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Hinderniswandern um Lehnmühl-Talsperre

Der Kreiswegewart möchte attraktive Wanderziele westlich der Weißeritztalbahn schaffen. Fehlt dafür der politische Wille?

Kreiswegewart Gunter Fichte ist für das Osterzgebirge zuständig. Die Wege um die Lehnmühl-Talsperre würde er gern zu einem Rundweg verbinden.
Kreiswegewart Gunter Fichte ist für das Osterzgebirge zuständig. Die Wege um die Lehnmühl-Talsperre würde er gern zu einem Rundweg verbinden. © - keine Angabe im huGO-Archivsys

Keiner kann Gunter Fichte vorwerfen, er hätte nicht rechtzeitig einen Wanderweg rund um die Talsperre Lehnmühle angemahnt: "Initiativen und Vorschläge, einschließlich einer eher formal abgewiesenen Petition im Sächsischen Landtag gibt es seit 2015 zur Genüge", schreibt er per Mail an die Redaktion. Fichte ist der Kreiswegewart für das Osterzgebirge. Bei der Sanierung der Talsperre Lehnmühle schlug er einen Wanderweg über die Mauerkrone vor: "Bis dahin hieß es immer, das Geländer da oben wäre 15 Zentimeter zu niedrig, so könne es der TÜV nicht als öffentlichen Weg freigeben."

Ein Rundwanderweg um die Talsperre Lehnmühle ist der Traum Gunter Fichtes - oder auch sein zähestes Lebensprojekt. Denn auch wenn die rund neun Kilometer rund um den See zu großen Teilen bereits als Wanderwege existieren - der rote Strich führt westlich, der gelbe Punkt östlich am Stausee vorbei - lassen sie sich einfach nicht zu einem Rundweg verbinden. Und das nicht wegen geografischer, sondern behördlicher Schwierigkeiten. So sieht es Fichte.

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Kein Weg über die Mauerkrone der Talsperre Lehnmühle

Denn über die Mauerkrone führt auch nach der Sanierung kein Weg. "Unmittelbar an der Mauerkrone befindet sich das Betriebsgelände der Staumeisterei. Dazu gehören unter anderem Carports, Garagen, Materiallager, Technik, Fahrzeuge sowie das Dienstgebäude, in welchem sich sowohl die Räume der Staumeisterei als auch eine private Wohnung befinden", schreibt Katrin Schöne, die Pressesprecherin der Landestalsperrenverwaltung: "Ein öffentlicher Rad- und Wanderweg müsste zwangsläufig durch dieses Betriebsgelände führen. Dies würde sowohl zu erheblichen Gefährdungen der Besucher (beispielsweise infolge des Fahrzeugverkehrs) sowie zu erheblichen Einschränkungen des Dienstbetriebes an der Stauanlage führen."

Gunter Fichte kennt diese Hindernisse. Doch seiner Ansicht nach führt dort, wo ein Wille ist, auch bald ein Weg entlang: "Die Talsperren Sosa, Eibenstock und Carlsfeld im Vogtland wurden von derselben Landestalsperrenverwaltung ebenfalls saniert, aber mit Wanderoptionen über die Stauanlagen", sagt er: "Was hier fehlt, ist der politische Wille, Synergien für ein touristischen Standbein abzuleiten."

Weißeritztalbahn braucht Wanderziele westlich der Trasse

Die Mauerkrone der sanierten Talsperre Lehnmühle bleibt unzugänglich.
Die Mauerkrone der sanierten Talsperre Lehnmühle bleibt unzugänglich. © Karl-Ludwig Oberthuer

Seiner Ansicht nach müssten die Haltestellen die Weißeritztalbahn auch westlich der Trasse mit lohnenswerten Wanderzielen verbunden werden, und gerade die Lehnmühl-Talsperre hätte sich in den vergangenen beiden Jahren, als das Dorf Steinbrückmühle wegen des niedrigen Wasserspiegels des Staussees wieder auftauchte, bis nach Dresden als lohnenswertes Ziel herumgesprochen.

