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Was wird aus den Hotelruinen im Osterzgebirge?

Für Abriss des Fürstenhofs in Kipsdorf und der Hirschsprungbaude beantragt die Stadt Altenberg Fördermittel. Die Gebäude haben Geschichte.

Auch das Ensemble des Fürstenhofes in Kipsdorf ist dem Abriss geweiht.
Auch das Ensemble des Fürstenhofes in Kipsdorf ist dem Abriss geweiht. © Egbert Kamprath

Dass Haussanierungen ins Geld gehen können, hat sich herumgesprochen. Doch auch ein Abriss ist eine teure Angelegenheit. Das ist derzeit der einzige Grund, warum der Fürstenhof mitsamt seinem markanten hölzernen Bettenhaus in Kipsdorf und die Hirschkopfbaude in Hirschsprung noch stehen.

Den Beschluss zum Abriss beider Häuser fasste der Altenberger Stadtrat schon vor langer Zeit. In der letzten Sitzung haben die Mitglieder nochmal nachjustiert: Aus dem Gründerzeitgebäude des Fürstenhofes von 1887 und dem Bettenhaus daneben haben sie zwei Abrissvorhaben gemacht, damit sich das Bauamt besser auf Fördermittel bewerben kann. "Sonst haben wir so hohe Baukosten, das geben die Fördertöpfe nicht her", sagt der Altenberger Bürgermeister Thomas Kirsten. Für den Abriss des Fürstenhofes veranschlagt das Altenberger Bauamt 335.000 Euro, für das Bettenhaus 220.000 Euro.

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Spülung mit Grubenwasser vom Zschetterberg

Ähnlich wie der Geisinghof in Geising, der noch dieses Jahr abgerissen werden soll, war auch der Fürstenhof um die Jahrhundertwende ein hochmodernes "Badhotel mit Badehaus". Der Besitzer, Kapellmeister Friedrich Wagner aus Dresden, schaffte es, Grubenwasser vom Zschetterberg für sein Hotel zu nutzen. "Deshalb hatte es als erstes hier fließendes Wasser für die Toilettenspülung", sagt Siegfried Gerhardt.

Der Heimatforscher sieht von seinem Haus in Kipsdorf direkt auf den Fürstenhof, zu dem neben dem Bettenhaus, einem Anbau mit Billardsaal und einem für ein Café auch noch ein Casinogebäude gehörte. "Ab 1895 betrieb es Karl Otto Adolph. Der hatte vorher bei Heinrich Lahmann in Dresden als Arzt gearbeitet und vertrat dessen Idee der Bäderkuren." Das Bettenhaus hätte früher beispielsweise einen umlaufenden Balkon gehabt, zu dem die Gäste von jedem Zimmer aus Zutritt hatten - um nackt Sonnenbäder zu nehmen.

Noch lange Wohnhaus und Schule in Kipsdorf

Die Historische Ansicht vom Fürstenhof Kipsdorf stammt aus der Archivrecherche des Heimatforschers Siegfried Gerhardt.
Die Historische Ansicht vom Fürstenhof Kipsdorf stammt aus der Archivrecherche des Heimatforschers Siegfried Gerhardt. © Siegfried Gerhardt
Einstmals wurden im Fürstenhof fröhliche Feste gefeiert.
Einstmals wurden im Fürstenhof fröhliche Feste gefeiert. © Siegfried Gerhardt
Ein Blick in die historische Küche des Fürstenhofes
Ein Blick in die historische Küche des Fürstenhofes © Siegfried Gerhardt
Die Schlafräume wirken aus heutiger Sicht nicht gerade komfortabel.
Die Schlafräume wirken aus heutiger Sicht nicht gerade komfortabel. © Siegfried Gerhardt
Der Fürstenhof im Winter
Der Fürstenhof im Winter © Siegfried Gerhardt
Das Hotel und Restaurant hatte ein eigenes Geschirr.
Das Hotel und Restaurant hatte ein eigenes Geschirr. © Siegfried Gerhardt

Doch schon in den zwanziger Jahren ging es mehr ums Amüsement als um Gesundheit. Der Fürstenhof wurde bekannt für seine Musik- und Tanzveranstaltungen. Aus dem einstigen Casino ist inzwischen ein Wohnhaus geworden. Und auch der Fürstenhof selbst wurde noch bis 2008 als Wohnhaus genutzt, wie Siegfried Gerhardt in seiner Chronik "Kurort Kipsdorf und Umgebung" dokumentiert.

