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Fürstlicher Spielplatz für Fürstenwalde

Corona verhagelte dem Fürstenwalder Karnevalsklub die Finanzen - aber nicht die Ideen. Jetzt hat der Verein mehr Geld als geplant.

Steve Lehmann vom Karnevalsklub Fürstenwalde.
Steve Lehmann vom Karnevalsklub Fürstenwalde. © Karl-Ludwig Oberthür

In dem Film, den der Fürstenwalder Karnevalsklub auf Youtube gestellt hat, geht alles ganz schnell: Gerade mal dreieinhalb Minuten dauert es dort, bis Fürstenwalde einen Spielplatz hat. Genau gegenüber der Bushaltestelle Erbgericht.

Im wirklichen Leben dauerte die Bauphase natürlich länger: "Die ersten Pläne haben wir im Herbst 2019 gemacht", sagt Steve Lehmann. Er ist im Vorstand des Karnevalsklubs, also des Vereins, der den Bau des Spielplatzes in die Hand nahm - wortwörtlich: "Insgesamt haben bestimmt um die 30 Leute daran mitgearbeitet."

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Jetzt kann er sich mit seinen Vereinskollegen gleich wieder hinsetzen und planen. Denn neben dem Spielplatz soll auch noch ein kleiner Sportplatz dazukommen, mit einem Tartanfeld von neun mal zwölf Metern.

Geldsammlung über Sparkassen-Plattform "99 Funken"

Der Spielplatz ist nahezu fertig, nur noch eine Wipp-Ente und die endgültige TÜV-Abnahme fehlen.
Der Spielplatz ist nahezu fertig, nur noch eine Wipp-Ente und die endgültige TÜV-Abnahme fehlen. © Karl-Ludwig Oberthür

Inzwischen hat der Verein über 20.000 Euro per Crowdfounding auf "99 Funken" gesammelt, der Internetplattform der Ostsächsischen Sparkasse - das sind 15.000 Euro mehr als die 5.000 Euro, die die Fürstenwalder als sogenannte Foundingschwelle angaben: So viel Geld sollte mindestens zusammenkommen, damit sie den Sportplatz angehen konnten.

Es sind auch 8.000 Euro mehr als das angegebene Foundingziel, das bei 12.000 Euro lag - das höchste Ziel, das sich die Fürstenwalder gesteckt hatten. "Wir merken immer wieder, dass regionale Projekte auf unserer Plattform auf viel Sympathie stoßen", sagt Jan Klemmer vom 99-Funken-Team der Ostsächsischen Sparkasse: "Aber dieser Verein hat schon etwas Besonderes geleistet." Bei etwas über 300 Einwohnern hat das Örtchen nahe der tschechischen Grenze mit seinem Spielplatz-Vorhaben 133 Unterstützer gefunden - und es könnten noch mehr werden. Erst am Freitag endet die Spendenaktion.

Viele Projekte in Ostsachsen unterstützt

"85 Prozent aller Vorhaben werden positiv gefoundet", sagt Klemmer und meint damit: So viele erreichen auf "99 Funken" ihre Finanzierungsziele. Weil Corona dieses Jahr vielen Vereinen die Finanzierung ihrer Vorhaben erschwerte, stellte die Sparkasse außerdem einen Topf mit 40.000 Euro bereit, aus dem sie jede Spende bis zu einem Höchstzuschuss von 2.000 Euro verdoppelte. "Das lief erst langsam an, aber inzwischen ist der Topf leer. Wir planen jedoch für das nächste Jahr, wieder so einen Fonds einzurichten", sagt Klemmer.

In diesem Jahr kam das Schloss Lauenstein auf diese Weise zu einer neuen Turmuhr, Kreischa zu einem Kinderfußballfeld, Bannewitz zu einem Ringgerüst auf dem Sportplatz und der Freitaler Sportklub-Nachwuchs zu einem Mannschaftsbus. Aktuell läuft noch das Projekt des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz, der der Babisnauer Pappel eine neue Aussichtsplattform bauen möchte. Auch für das Trampolin für die Kinder des Glückskäfer-Kindergartens in Dippoldiswalde kann man noch spenden. Beide haben ihre angestrebten Summen bereits erreicht.

