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Grenzenlos wandern in Rehefeld

Der Förderverein Pro Rehefeld möchte einen Wanderweg nach Moldava führen. Er würde Geschichten von beiden Seiten der Grenze erzählen.

Die Mitglieder des Fördervereins Pro Rehefeld Christoph Behrisch, Sven Hölzel, Dieter Ihle, Heide Dix und ihr Mann auf der Brücke über die Wilde Weißeritz, die ebenfalls Teil des neuen Wanderwegs werden soll.
Die Mitglieder des Fördervereins Pro Rehefeld Christoph Behrisch, Sven Hölzel, Dieter Ihle, Heide Dix und ihr Mann auf der Brücke über die Wilde Weißeritz, die ebenfalls Teil des neuen Wanderwegs werden soll. © Karl-Ludwig Oberthür

Rehefeld liegt näher am tschechischen Moldava als an Altenberg. Die meisten Wanderer bleiben dennoch auf den deutschen Wegen durchs Osterzgebirge. Nicht, weil sie sich nicht weiter trauen würden - vielmehr führen die Wanderwege nur selten über die Grenze - und wieder zurück.

Ausgewiesene Wanderwege sind das Resultat aus althergebrachten Wegebeziehungen, Zuständigkeiten für Wegepflege, Karten- und Wanderführermaterial und touristischer Vermarktung. Kurz: Auch Wanderwege kosten Geld.

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Erweiterung nach Süden über Neurehefeld zum Warmbach

Im Zweifel ist es das Geld der Gemeinde, durch die sie führen. Deshalb ist es schon schwer, wenn neue Wanderwege über Gemeindegrenzen hinwegführen sollen. Wenn eine Staatsgrenze dazwischenliegt, fühlt sich erst recht schnell keiner mehr zuständig.

Doch genau solch einen neuen Weg möchte der Förderverein Pro Rehefeld in diesem Jahr ins Leben rufen. Der bereits existierende Rundwanderweg um den Ort soll eine "grenzenlose" Erweiterung gen Süden bekommen, die über Neurehefeld, Moldava, Waldstücke, Bergwiesen und den Warmbach zurückführt.

Wirtschaftsministerium gab Anschubfinanzierung

"Der Weg geht auch an der alten Kalkofener Mühle und am Bornhaustollen vorbei", sagt Vereinsmitglied Heide Dix, die den Ideenwettbewerb "Machen! 2020" des deutschen Wirtschaftsministeriums nutzte, um die Strecke genau auszutüfteln - und tatsächlich 5.000 Euro als Finanzierungsgrundlage bekam.

"Mit der Geschichte der verschwundenen Ortschaft Kalkofen habe ich mich eine ganze Weile beschäftigt", sagt Heide Dix. Um ihr Wissen darüber weiterzugeben, bietet sie geführte Wanderungen ins Gebiet der ehemaligen Siedlung am Großen Warmbach an.

Deutsch-tschechische Infotafeln

Eines der ersten Projekte des Fördervereins Pro Rehefeld nach seiner Gründung im Jahr 2019 war es dann auch, die Brücke über den Warmbach, den die tschechische Bergwacht 2010 gebaut hatte, zu erneuern. In dem Rundweg, der nun entstehen soll, spielt sie sozusagen eine besonders tragende Rolle.

"Die Wege sind ja alle schon da", sagt Heide Dix: "Uns geht es jetzt darum, sie mit Wegweisern zu versehen." Außerdem sollen 20 deutsch-tschechische Infotafeln auf die Besonderheiten am Wegesrand aufmerksam machen: den Stollen, die Siedlung Kalkofen, die "böhmische Semmeringbahn", die von Moldava aus steil die erzgebirgische Pultscholle Richtung Most hinunterfährt, außerdem die seltenen Orchideen, die auf den Bergwiesen entlang des Holperbachs wachsen.

"Eine Rasthütte auf tschechischer Seite und Bänke planen wir auch", sagt Heide Dix. Pro Rehefeld ist mit Vereinen auf tschechischer Seite im Gespräch für die Standortgenehmigungen.

Spendensammlung über Sparkassen-Plattform 99 Funken

Für all diese Wanderweg-Zutaten veranschlagt der Verein mindestens 10.000 Euro - zu den 5.000, die schon da sind. "Damit die Bänke nicht einfach mitgenommen werden können, müssen sie solide im Boden verankert sein, und wir brauchen robuste Tafeln, die dem Wetter hier standhalten", sagt Dix.

Auch wenn die 20 Mitglieder des Fördervereins gern bereit sind, die Inhalte der Tafeln in deutscher und tschechischer Sprache beizusteuern und mit Hand anzulegen, können sie doch diese Summe nicht selbst stemmen. Deshalb haben sie sich entschlossen, ihr Vorhaben auf der Sparkassen-Spendenplattform "99 Funken" vorzustellen und dort um Geld zu werben. Das Crowdfounding-Mindestziel von 10.000 Euro wollen sie bis zum 28. Februar erreichen. "Dieser Weg ist eine Chance, die erzgebirgische Geschichte, naturnahen Tourismus und zwei Länder miteinander zu verbinden", sagt Dix.

Anschluss zur Bahnstrecke Moldau - Most

Die 12 bis 15 Kilometer lange Wegstrecke lässt sich beliebig erweitern oder verkürzen: "Auch der Rundweg um Rehefeld für sich genommen wird durch die Infotafeln attraktiver", sagt Dix. Auf tschechischer Seite lassen sich vom Rundweg aus auch Ziele wie die Wittichbaude erreichen oder die aussichtsreiche Bahnstrecke Moldava - Most nutzen.

"Richtig rund würde die Sache, wenn es wieder eine Bahnverbindung nach Holzhau gäbe", sagt Heide Dix. Zum Lückenschluss dieser Gleise, die 1948 nach ihrer Zerstörung abgebaut wurden, gibt es viele wohlwollende Bekundungen vom Freistaat Sachsen. Doch zumindest dieser grenzenlose Rundwanderweg des Rehefelder Vereins wäre schon mal ein funktionierender Anfang.

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