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Kommt die Schweinepest bis Altenberg?

Die Sachsenforst-Mitarbeiter sind alarmiert. Wildschweine werden schon seit einer Weile stärker bejagt. Aber sie denken auch weiter.

Sachsenforst-Mitarbeiter Denny Werner bei der Übung im März 2020, bei der es ums Aufspüren von Wildschein-Kadavern ging.
Sachsenforst-Mitarbeiter Denny Werner bei der Übung im März 2020, bei der es ums Aufspüren von Wildschein-Kadavern ging. © Marko Förster

"Wenn ein Wildschwein Fieber hat, sucht es sich eine nasse Stelle zum Kühlen", sagt Wolfram Gläser: "Wenn es Kopfschmerzen hat, wird es unaufmerksam. Das Verhalten von Tieren, die die Afrikanische Schweinepest haben, kennt der Referent beim Forstbezirk Bärenfels glücklicherweise noch nicht aus eigener Erfahrung.

Doch für den Ernstfall geübt haben die Mitarbeiter des Sachsenforstes bereits im April: Bei einer Übung testeten sie drei verschiedene Methoden, verendete Schweine effektiv im Wald aufzuspüren: Per Menschenkette, per Hundestaffel oder per Drohne mit Wärmebildkamera. "Die Jagdhunde haben sich dabei als wertvolle Hilfe erwiesen", sagt Gläser.

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Läuft ein Schwein von Krauschwitz nach Zinnwald?

Referent Wolfram Gläser vom Forstbezirk Bärenfels
Referent Wolfram Gläser vom Forstbezirk Bärenfels © - keine Angabe im huGO-Archivsys

Bisher gab es in Deutschland außer den Ausbrüchen bei Brandenburger Wildschweinen im September nur noch ein nachgewiesenermaßen infiziertes Tier. Ein Jäger erlegte es am 27. Oktober in Krauschwitz bei Bad Muskau. "Das Schwein befand sich allerdings noch hinter dem Grenzzaun" sagt Klaus Polaczek, Referatsleiter im Kompetenzzentrum für Wald und Forstwirtschaft beim Sachsenforst.

Von Altenberg aus gesehen, erscheint Krauschwitz weit weg an der polnischen Grenze. Können Wildschweine überhaupt die Elbe überwinden? Kurz: Gilt die Gefahr der Schweinepest überhaupt am Kahleberg?

"Kein Schwein kommt innerhalb weniger Tage von Krauschwitz nach Zinnwald, erst recht nicht infiziert", sagt Polaczek: "Die Schweinepest wird durch ein aggressives Virus ausgelöst. Die erkrankten Tiere sterben oft innerhalb weniger Tage." Sie bekommen Fieber, magern ab, werden apathisch.

Virus steckt auch in verarbeiteten Fleisch

Doch große Entfernungen zu einem Ausbruchsort bedeuten nichts: "Die Schweine geben die Krankheit zwar nur Schritt für Schritt untereinander weiter", sagt Wolfram Gläser in Bärenfels. Für die großen Sprünge jedoch sorgen die Menschen: "Der Virus steckt auch in verarbeiteten Fleisch." Kurzzeitiges Erhitzen überlebt es genauso wie Frost - dort sogar einige Jahre.

"Die Menschen interessiert das nicht, für sie ist das Virus ungefährlich", sagt Gläser: "Aber die Abfälle bleiben monatelang infektiös." Auch die Ausscheidungen der Tiere sind ansteckend und können an Autoreifen oder Schuhsohlen klebend auch nach größeren Distanzen andere Schweine infizieren.

Kein Impfstoff gegen die Afrikanische Schweinepest

Einen Impfstoff gibt es nicht. "Wir könne nur präventiv wirken", sagt Polaczek. Deshalb versucht der Sachsenforst schon seit geraumer Zeit, vorzubeugen. Mit Hinweisschildern und Handzetteln klärt der Sachsenforst in haushalten und an Rastplätzen auf, keine Essenreste auf den Kompost oder in Abfalleimern zu werfen, die für die Tieren zugänglich sind.

