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Märcz-Wetter in Zinnwald

Gäbe es schon das Wettermuseum im Zinnwalder Huthaus, könnte Norbert Märcz ganz leicht zeigen, dass auch dieser Winter viel zu warm war.

Möchte im Zinnwalder Huthaus ein Wettermuseum aufbauen: Norbert Märcz vom Wetterverein Zinnwald-Georgenfeld
Möchte im Zinnwalder Huthaus ein Wettermuseum aufbauen: Norbert Märcz vom Wetterverein Zinnwald-Georgenfeld © Karl-Ludwig Oberthür

Typisches Zinnwaldwetter: Es nebelt, und aus dem Grau fallen immer mehr kalte Tropfen. Damit sie auch wirklich den Weg unter die Kapuze finden, gesellt sich Wind dazu.

Norbert Märcz kann mit solchem Wetter sehr viel anfangen. Könnte er schon das Huthaus mit seinen Messgeräten bespielen, würde er dort anhand der Barometer-Werte erklären, warum sinkender Luftdruck Wind voraussagt. Und Kälte. Ein Tiefdruckgebiet eben.

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Wetterbeobachtung als Beruf und Hobby

Norbert Märcz ist das bekannteste Gesicht des Wettervereins Zinnwald-Georgenfeld - schon, weil er vor Ort wohnt und seine Begeisterung für Wetterbeobachtung nicht nur zum Beruf, sondern auch zum Hobby gemacht hat. Schon als Kind saß er gern auf dem Dach des Leipziger Mietshauses, in dem seine Familie wohnte, und beobachtete die Wolken. "Als ich hörte, dass man für so etwas spannendes auch noch bezahlt werden kann, habe ich natürlich beim Deutschen Wetterdienst als Wetterbeobachter angefangen", erzählt er.

Nach beruflichen Stationen in Stuttgart und auf dem Fichtelberg wurde er 2010 in der Zinnwalder Wetterstation eingesetzt, die allerdings seit 2016 keine menschliche Mitwirkung mehr benötigt, um ihre Messdaten nach Offenbach zu leiten. Märcz arbeitet inzwischen in anderen Bereichen des Deutschen Wetterdienstes.

Zinnwald ist eine besondere Wetterregion

Doch die Zusammenhänge von Temperatur, Niederschlägen und Wind zu erklären, aus Wolkenformationen Vorhersagen abzuleiten und zwischen Blitzeis und Eisregen in der Landschaft zu stehen - diese Leidenschaft verschwindet nicht so einfach. Schon gar nicht die für Zinnwald: "Diese Region ist wettermäßig einfach was besonderes."

Deshalb würde hier ein Wettermuseum auch so gut passen. Die passenden Räume im Obergeschoss des Huthauses gäbe es auch: "Wir könnten den Arbeitsplatz eines Wetterbeobachters zeigen", sagt er. Eine digitale Wetterstation hat der Verein jetzt noch in seinem Büro neben dem Buswartehaus am Landmarkt untergebracht. Dort hängen auch die aktuellen Messungen im Fenster, die sich im Huthaus sehr viel besser aufbereiten und erklären ließen.

Auch dieser Prachtwinter war im Durchschnitt zu warm

"Hier lässt sich deutlich ablesen, dass auch dieser Winter wieder viel zu warm war", erklärt Märcz das Februar-Diagramm. "Zu wenige Tage mit starken Minustemperaturen, dafür gleich zwei mit neuen Höchsttemperaturen." Die 15 Grad plus, auf die das Thermometer am 23. und 24. Februar kletterte, war die höchste Temperatur in dieser Jahreszeit, die in Zinnwald seit Beginn der Messungen im Jahr 1971 abgelesen wurde.

"Insgesamt sind hier viel zu viele Sonnentage", zeigt Märcz im Diagramm, "einen Meter Schneehöhe haben wir nie erreicht." Selbst wenn in diesem Winter endlich wieder richtig Schnee lag, war es lange nicht so viel wie in früheren Jahrzehnten. Doch ein Meter Schneehöhe könnte dieses Jahr vielleicht doch noch erreicht werden: "Am Wochenende und danach wird es leider noch nicht frühlingshaft."

Workshops für Schulklassen zu Klimawandel und Wetter

Die Zutaten für die Hochwasserkatastrophe im Jahr 2002 würden ebenfalls einen Raum füllen, ein nächster könnte die Anzeichen und Folgen der Klimaerwärmung aufzeigen: "Hier übernachten oft Schulklassen in den Jugendherbergen. Ihnen könnten wir den Klimawandel in Workshops erklären und zudem zeigen, wie die Messgeräte funktionieren und die Daten abgelesen werden." Auch der Wetterwanderweg, der dieses Jahr noch eine Sternguckerbank bekommen soll, könnte am Huthaus vorbeigeführt werden.

Einen Veranstaltungsraum mit der Möglichkeit, Filme zu zeigen, und der Wettergarten hinter dem Huthaus sind die beiden Ideen, die sich direkt daran anschließen. In den Garten soll ein Niederschlagsmesser und ein Wetterhaus einziehen - ein durchlüfteter Kasten auf Stelzen, in dem zwei Thermometer die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit messen.

Entscheidung liegt bei der Altenberger Stadtverwaltung

Die Mitglieder des Wettervereins würden ehrenamtlich viel aufbauen können, doch zunächst müssen das Bergbaumuseum und die Stadtverwaltung Altenberg den Plänen zustimmen. Im nächsten Schritt fehlt auch noch das Geld für einen neuen Fußboden im Erdgeschoss und eine neue Elektroanlage - der Zinnwald-Georgenfelder Ortsvorsteher Henry Beeckmann hat dafür bereits einen Spendenaufruf gestartet.

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Spenden für das Huthaus Zinnwald-Georgenfeld als Heimatmuseum und Schauwetterwarte:

Spendenkonto bei der Stadt Altenberg, Ostsächsische Sparkasse,
IBAN DE54850503003010000021, BIC OSDDDE81XXX,
Verwendungszweck Spende Huthaus Zinnwald

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