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Kindergarten in Bärenstein "heimlich" eröffnet

In der früheren Mittelschule sind wieder Kinder eingezogen. Allerdings gehört das Haus nicht mehr der Stadt Altenberg.

Bürgermeister Thomas Kirsten und Christoph Herbrig, Geschäftsführer von Herbrig & Co, mit den Kindern des neuen Kindergartens in der ehemaligen Bärensteiner Schule.
Bürgermeister Thomas Kirsten und Christoph Herbrig, Geschäftsführer von Herbrig & Co, mit den Kindern des neuen Kindergartens in der ehemaligen Bärensteiner Schule. © Egbert Kamprath

Ziemlich untypisch für einen Kindergarten: Still und leise konnte die Stadt Altenberg im Sommer einen zweiten Kindergarten in Bärenstein in Betrieb nehmen. "Durch Corona haben wir keine große Eröffnung gefeiert", sagt Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten. Er war schon froh, dass die Einrichtung in unmittelbarer Nachbarschaft der Firma Herbrig pünktlich zum Schulstart bereit war. Denn die Grundschulkinder aus Bärenstein haben ebenfalls eine Etage in dem neuen Haus.  

So neu ist das Haus auch gar nicht: Die jetzige Bärensteiner Elterngeneration hat darin bis 2003 die Schule besucht. Später nutzte Lange & Söhne aus Glashütte das Gebäude, zuletzt zur Lehrlingsausbildung. "Dann lief der Pachtvertrag mit der Stadt Altenberg aus, Lange & Söhne wollte ihn nicht verlängern. Und wir bekamen ein Haus zurück, dass super in Schuss war", sagt Kirsten. 

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Zu viele Kinder in Altenberg

Das war 2016. Aus der Bevölkerungsstatistik konnte die Altenberger Verwaltung damals keinen erhöhten Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen ablesen. "Als Christoph Herbrig sich für das Haus interessierte, war ich froh, dass es jemand nutzen wollte", sagt Kirsten. Also verkaufte die Stadt Altenberg das Gebäude an den Hersteller von Präzisionsdrehteilen, der 2019 im Erdgeschoss seine Betriebskantine in Form eines Gourmetta-Bistros einrichten ließ. 

Inzwischen reichen allerdings auch die Kitaplätze in den Altenberger Ortsteilen nicht mehr aus. Die Bärensteiner Kinder beispielsweis, die in Lauenstein zur Grundschule gehen, fanden dort keinen Platz mehr im Hort. Zuletzt lagen ihre Horträume in der ehemaligen Bärensteiner Ortsverwaltung. 

Firma Herbrig vermietet zwei Etagen

Auch die Krippe in Bärenstein brauchte mehr Platz: "Deswegen war ich froh, als wir von Herbrig die Möglichkeit bekamen, zwei Etagen mit Platz für 45 Kindergartenkinder und 20 Hortkinder anzumieten", sagt Kirsten. Die Kindergartenkinder, die aus der Bärensteiner "Berg"-Kita ins Tal ziehen, machen dort wiederum Platz für mehr Krippenkinder.

"Der Innenausbau kostete letztlich 430.000 Euro", sagt Kirsten - 180.000 Euro mehr als im Stadtrat ursprünglich veranschlagt: "Die Bauverordnung für Kindereinrichtungen ist sehr speziell", sagt Kirsten: "Wir konnten beispielsweise das vorhandene Treppenhaus nicht nutzen, sondern mussten auf die Feuertreppe ausweichen." 

Feuertreppe mit drei Handläufen

Das bedeutete eine Überdachung und drei Handläufe in verschiedenen Höhen für Kinder und Erwachsene, Edelstahlbleche zur Verkleidung des vorhandenen Geländers - die ursprünglichen Stab-Abstände waren nicht eng genug,  Zwischentüren für den Brandschutz, verkleidete Heizkörper und kindgerechte Sanitäranlagen. 

Die Firma Herbrig, die außer in Bärenstein auch in der Pirnaer Firma HK Präzisionsteile GmbH aktiv ist, hat den Umbau in ihrem Haus nicht nur geduldet, sondern mit in die Hand genommen. "Wir hatten das Glück, dass Herbrig die Ausschreibungen übernahm, den Bauablauf koordinierte und die Handwerker vor Ort betreute", sagt Kirsten. "Das hätten wir als Stadt in so kurzer Zeit gar nicht stemmen können." 

Günstige Lage neben Bärensteins Sportgelände

Noch von der Vorgeschichte als Schule her ist die Außenanlage groß: "Die Außengestaltung mit Klettergerüst und anderen Spielgeräten hat ebenfalls Herbrig übernommen", sagt Kirsten. Günstig ist auch die Nähe zum Sportgelände, auf dem sich noch ein großer Spielplatz befindet. 

Es sei auch nicht schwer gewesen, Erzieher für die neue Kita zu finden, sagt Kirsten. "Wir haben bereits vor zehn Jahren begonnen, eine berufsbegleitende Ausbildung anzubieten." 27 Stunden arbeiten die Erzieher in den Kindereinrichtungen, ein Tag pro Woche gehört der Berufsschule. "Der Vorteil ist, dass die Auszubildenden während dieser Zeit schon richtig Geld verdienen."  

An die Firma Herbrig zahle die Stadt Altenberg jetzt eine ortsübliche Miete, der Vertrag läuft über zehn Jahre. Kirsten dazu: "Auch mit den höheren Kosten für den Ausbau denke ich mir: Ein Neubau hätte uns nicht unter 2,5 Millionen Euro gekostet. Für das Geld können wir noch lange Miete zahlen."      

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