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Sorge ums Weihnachtsgeschäft

Einen zweiten Lockdown mit Ladenschließungen im Landkreis soll es nicht geben. Doch das Weihnachtsgeschäft hängt noch von anderen Faktoren ab.

Mario Eilert vom Dippoldiswalder "Teeklipper" mit seinem großen Sortiment an Adventskalendern.
Mario Eilert vom Dippoldiswalder "Teeklipper" mit seinem großen Sortiment an Adventskalendern. © Karl-Ludwig Oberthür

Das Schaufenster des Dippoldiswalder Lädchens "Teeklipper" ist von oben bis unten mit Adventskalendern dekoriert. Gefüllt mit Tee, gefüllt mit Schokolade, mit Pralinen, wahlweise mit oder ohne Alkohol. "Bei mir gibt's Kalender von kleineren Confiserien", sagt Inhaber Mario Eilert: "Die Qualität muss stimmen, und es muss etwas besonderes sein." 

Mit den gängigen Schokoladensorten könnten sich seine Kunden überall und zu jeder Jahreszeit eindecken: "Aber bei einem Adventskalender geht es darum, sich was Gutes zu tun, den Genuss zu zelebrieren." Mit zehn Kalendern ist er mal gestartet, inzwischen drängen sich 80 verschiedene Arten in seinem kleinen Ladenraum.

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Weihnachtsgeschäft geht im November los

Aus Erfahrung weiß er, dass die Leute erst im November in Weihnachtskauflaune kommen: "Die Kalender sind absolute Saisonware. Für den Verkauf habe ich vier Wochen Zeit", sagt er. Zusammen mit dem Weihnachts- und dem Ostergeschäft trägt ihn der Umsatz in dieser Zeit über die schwachen Sommermonate. 

"Normalerweise kommt zu Ostern das Geld rein, mit dem ich dann die Kalender finanziere", sagt Eilert: "Doch dieses Jahr habe ich durch den Lockdown viel weniger Absatz gehabt." Mit seinen Tees und Schokoladen durfte er zwar im März weiter öffnen: "Aber das wussten nur die wenigsten." 

In seinen Weihnachtswaren steckt jetzt das ganze Betriebskapital. Reserven, um einen neuerlichen Lockdown zu überstehen, hat Eilert nicht mehr. Deshalb schaut er mit Sorge auf die Überlegungen von Bund und Ländern zu einem neuerlichen Lockdown. Denn auch wenn sein Laden nicht schließen müsste, brauchen die Kunden schließlich auch die richtige Stimmung zum Kauf von Tees und Pralinen: "Sie müssen sich in aller Ruhe umgucken können. Auch Beratungen dauern ja ihre Zeit", sagt Eilert: "aber derzeit  kann ich hier maximal zwei Kunden reinlassen. Es tut mir in der Seele weh, wenn ich draußen alte Menschen im Regen warten sehe, bis sie rein können." Er überlegt gerade, ob er die Öffnungszeiten ausweiten sollte. 

Keine Busse zur Altenberger Kräuterlikörfabrik

Auch Christine Baeseler, die Inhaberin der Kräuterlikörfabrik Altenberg, ist auf das Weihnachtsgeschäft mehr denn je angewiesen: "Wir hatten gerade alle Ostersachen einsortiert, als der Lockdown kam." So konnte sie zwar weiterhin die Kräuterliköre verkaufen, "aber wir haben auch zahlreiche Wohnaccessoires im Verkauf, die mussten wir alle wegräumen." 

Ein wichtiger Geschäftszweig der Kräuterlikörfabrik sind zudem die Betriebsbesichtigungen: "Normalerweise haben wie Verträge mit Busunternehmen", sagt sie. Reiseunternehmen nehmen diese Besuche gern in ihre Erzgebirgsprogramme auf. "Dieses Jahr läuft das natürlich gar nicht. Um so wichtiger sind für uns die Touristen. die so kommen." 

Auch wenn die Kräuterliköre aus Pflanzen, die typischerweise im Erzgebirge wachsen, eine lange Haltbarkeit haben - die Trüffel, Bonbons und Tees, die Baeseler ebenfalls daraus herstellen lässt, jedoch nicht. "Die Weihnachtsware ist jetzt komplett da", sagt Baeseler. Das sei viel gebundenes Kapital - und macht sie angesichts der Coronazahlen unruhig: "Ich bin froh über jede Stunde, die wir geöffnet haben dürfen." 

Adventsfahrten auf der Kippe

Nicht nur die Likör-Brenner bangen um den Weihnachtstourismus. Auch alle, die von erzgebirgischer Volkskunst leben, schauen mit Unbehagen auf die kommenden Wochen. Ausbleiben werden wohl viele Adventsbesucher, insbesondere der reiselustigen Senioren, die gerne in großen Gruppen kommen.  

"Noch dürfen wir fahren und unsere Adventsfahrten sind auch ganz gut gebucht", berichtet Angelika Hammer vom gleichnamigen Busunternehmen in Freital. Bereits im Juni sicherten sich viele Kunden einen Platz für einen weihnachtlichen Tagesausflug ins Erzgebirge. Doch ob die Fahrten noch stattfinden, ist ungewiss. Schon die Herbstausflüge finden jetzt quasi auf Zuruf statt, etliche wurden kurzfristig abgesagt. "Wir schauen auch jeden Tag auf die neuesten Vorschriften und entscheiden dann, ob wir losfahren können oder nicht." 

Und es liegt nicht nur an den Behörden, ob die Busse noch starten. Hammers sind auch von Vertragspartnern wie Gaststätten, Freizeiteinrichtungen und Künstlern abhängig. Schließen oder stornieren die, fällt die Fahrt ins Wasser. Die Advents- und Silvesterfahrten sind aber in der kalten Jahreszeit das Hauptgeschäft vieler Busunternehmen. "Wenn das jetzt wegbricht, sieht es schlecht aus. So viel Speck konnten wir uns im Sommer nach dem Lockdown im Frühjahr gar nicht anfuttern", sagt Angelika Hammer.

Nur Online ist auch keine Lösung

In Wilsdruff teilt Ines Siegemund die Sorgen der Händler und Busunternehmer. Sie betreibt die Bücherstube am Markt, seit Jahren ein gutgehendes Geschäft in bester Lage. Doch schon die Schließung im Frühjahr war ein harter Schlag. Vor allem die kleinen Mitnahme-Artikel, "liebenswerten Schnickschnack", wie die Händlerin es nennt, konnte sie nicht verkaufen. Die Osterartikel liegen im Lager und binden Kapital. 

Nun hat sie sich für Weihnachten eingedeckt, die Bestellungen gingen bereits vor einem halben Jahr raus, die Ware ist längst da. "Bücher gehen auch Online, das hat im Frühjahr gut geklappt", sagt Siegemund. Aber Adventskalender, Schokolade, Deko, Weihnachtskarten - das kaufen die Leute nur im Laden. Die Situation geht an die Substanz. "Es schlägt mir auf den Magen", gibt Buchhändlerin Siegemund zu. Sie hofft. Jeder Tag ist im Augenblick ein Gewinn. Und sie befürchtet, dass es wieder so kommt, wie im Frühjahr.

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