Regionale Verwurzlung ist Voraussetzung

Regionale Verwurzlung ist eins der Merkmale, die die Projekte erfüllen müssen, um bei 99 Funken dabei zu sein. "Außerdem muss es dem Gemeinwohl dienen", sagt Klemmer. "Das unterscheidet unser Crowdfounding von anderen Plattformen." Wer diese Voraussetzungen erfüllt, kann seine Idee bei 99 Funken vortragen: "Bei uns prüfen drei Fachleute das Projekt und geben auch Tipps, wie es sich am besten anmelden und präsentieren lässt", sagt Klemmer.

Die Vereinsmitglieder des Fürstenwalder Karnevalsklubs hatten den kleinen Bolzplatz im zweiten Bauabschnitt schon länger angedacht. Nur die Finanzierung sollte eigentlich ganz anders laufen - nämlich wie immer: "Wir veranstalten jedes Jahr die Beachparty auf dem alten Sportplatz und natürlich die Faschingsfeiern", sagt Steve Lehmann. Fünf davon hatten sie im Februar dieses Jahres noch im Vereinshaus durchführen können, alle gut besucht: "Allein zum Kinderfasching kommen bestimmt hundert Kinder und noch mal so viele Erwachsene."

Beachparty und Fasching sollten Sportplatz finanzieren

So ähnlich sah das Spielplatzgelände anfangs auch aus. Auf der Fläche daneben soll der Sportplatz entstehen.
So ähnlich sah das Spielplatzgelände anfangs auch aus. Auf der Fläche daneben soll der Sportplatz entstehen. © Karl-Ludwig Oberthür

Eintrittsgeld und die Einnahmen aus dem Getränkeverkauf gehen dabei an den Karnevalsklub, der davon wiederum den Spielplatz finanzierte: "Alles in allem hat er circa 55.000 Euro gekostet", sagt Lehmann. Davon kamen 32.000 Euro aus dem EU-Leader-Programm zur Entwicklung ländlicher Regionen, den Rest steuerte der Verein bei - samt Arbeitskraft, versteht sich. "Die Stadt Altenberg hat das Stück Land hier beigesteuert. Das konnten wir für 30 Jahre pachten." Hilfe vom Bauhof gab es auch, nur eine Finanzierung war im Altenberger Haushalt nicht drin.

Das allerdings sind die Fürstenwalder gewohnt, ebenso wie sie es gewohnt sind, die Dinge selbst zu organisieren. Den Sportplatz wollten sie komplett aus eigener Tasche bezahlen. Doch als Corona erst die Beachparty verhinderte und dann keine Planungen für Faschingsfeiern zuließ, kam die Idee auf, bei 99 Funken mitzumachen.

Stromanschluss und Geräteschuppen sind die Extras

"Mit dem zusätzlichen Geld ist jetzt neben dem Sportplatz auch noch ein Stromanschluss für den Spielplatz drin, und wir können einen Geräteschuppen bauen", sagt Steve Lehmann. Inzwischen sind ja auch die Jungen im Dorf fitte Bauarbeiter. "Da hatten einige von uns anfangs nicht viele Erfahrungen", sagt Lehmann. "Aber dann kamen die Älteren und haben uns gezeigt, wie man das auf dem Bau macht." Die langwierigste Arbeit sei die Bemalung des Zauns mit Märchenfiguren gewesen: "Die entstand den Winter über. Viele Frauen aus dem Dorf hatten sich zwei, drei Latten mit nach Hause genommen und die Motive gepinselt."

Zumindest dem Spielplatz fehlt nur noch eins, bevor der TÜV die Endabnahme vornehmen soll: ein Federwipptier, genauer: Die Faschingsente aus dem Vereinslogo soll noch aufgestellt werden. Jedes Kind, das darauf wippt, wird das Logo vervollständigen.

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