Vorher diente er ab 1942 noch als Gauschule, dann als Erholungsheim, schließlich als Reservelazarett - und um den Werdegang des Zweiten Weltkrieges noch zu vervollständigen, zogen ab 1946 Umsiedler und Ausgebombte aus Dresden in das Haus.

Turnhalle der Kipsdorfer Grundschule

Ab den fünfziger Jahren nutzte die Kipsdorfer Grundschule das Erdgeschoss als Turnhalle und Werkräume. "In den Billardsaal zog die HO mit einem Obst- und Gemüsehandel ein", erinnert sich Siegfried Gerhardt. Doch nachdem die letzten Mieter auszogen, fand sich kein weiterer Interessent für das Haus oder das kleinere Bettenhaus daneben.

Inzwischen klafft ein riesiges Loch auf der Südseite des Daches. "Im Inneren lagert viel Sondermüll", sagt Bürgermeister Kirsten. Nur das hölzerne Bettenhaus daneben, das eigentlich nur 60 statt 120 Jahre stehen sollte, sieht immer noch erstaunlich intakt aus.

Ruine statt Ferientage in Hirschsprung

Das ehemalige Ferienheim Ruine Hirschkopfbaude in Hirschsprung ist nur noch eine Ruine.
Das ehemalige Ferienheim Ruine Hirschkopfbaude in Hirschsprung ist nur noch eine Ruine. © Egbert Kamprath

In Hirschsprung ist es die Hirschkopfbaude, deren ruinöser Zustand die Nachbarn mit Sorge beobachten. Denn anders als beim Fürstenhof, den die Stadt Altenberg unproblematisch von der ursprünglichen Eigentümerin, der Wohnungsverwaltungsgesellschaft Altenberg, übernehmen konnte, waren die Eigentümer der Hirschkopfbaude lange kaum greifbar. Doch um sich für Abriss-Fördermittel zu bewerben, muss die Stadt Altenberg selbst Eigentümerin sein.

Entkernt und aufgegeben

Die Hirschkopfbaude um 1996. Der Ferienbetrieb war bereits eingestellt.
Die Hirschkopfbaude um 1996. Der Ferienbetrieb war bereits eingestellt. © Archiv Dieter Böttrich
Die Scheune des Böttrich-Hofes hinter dem Baum wurde später zur Hirschkopfbaude ausgebaut.
Die Scheune des Böttrich-Hofes hinter dem Baum wurde später zur Hirschkopfbaude ausgebaut. © Archiv Dieter Böttrich

Die Geschicke der Baude verfolgt Dieter Böttrich aus Hirschsprung in seiner Ortschronik. Es waren seine Vorfahren, die 1968 ihre Scheune an die Zwischengenossenschaftliche Bauorganisation (ZBO) in Meißen verkauften. Bereist 1970 war der Umbau zum Ferienheim "Hirschkopfbaude" vollzogen. Bis 1989 wurde es von Bauarbeitern und ihren Familien auch so genutzt. Danach wurde die ZBO aufgelöst.

Nach 1990 kaufte ein Meißner die Baude und wollte sie zu einem Wohnhaus umbauen. Doch weiter als bis zur Entkernung des Ferienheims kam er nicht. 2003 ersteigerte schließlich ein Niederländer das Haus bei einer Zwangsversteigerung - und ließ es weiter verfallen. Mittlerweile hatten die Anwohner Angst vor abfallenden Fassadenteilen.

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"Inzwischen haben wir die Hirschkopfbaude für 3900 Euro gekauft", sagt Kirsten. Auch hier hat der Stadtrat die Verwaltung beauftragt, dazu Fördermittel zu beantragen. Für den Abriss sind 185.000 Euro veranschlagt.

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