Wenn es tatsächlich einen Ausbruch gibt, sei es wichtig, ihn sofort einzudämmen: "Einmal durch die Unterbindung von Kontakten durch Zäune, zum anderen durch Abschuss", sagt Gläser: "So haben unsere tschechischen Kollegen ihren Ausbruch rasch eindämmen können." Deshalb werde auch jedes tot aufgefundene oder verunfallte Wildschwein auf ASP getestet, "und dazu noch die, die sich auffällig verhalten haben", sagt Gläser. In den Landkreisen Görlitz und den Bautzen nehmen die Jäger zusätzlich auch Proben von allen gesund erlegten Wildschweinen.

Größte Schwarzwildstrecke im Forstbezirk Bärenfels

"Ähnlich wie bei Corona sind auch Kontaktbeschränkungen geeignet, die Ansteckungszahlen kleinzuhalten", sagt Polaczek. Anders als bei Corona versucht der Sachsenforst deshalb, Schwarzwild stärker zu jagen. Innerhalb des Landeswaldes vom Forstbezirks Bärenfels erlegten Mitarbeiter des Sachsenforstes im Jagdjahr vom 1. April 2019 bis zum 31.März 2020 insgesamt 603 Stück Schwarzwild. "Die Strecke ist die größte, welche seit Gründung des Forstbezirkes im Jahr 2006 erzielt werden konnte."

Im Jagdjahr 2015/16 waren es noch 363 Stück, seitdem sei die Zahl kontinuierlich angestiegen. Auch landesweit wurde zwischen 2019 und 2020 über alle Eigentumsarten hinweg "eine Rekordstrecke von rund 47.000 Stück beim Schwarzwild erzielt", so Polaczek.

Im Wald schlecht zu jagen

"Der Hauptlebensraum von Schwarzwild sind Felder. In den Wald gehen sie erst, wenn die keinen Schutz mehr bieten, weil sie abgeerntet sind", sagt Gläser: "im Wald wiederum lassen sie sich kaum jagen, weil sie erst im Dunkeln unterwegs sind."

Zwar dürfen die Schweine seit 2018 auch mit Taschenlampen oder Fangvorrichtungen gejagt werden, aber das effektivste Mittel bilden die Gesellschafts- oder Bewegungsjagden. Dabei stöbern Treiber und Hunde das Wild in seinen Verstecken auf und versetzen es in Unruhe, damit es letztendlich den Jägern auf den Ansitzen wortgetreu vor die Flinte laufen kann. "Das macht circa 40 Prozent der Strecke aus", sagt Gläser.

Schellerhau als Lebensraum unattraktiv

Wildschweine vermehren sich stark, deshalb lässt sich ihre Zahl in den Wäldern kaum schätzen.
Wildschweine vermehren sich stark, deshalb lässt sich ihre Zahl in den Wäldern kaum schätzen. © Jan Huebner

Wie viele Wildschweine insgesamt im Forstbezirk Bärenfels oder auch im Revier Altenberg leben, können die Sachsenforst-Mitarbeiter nicht sagen: "Mit vertretbarem Aufwand dürfte dies für nahezu jede Wildart gar unmöglich sein", sagt Polaczek, "Generell lassen hohe Abschusszahlen jedoch auf eine hohe Anzahl von Tieren schließen."

Etwa 25 Prozent der erlegten Schwarzwildstrecke vom vergangenen Jagdjahr gingen auf die „Gebirgsreviere“ von Schellerhau bis Oberfrauendorf zurück, erläutert Polaczik, "während in den tieferen Lagen im Tharandter Wald und der Dippoldiswalder Heide auf einer grob vergleichbaren Fläche die übrigen 75 Prozent anfallen.

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Das Gebirge sei für das Schwarzwild als Lebensraum relativ unattraktiv: "Es fehlt hier an entsprechenden Nahrungsquellen, welche die landwirtschaftlich geprägten, tiefer gelegenen Flächenanteile des Forstbezirks Bärenfels im Überfluss bieten." Hinzukäme das deutlich unwirtlichere Klima in den höheren Berglagen. Zumindest der Kahleberg wird wohl in absehbarer Zeit kein Problem mit der Schweinepest bekommen.

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