merken
PLUS Dippoldiswalde

Wo Touristen im Osterzgebirge unterkommen

Ferienwohnungen, Hotels, Campingplätze - jetzt dürfen überall wieder Gäste einziehen. Für manche Gastgeber kommt das zu überraschend.

Rosalinde Knippers hat alle Hände voll zu tun, um die Ferienanlage Geisingblick auf Gäste vorzubereiten.
Rosalinde Knippers hat alle Hände voll zu tun, um die Ferienanlage Geisingblick auf Gäste vorzubereiten. © Egbert Kamprath

Marcel Gundel überprüft die Wasserpumpe der großen Rutsche. "Ich hatte mir das schon gedacht", sagt der Campingplatzbetreiber am Altenberger Galgenteich: "Wenn's losgeht, dann mit Schwung". Schon gleich am ersten Öffnungswochenende stellte sich das Phänomen vom vergangenen Sommer ein: Der Platz war ausgebucht. Das nächste Wochenende ist es auch schon.

Für Familie Gundel bedeutete das ein Senkrechtstart von einem halben Jahr beschaulicher Ruhe in ein überpralles Tagesgeschäft: "Die Bayern hatten ein langes Wochenende mit Fronleichnam, da waren sie gleich alle wieder hier."

Wandern
Schritt für Schritt
Schritt für Schritt

Gerne an der frischen Luft und immer in Bewegung? Wanderwege, Tipps und Tricks finden Sie hier.

Testpflicht fürs Freibad, aber nicht für den Campingplatz

Leute, die Zelte aufbauen, Leute, die reisen: Nachdem der Campingplatz am Galgenteich seit Ende Oktober nur von Dauercampern genutzt werden konnte, sieht ihre Arbeit jetzt endlich wieder so aus, wie sie sich Marcel Gundel und Lea Wojzischke vorgestellt hatten, als sie den Platz 2019 übernahmen. Und die Lockerung für Campingplätze und Pensionen vor wenigen Tagen war nur der erste Schritt.

Da ist Gundel schon fast froh, dass das Wasser noch zu kalt zum Baden ist und er nicht vor der kniffligen Frage steht, ob er auch die Badestelle des Campingplatzes wieder in Betrieb nehmen sollte. Denn während die Camper keinen Testnachweis mehr brauchen, müsste er derzeit für die Badestelle noch einen verlangen. "Wir hätten gar kein Personal, um das zu kontrollieren", sagt Gundel.

Die Ferienwohnungen sind schon belegt

Für die Gäste in ihren Ferienwohnungen in Neurehefeld muss Monika Rasehorn keinen Testnachweis verlangen. Bereits seit dem 31. Mai vermietet sie wieder. Seit dem ist die jüngste Sächsische Coronaschutzverordnung in Kraft.

"Ich freue mich, dass wieder Menschen da sind und hier einen zweiten Frühling erleben können", sagt sie. Ihre Aroniasträucher vorm Haus fangen gerade erst an, die Knospen zu öffnen. Die Aroniabeeren spielen auch die Hauptrolle auf ihrer Cafékarte: "Der Vitamincocktail mit Aronia ist der Renner." Genauso beliebt ist ihr Imbiss aus Mozzarella, Erdbeere und Bärwurz - "oder einfach Bärwurz und Quark mit Brot." Am Wochenende ist ihr kleines Aroniacafé geöffnet.

Auch Bewirtung in den Gaststuben

Auch die Kappelts vom Gasthaus Kobär in Oberbärenburg haben ihre Außengastronomie wieder aufgenommen. "Doch damit allein lässt sich kein Geld verdienen", sagt Andrea Kappelt. Doch sie wollen sich schon mal einspielen: Ab dem 10. Juni folgen nun weitere Lockerungen, weil die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis sächsische Schweiz-Osterzgebirge inzwischen lange genug unter 50 liegt. Dann können sie ihre Gäste auch wieder in der Gaststube empfangen.

Wie derzeit im Außenbereich, so ist auch innen ein Testnachweis nur nötig, wenn Personen aus zwei Hausständen an einem Tisch sitzen. Die geforderte Kontakterfassung kann im Kobär mit der Corona-App erledigt werden "oder auch mit Stift und Papier", sagt Andrea Kappelt.

Auch Hotels und Herbergen dürfen öffnen

Für Kappelts die beste Nachricht: Auch Hotels und Herbergen dürfen ab dem 10. Juni wieder öffnen, mit aktuellem Negativtest und Kontakterfassung. So müssen sie die vielen Buchungen für die Gästezimmer für die Einzel- und Doppelzimmer auf den beiden Etagen im Kobär nicht stornieren.

"Wir öffnen am 1. Juli", sagt Rosalinde Knippers, die mit ihrem Partner die Ferienhausanlage Geisingblick bei Geising betreibt. Monatelang hat sie die Öffnung herbeigesehnt. Jetzt würde es gehen, für die Häuschen gilt die Ferienwohnungsregelung. "Aber die Öffnung kam zu spontan", sagt sie.

Ferienanlage ist kein Hobby

Um die Wartezeit sinnvoll zu gestalten, hat die tatkräftige Holländerin die Bäder von drei der sieben Häuser neu ausgestattet. "Wir haben auch neue Haustüren und Fenster bestellt", sagt sie. Und daran hängt es auch gerade: "Die sind noch nicht fertig." Auch die Elektrik sei noch nicht überall wieder angeschlossen.

Dafür sind sie mit dem Frühjahrsputz der Außenanlage fast durch - und Rosalinde Knippers behält ihre gute Laune sogar, während sie mit ihrem Smartphone auf dem Geisingblick-Gelände mal wieder nach Empfang sucht: "Eigentlich sind Investitionen in die Digitalisierung im Gastgewerbe förderfähig", sagt sie: "Aber wir kriegen hier nicht mal ein Telekomkabel hoch." Wenigstens ging ihr Antrag auf die Überbrückungshilfe III diesmal glatt durch: "Das Amt hat inzwischen begriffen, dass ich diese Ferienanlage nicht als Hobby betreibe."

Mehr zum Thema Dippoldiswalde