Katrin Schöne von der Landestalsperrenverwaltung hält dagegen: "Ein kompletter Umbau des Betriebsgeländes allein zum Zweck der Realisierung eines öffentlichen Wanderweges über die Staumauer ist wirtschaftlich nicht vertretbar", schreibt sie. Zumal es sich bei der den Baumaßnahmen der letzten zwei Jahre um Sanierungen im Bestand gehandelt hätte - also nicht um einen Umbau, bei dem man neue Wege gleich mit hätte anlegen können.

Klingenberger und Dippoldiswalder Verwaltungsgrenzen

Mit der Lehnmühl-Talsperre hat sich der Wegewart zudem ein kompliziertes Wandergebiet ausgesucht. Der See liegt nämlich in zwei verschiedenen Veraltungseinheiten: westlich die der Gemeinde Klingenberg, östlich die der Stadt Dippoldiswalde. Das macht aus der Knackerbrücke, die nördlich der Talsperre über die Wilde Weißeritz führt, ein dickes Brett: "Die hatte der Sachsenforst eigentlich gebaut, weil er sie für Forstarbeiten benötigte", sagt Fichte. Wanderer nahmen sie sofort dankbar an. Doch nun benötigt der Sachsenforst die Holzbrücke nicht mehr. Forstbezirksleiter Sven Irrgang würde die Holzkonstruktion gern abreißen lassen, zumal sie sich "in einem nicht verkehrssicheren Zustand" befindet, "es besteht Gefahr für Leib und Leben", wie er an die Gemeindeverwaltung Klingenberg schreibt.

"Der Sachsenforst würde die Brücke noch einmal in Ordnung bringen, aber nur, wenn danach eine Gemeinde die Pflege übernimmt", sagt Fichte dazu. Das Problem: Die Brücke liegt auf einem Flurstück der Gemarkung Reichstädt. Wäre nun die Gemeinde Hartmannsdorf-Reichenau oder die Stadt Dippoldiswalde zuständig? "Dippoldiswalde", meint Fichte.

Sachsenforst setzt Frist für die Knackerbrücke

Die Knackerbrücke über die Wilde Weiseritz ist morsch und müsste aufgearbeitet werden.
Die Knackerbrücke über die Wilde Weiseritz ist morsch und müsste aufgearbeitet werden. © Gunter Fichte

"Das sind neue Informationen und wir werden uns dazu erst einmal mit dem Sachsenforst und der Gemeinde Klingenberg abstimmen", schreibt wiederum Melanie Liebscher aus dem Dippoldiswalder Rathaus dazu. Der Sachsenforst hat eine Frist bis März gesetzt, um die Brücke entweder abzureißen oder an eine Gemeinde zu übergeben.

Die gesperrte Mauerkrone der Talsperre und die Knackerbrücke sind die scheinbaren Kleinigkeiten, die Gunter Fichtes mühsam aufgebautes Wanderwegenetz immer wieder mit Löchern versehen. "Wanderwege instand zu halten ist immer der letzte Posten, den eine Kommune im Blick hat und der erste, an dem gekürzt wird", sagt er. Zudem scheren sich weder Wanderer noch Wege um die Verwaltungsgrenzen - auch das motiviert nicht recht zum oft kleinteiligen Ausweisen von Wegen. "Doch wegen Corona wurde gerade in diesem Jahr deutlich, dass ein attraktives Wandergebiet mehr als Liebhaberei ist: Tourismus kann ein Wirtschaftsmotor sein", sagt Fichte, und: "Mit politischem Willen wird dann auch eine Mauerkrone passierbar."

Derweil türmt sich schon die nächste Puzzlearbeit am Horizont: "Mit dem neuen Landesstraßengesetz können private Grundeigentümer ab 2023 bislang öffentliche Feld- oder Waldwege sperren", schreibt Fichte in einem Beitrag für die Amtsblätter von Klingenberg bis Glashütte. Die Gemeinden müssten vorher ihre Wanderwege definieren und sich zu ihrer Pflege bekennen.

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