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Neues Gesicht im Forst

Bis Ende des Jahres ist Aenne Schuster für das Forstrevier Altenberg zuständig. Derzeit plant sie, was auf kahlen Stellen wachsen kann.

Bis Ende des Jahres ist Aenne Schuster die Ansprechpartnerin im Forstrevier Altenberg.
Bis Ende des Jahres ist Aenne Schuster die Ansprechpartnerin im Forstrevier Altenberg. © Egbert Kamprath

Das "Nu" kommt Aenne Schuster mit größter Selbstverständlichkeit über die Lippen. Sätze beendet sie mit "Geht los". Kein Zweifel: Die neue Revierförsterin ist gut angekommen im Altenberger Forst. Noch bis Ende des Jahres wird sie Stephan Göbel vertreten und im Forstamt Hirschsprung zusammen mit Maximilian Wallek Ansprechpartner für alle Belange des Altenberger Körperschafts- und Privatwaldes sein. 

Nach ihrem Forststudium in Tharandt hatte die 28-Jährige zwei Jahre im Forstbezirk Oberlausitz gearbeitet: "Dort gab es mehr Privatwald, hier sind mehr Waldflächen im Besitz der Stadt Altenberg", erklärt sie den Hauptunterschied der beiden Reviere. Für ihre Arbeit bedeutet das, die "Forsteinrichtung im Kommunalwald" umzusetzen, die Sven Irrgang, der Leiter des Forstbezirkes Bärenfels, in der vergangenen Altenberger Stadtratssitzung vorgestellt hatte. "Grob gesagt geht es um den Sägeplan für die nächsten zehn Jahre", sagt Schuster. "Hiebreife Bäume oder solche, die zu dicht stehen, werden aus dem Wald geholt, die Jungbestände gepflegt." 

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Nachschubprobleme bei den Baumschulen

Aktuell arbeitet sie an einem Pflanzplan für insgesamt acht Hektar: "Das sind die Schadholzflächen, auf denen wir neu pflanzen müssen", sagt sie. Keine leichte Aufgabe, denn selbst für Buchen ist es mancherorts zu trocken: "Wir setzen auf Weißtanne, Bergahorn und Eichen für die trockenen Gebiete", sagt Schuster.

Die Probleme der Wälder stecken ineinander wie Matrioschkas: Trockenheit führt zu Käferbefall, Käferbefall führt zu Zwangsrodungen, minderwertigem Holz und fallenden Preisen. Die Wiederaufforstung allerorten fegt wiederum den Pflanzenmarkt leer: "Die Baumschulen fordern inzwischen einen Planungsvorlauf von mindestens einem halben Jahr. Stieleichen waren dieses Jahr schon schwer zu bekommen", sagt Schuster. Dazu kommen die für Kommunen vorgeschriebenen Ausschreibungen. Was Aenne Schuster jetzt plant, wird also frühestens nächstes Jahr im Herbst gepflanzt werden können.     

"Angesichts der Schwierigkeiten mit Klima und Baumschulen wäre mein Tipp an Privatwaldbesitzer, sich an dem zu orientieren, was die Natur wachsen lässt", sagt Schuster. Birken, Ahorn und Ebereschen wachsen schnell und von allein. 

Donnerstags zwischen 16 und 18 Uhr können sich Privatwaldbesitzer im Forstamt Hirschsprung beraten lassen, welche Hilfe es beispielsweise bei Forstausrüstung oder durch EU-Förderungen gibt: "Im Moment hat ein Waldbesitzer beispielsweise Aufarbeitungskosten von circa 30 Euro für einen Festmeter Holz. Für gutes Sägeholz bekommt man derzeit aber nur 25 Euro, für Brennholz nur 10 Euro auf dem Markt", rechnet Schuster vor: "Da ist es gut, zu wissen, dass es gerade einen Fördersatz von 7 Euro pro Festmeter gibt." Auch Zuschüsse zu Pflanzenschutzmitteln und für den Ausbau der Maschinenwege gäbe es.  

Rehverbiss als Wirtschaftsfaktor

Weil die Waldverjüngung derzeit dringender denn je ist, rückt auch der Rehverbiss vermehrt in den Fokus der Förster: "Hirsche schubbern die Rinde ab, Wildschweine rupfen die Buchenschösslinge raus." Theoretisch müsste die Bejagung der Tiere entsprechend angepasst werden. Praktisch betreiben Jäger ihre Pirsch als Hobby. Auf ihre Jagdquote können Waldbesitzer nur über die Vergabe von Pachtverträgen Druck ausüben: "Ich bin selbst leidenschaftliche Jägerin, mein Kollege Maximilian Wallek erst recht. Aber man muss auch sehen, dass die Aufforstung von einem Hektar Wald mehr als 2.000 Euro kostet. Und das Rotwild macht alle Bemühungen zunichte." 

In die Kosten und den Nutzen des Waldes spielt gerade im Altenberger Revier natürlich auch seine Funktion als Erholungsgebiet mit hinein. Ein Stadtratsmitglied merkte bei der letzten Sitzung an, dass der Sachsenforst regelmäßig die Wege mit schwerem Gerät zerfahren würde. "Um die Wege zu schonen und nicht unnötig Waldboden zu verdichten, hat Stephan Göbel deshalb im Altenberger Revier spezielle Rückegassen und Seiltrassen geplant", sagt Schuster. Klar, sähe es erst mal schlimm aus, wenn beispielsweise Käferholz aus dem Wald geholt wurde: "Aber letztlich erholt sich der Wald innerhalb eines Jahres wieder", sagt Schuster: "Doch der Kommunalwald von Altenberg mit teilweise schwierigen Steillagen verursacht ohnehin mancherorts höhere Kosten bei der Waldbewirtschaftung", gibt sie noch zu bedenken. Auf den Einsatz von Maschinen könne man nicht verzichten. 

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