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Dorfhainer Geopark statt Sächsische Schweiz

Der Geopark soll sich als touristische Marke im Osterzgebirge etablieren. Regionalentwicklungsminister Thomas Schmidt will das Projekt unterstützen.

Jens Jähnig (vorn), Stiftungsvorstand von Georado, zeigt Thomas Schmidt (CDU, re.), der Sächsische Staatsminister für Regionalentwicklung, in Dorfhain die Aktivitäten des Geoparks.
Jens Jähnig (vorn), Stiftungsvorstand von Georado, zeigt Thomas Schmidt (CDU, re.), der Sächsische Staatsminister für Regionalentwicklung, in Dorfhain die Aktivitäten des Geoparks. © Daniel Schäfer

Jens Jähnig denkt groß. "Diese Bilderrahmen sind teuer", erklärt er Thomas Schmidt (CDU), dem Sächsischen Staatsminister für Regionalentwicklung und weist auf die übermannshohen Konstruktionen aus kunstvoll angerostetem Eisen, die sich im Hof der ehemaligen Elektrotechnikfabrik Ellinger & Geissler reihen. "Da mussten wir schon ein paar mehr bestellen, damit sich das rechnet", sagt der Vorstand der Georado-Stiftung.

Deshalb sind erst einmal nur ein paar Rahmen gefüllt, mit Informationstexten über neue technologische Möglichkeiten beim Bauen. Das alte Fabrikgebäude in Dorfhain ist der Sitz der Stiftung, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, Erkenntnisse über Geologie, Geotechnik und Bautechnik zu vermitteln.

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Deutschlandweite Vermarktung als Geopark

Auch der Vereinssitz des Geoparks Sachsens Mitte liegt auf dem Gelände. Die Vereinsvorsitzend Eva Pretzsch war es auch, die Minister Schmidt am Donnerstag eingeladen hatte, sich über den Stand der Dinge bei der Zertifizierung zum "Nationalen Geopark" zu informieren. "Die Zertifizierung brächte uns viel mehr Aufmerksamkeit", sagt sie. "Wir würden dann von der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Geoparks mit vermarktet."

Eva Pretzsch ist die Projektmanagerin und im Vereinsvorstand des Geoparks.
Eva Pretzsch ist die Projektmanagerin und im Vereinsvorstand des Geoparks. © Christian Juppe

Den Geopark Sachsens Mitte muss man sich weniger als begrenzten Park vielmehr als Netz touristischer Angebote in der Region vorstellen. Auch hier sind bis zur Zertifizierung Ende des Jahres noch ein paar Lücken zu füllen. "Wir müssen einige Voraussetzungen erfüllen. Das Siegel beinhaltet ja auch eine Qualitätssicherung", sagt Pretzsch.

Wanderungen mit Geopark-Rangern gerade nicht möglich

Letztlich soll der Geopark Touristen auf die Region rund um den Tharandter Wald und das Osterzgebirge aufmerksam machen: "In Dresdens Umgebung gibt es in der öffentlichen Wahrnehmung die Sächsische Schweiz und vielleicht noch das Elbland", sagt Pretzsch. Die ebenfalls reizvolle Landschaft in Dresdens Süden haben die wenigsten auf dem Schirm. Das soll sich ändern.

"Der Geopark soll als Marke für das Osterzgebirge stehen", sagt Pretzsch. Verbunden mit ganz konkreten Angeboten: 28 Geotope gibt es in der Region - bestimmte Gesteinsarten, die sich direkt erkennen lassen. Sie sind das Pfund, um das herum eine touristische Infrastruktur etabliert werden soll.

Radrundweg zu allen 28 Geotopen geplant

Wenn nicht gerade Corona sämtliche Gruppenaktionen unmöglich macht, führen Geopark-Ranger schon jetzt beispielsweise über den Bodenlehrpfad im Tharandter Wald, zum Porphyr-Fächer bei Mohorn oder erklären die historische Landvermessung anhand besonderer Aussichten.

Auch ein Radrundweg zu den 28 Geotopen ist geplant: "Den wollen wir mit dem Radweg an der Weißeritztalbahn verbinden", sagt Pretzsch. Der Mohorner Porphyrfächer und der Lips-Tulian-Felsen zählen zu den einzelnen Geotopen. Den Sandsteinbruch am Flügel Jägerhorn bei Grillenburg haben Ehrenamtliche in den letzten Jahren von überwuchernden Pflanzen befreit und ihn wieder zugänglich gemacht.

Ehrenamtliche sind das wichtigste Standbein

"Die Ehrenamtlichen sind unser wichtigstes Standbein", sagt Pretzsch. Sie zu fördern und zu unterstützen, gibt sie dem Regionalentwicklungsminister Schmidt bei seinem Besuch mit auf den Weg. Ihr zweites Anliegen: Eine institutionelle Förderung würde es dem Verein besser ermöglichen, das Netzwerk zwischen Tourismus, lokaler Wirtschaft, Wissenschaft und Kommunen kontinuierlich zu pflegen.

Derzeit gehören Dippoldiswalde, Klingenberg, Tharandt, Rabenau, Wilsdruff, Freital, Halsbrücke und Bobritzsch zum Geopark-Gebiet. Bis zur Zertifizierung könnten noch Glashütte, Kreischa, Bannewitz, Reinsberg, Großschirma und Frauenstein dazukommen. "Später können wir das Gebiet kaum noch erweitern", sagt Pretzsch.

Finanzierung mit Leader-Förderung

Zwischen 2019 und 2021 trugen die beteiligten Kommunen 64.770 Euro zur Finanzierung der Aktivitäten des Geoparks bei, 222.887 Euro kamen von der Leader-Förderung "Silbernes Erzgebirge". Durch Mitgliedsbeiträge und andere Fördertöpfe kamen noch einmal rund 10.000 Euro zusammen.

Jetzt geht es um die Finanzierung der nächsten drei Jahre - die Leader-Förderung soll dabei wieder die wichtigste Rolle spielen. "Wir müssen den Menschen, die touristische Angebote in ihrer Heimat in Deutschland suchen, etwas anbieten. Dafür haben Sie hier die besten Voraussetzungen geschaffen", sagt Minister Schmidt: "Leader bringt die Kommunen zusammen. Die Förderung wird weitergehen."

Ländliche Räume sollen vitale Regionen werden

Das Geopark-Vorhaben passe auch zum Mitmachfonds simul+ des Regionalentwicklungsministeriums, in dem der Wettbewerb „Ideen für den ländlichen Raum“ und der bisherige Mitmachfonds zusammen fortgeführt werden. "Wir wollen in Zukunft weniger von ländlichen Räumen als von vitalen Regionen sprechen."

Dazu sei es wichtig, wirtschaftliche und kulturelle Partner einzubeziehen und übergreifend zu denken - auch in den Ministerien: "Ich werde mit der Tourismusministerin Barbara Klepsch reden, wie sich Touristen auch hier her lenken lassen."

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