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Der Frühling kommt nach Schellerhau

Spätestens zu Himmelfahrt blüht es überall im Botanischen Garten Schellerhau. Doch die eigentlichen Champions des Gartens sind ganz unscheinbar.

Um dem Hundszahn im Botanischen Garten Schellerhau nahe zu kommen, muss man tief in die Knie gehen.
Um dem Hundszahn im Botanischen Garten Schellerhau nahe zu kommen, muss man tief in die Knie gehen. © Karl-Ludwig Oberthür

Die Elfenblumen halten ihre rosafarbenen Knospen noch fest zusammen, und auch der Allermannsharnisch streckt seine grünen Blattspitzen nur zögernd aus der Erde: "Die Pflanzen sind dieses Jahr etwa zwei bis drei Wochen mit dem Wachstum hinterher", sagt Steffi Glaser.

Sie arbeitet seit den neunziger Jahren als Gärtnerin im Botanischen Garten Schellerhau, Weil die Leiterin Annette Zimmermann unglücklicherweise kurz vor dem Start in die neue Gartensaison krank wurde, weist sie heute auf die Besonderheiten der 1,5 Hektar großen Fläche hin, auf der am unteren Ende noch Schnee liegt.

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Klangpfad ist besucherfertig für die neue Saison

"So lange Schnee liegt, können wir nichts machen", sagt Glaser. Und der lag in Schellerhau eigentlich bis Anfang Mai flächendeckend. Seit dem ist das kleine Viererteam damit beschäftigt, die Anlagen für die Besucher auf Vordermann zu bringen: abgestorbene Äste entfernen, Gartenmöbel auf den Picknickplatz stellen, die Musikgeräte des Klangpfades installieren.

"Jetzt braucht es nur noch einen Tag Sonne oder einen warmen Regen, dann gehen die Knospen überall auf", sagt Glaser und weist auf ein paar Blätter des Allermannsharnisch, die schon eine Ahnung geben, wie sie am Ende aussehen: Wie Bärlauch nämlich. "Schmeckt auch ähnlich", sagt Glaser, "er spielt eine Rolle als Naturheilmittel." Als Schutzpflanze der Bergleute galt er auch.

Kugelprimeln und Himmelschlüssel sind Kältehelden

Die Kugelprimeln begrüßen Besucher gleich am Eingang.
Die Kugelprimeln begrüßen Besucher gleich am Eingang. © Karl-Ludwig Oberthür
Auch die Himmelschlüssel zeigen sich unbeeindruckt vom kalten Frühjahr.
Auch die Himmelschlüssel zeigen sich unbeeindruckt vom kalten Frühjahr. © Karl-Ludwig Oberthür
Der blühende Seidelbast ist ein Hingucker am unteren Ende des Botanischen Gartens Schellerhau.
Der blühende Seidelbast ist ein Hingucker am unteren Ende des Botanischen Gartens Schellerhau. © Karl-Ludwig Oberthür
Die Sumpfdotterblumen geben einen Vorgeschmack auf den Sommer,
Die Sumpfdotterblumen geben einen Vorgeschmack auf den Sommer, © Karl-Ludwig Oberthür

Die Helden des kalten Frühjahrs sind derweil die violetten Kugelprimeln und die hellgelben Himmelschlüsselchen, die gleich am Eingang einen blühenden Empfang bilden, ungeachtet des unterkühlten Frühjahrs, das auch noch am Freitag stehts bereit ist, ein paar Hagelkörner in den Regen zu mischen.

An einem Krokusteppich vorbei - "Ameisen nehmen die Samen mit und verteilen sie überall" - führt Glaser zu einem kleinen Teich mit Sumpfdotterblumen am Ufer, die mit ihrem dickem Gelb an die Butterblumen und damit schon an den Sommer erinnern.

Die größte Attraktion unter den Frühblühern gibt sich erst einmal unscheinbar: Der Hundszahn von filigranem Wuchs und dezentem Violett ist ein Ureinwohner Sibiriens und verschwindet fast zwischen den weißen und blauen Anemonen, die ihn umringen.

Unscheinbarer Bärlapp ist das eigentliche Highlight

Noch unscheinbarer ist der eigentliche Stolz der Schellerhauer Botaniker: "Bei uns wachsen verschiedenen Bärlapparten", sagt Glaser und bückt sich zu einem kriechenden Gewächs am Boden, dass aussieht wie ein verzweigter Drachenschwanz oder auch wie eine Mischung aus Moos und Flechte: "Die Bärlappe sind eine eigene Pflanzengattung wie die Farne oder die Samenpflanzen", sagt Glaser.

Weil sie offene Landschaften und karge Böden brauchen, sind sie überall auf dem Rückzug, wo Land kultiviert und gedüngt wird. Und obwohl sich die Schellerhauer an der Samengewinnung und dem -tausch innerhalb der Botanischen Gärten dieser Welt emsig beteiligen, ist die Weitergabe von Bärlapp-Senkern sehr schwierig: "Dazu müssten wir ein Gefäß unter einem Teil der Pflanze stellen, damit sie dort anwurzelt." Das kann Jahre dauern.

Der Bärlapp hat beste Wachstumsbedingungen auf kargen Böden. Nach dem sonnigen Wochenende weist der schöne Blick über den Schellerhauer Botanischen Garten und das Osterzgebirge sicher in blühende Landschaften.
Der Bärlapp hat beste Wachstumsbedingungen auf kargen Böden. Nach dem sonnigen Wochenende weist der schöne Blick über den Schellerhauer Botanischen Garten und das Osterzgebirge sicher in blühende Landschaften. © Karl-Ludwig Oberthür

Zu Himmelfahrt blüht alles

Spätestens am Himmelfahrtstag haben die Elfenblumen ihre eingerollten Knospen zu hellrosa Blüten ausgestreckt. Anders als der Forstbotanische Garten in Tharandt hat der Schellerhauer nun bis Oktober täglich geöffnet. Eintritt ist mit einem tagesaktuellen negativen Coronatestbescheid mitsamt Angabe der Kontaktdaten möglich.

"Wir verkaufen auch abgepackte Snacks, Getränke und Eis", sagt Glaser. Zudem haben sie Garten- und Wanderbücher im Sortiment, die Holzäppelprodukte der Region und ab und an auch Pflanzenstecklinge. Mitgebrachter Proviant kann auf dem Picknickplatz verzehrt werden: "Natürlich unter Einhaltung der Abstandsregeln, aber das ist hier nicht schwer."

Forstbotanischer Garten Tharandt noch geschlossen

Sowohl im Hochmoor Zinnwald-Georgenfeld als auch im Botanischen Garten Schellerhau wird Eintrittsgeld verlangt - deshalb sitzt ohnehin Personal am Eingang und überprüft die Personenzahlen und Anmeldungen.

Anders im Forstbotanischen Garten Tharandt: "Da der Eintritt stets frei ist, gibt es also auch keine Kasse oder ein Sekretariat oder ein stets besetztes Telefon. Die Anmeldung würde zur Glückssache werden", schreibt Kustos Ulrich Pietzarka auf der Internetseite. Bis sich Inzidenzen wieder unangemeldete Besucher zulassen, bleibt der Tharandter Garten geschlossen.

Botanischer Garten Schellerhau, Hauptstraße 41a, bis Oktober täglich 9-17 Uhr

Georgenfelder Hochmoor: Hochmoorweg 9, Zinnwald-Georgenfeld, bis Oktober (witterungsabhängig) täglich von 9-17 Uhr

www.naturbewahrung-osterzgebirge.de

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