Julia Leubert vom SV Wesenitztal erhielt die meisten Stimmen bei der Publikumswahl. Dzu gratulierten Kornrad Formella, der Leiter des Expert Marktes Pirna und Jörg Seidel, Geschäftsführer der DDV Sächsische Schweiz-Osterzgebirge GmbH. Wenig später wurde sie sie zusammen mit der Landesliga-Frauenturnriege ihres Vereins auch dritte Mannschaft des Jahres 2019. © Egbert Kamprath
Landtagsvizepräsidentin Andrea Dombois (CDU) ist seit 2020 Schirmherrin der Boballianz Sachsen. Hier im gespräch mit Gerd Leopold (m.) und Francesco Friedrich.
Landtagsvizepräsidentin Andrea Dombois (CDU) ist seit 2020 Schirmherrin der Boballianz Sachsen. Hier im gespräch mit Gerd Leopold (m.) und Francesco Friedrich. © Egbert Kamprath
Alle Erstplatzierten Sportler auf einmal: Ruderin Johanna Sinkewitz, Bobteam Francesco Friedrich (Mitte) mit den Anschiebern Martin Grothkopp und Candy Bauer und Ruderer Franz Werner (re.).
Alle Erstplatzierten Sportler auf einmal: Ruderin Johanna Sinkewitz, Bobteam Francesco Friedrich (Mitte) mit den Anschiebern Martin Grothkopp und Candy Bauer und Ruderer Franz Werner (re.). © Egbert Kamprath

Bobsport schon in die Ferne gerückt

Für Nico Walther, mit seinem Bobteam ausgezeichnet als zweite Mannschaft des Jahres, ist der Sport bereits spürbar in die zweite Reihe gerückt - das verrät eine zweite Gesprächspause im Saal. Sie entsteht, als der Moderator nach der Bob-WM in Whistler 2019 fragt. Walther muss die Details erst mal wieder hervorkramen. "Das war vor allem gut, weil auch Paul Krenz endlich Edelmetall bekam", sagt er schließlich. Krenz war in Whistler sein Anschieber im Zweierbob.

Längst bestimmt ein gänzlich anderer Alltag Nico Walthers Leben: "So lange ich denken kann, war Pilot mein Traumberuf", sagt der 31-Jährige. "Diese Woche hatte ich meine theoretische Abschlussprüfung." Weil die Berufsschule für die Ausbildung in Essen liegt, wohnt er zur Zeit noch dort. "Dass wir danach zurück kommen, steht fest", sagt er und meint sich und seine Frau, "noch sind wir zu zweit." Geplant ist, in der Dresdner Umgebung sesshaft zu werden und im Leipziger Frachtflugverkehr zu arbeiten.

Ruderer mitten drin in der Karriereplanung

Johanna Sinkewitz vom Pirnaer Ruderverein 1872 ist noch mitten drin in der Sportkarriereplanung. Auch von einem Ellbogenbruch im letzten Jahr hat sie sich nicht ausbremsen lassen: "Ich hatte solche Angst, dass es nicht mehr geht", sagt sie: "Aber ich habe einen guten Physiotherapeuten." Die Gold- und Silbergewinnerin der Junioren-Ruder-WM in Tokio des Jahres 2019 wird als nächstes bei den Europameisterschaften im September an den Start gehen und hält auf die Ruderweltmeisterschaften im nächsten Jahr zu.

Der Ruderer Franz Werner, ausgezeichnet zum Sportler des Jahres 2019, gehört zum selben Jahrgang wie Sinkewitz und auch zum selben Ruderverein. Er ist U23-Vizeweltmeister im Doppelvierer. Sinkewitz und er kennen sich auch vom Dresdner Sportgymnasium, dass sie bis letztes Jahr besuchten.

Auch jetzt hat es sie in eine ähnlich Richtung verschlagen: Sinkewitz beginnt ein Sport- und Geografie-Studium in Halle, Werner fängt eine Ausbildung bei der Landespolizei Sachsen in Leipzig an, beide trainieren in Leipzig. "Leider lässt sich mit Rudern kein Geld verdienen", sagt Sinkewitz. Auf sie wartet in Zukunft der Spagat zwischen Studium, Ausbildung und Trainingseinheiten.

Wahl zum Sportler oder zur Sportlerin des Jahres 2019

Die Sieger wählt eine 20-köpfige Jury. Ihre Rangliste geht zur Hälfte ins Endergebnis ein. Die andere Hälfte kommt von SZ-Tippscheinen und der Online-Wahl beim Kreissportbund. Beide Rankings wurden addiert. Für die Wahl gingen 4551 Publikumsstimmen ein.

Sportlerin des Jahres

1. Platz: Johanna Sinkewitz vom Pirnaer Ruderverein 1872 e. V., Rudern

2. Platz: Susanne Kreher vom BSC Sachsen Oberbärenburg e. V., Skeleton

3. Platz: Jessica Tiebel vom RRC Altenberg e. V., Rennrodeln

Sportler des Jahres 2019

1. Platz: Franz Werner vom Pirnaer Ruderverein 1872 e. V., Rudern

2. Platz : Mathis Ertel vom RRC Altenberg e. V. Rennrodeln

3. Platz: Justus Strelow vom SG Stahl Schmiedeberg e. V., Biathlon

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1. Platz: Bobteam Francesco Friedrich vom BSC Sachsen Oberbärenburg e. V., Bobsport

2. Platz: Bobteam Nico Walther vom BSC Sachsen Oberbärenburg e. V., Bobsport

3. Platz: Landesliga-Frauenturnriege, SV Wesenitztal e. V., Geräteturnen

Publikumspreis 2019

Julia Leubert vom SV Wesenitztal e. V., Geräteturnen

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