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Alter Vertriebschef soll neues Meissener puschen

Die Manufaktur wirbt Jochen Rothauge bei der Berliner Konkurrenz ab. Der Manager kennt sich in Sachsen aus.

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© Claudia Hübschmann

Von Peter Anderson

Meißen. Den Vorwurf des Porzellan-Muffels will Manufaktur-Chef Christian Kurtzke nicht auf sich sitzen lassen. Wie er gestern mitteilen ließ, soll ein neuer Manager den Verkauf des wichtigsten Produktes der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen voranbringen. Jochen Rothauge (57) werde sich als Vertriebsleiter darum kümmern, dass die Umsätze beim Weißen Gold steigen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Dem künftigen Meissener Porzellan-Vertriebschef und früheren Verkaufsleiter der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin dürfte es nicht schwerfallen, sich in Sachsen zurechtzufinden. Unter Kurtzke-Vorgänger Hannes Walter war er bereits mehrere Jahre in dieser Position tätig und wurde von Mitarbeitern und Meissen-Kennern als Nachfolger Walters betrachtet. Aufsichtsratschef Kurt Biedenkopf (CDU) sah das anders und setzte seinen Favoriten Christian Kurtzke durch. Kurz nach dessen Start in Meißen trennte sich das Unternehmen von Rothauge. Der Vertriebschef schied zusammen mit dem zweiten Geschäftsführer Dieter Gerhardt aus dem Unternehmen aus. Die „Neuordnung“ bilde einen wichtigen „Schritt in der konsequenten Umsetzung unseres Zukunftsprogramms“, so Kurtzke im Dezember 2008.

Nach knapp sechs Jahren klingt das jetzt anders. Der Wechsel von einem typischen Staatsbetrieb in die freie Wirtschaft habe Rothauge „sehr gut getan“, so Kurtzke gestern. Der Manager habe sich sichtlich weiterentwickelt. „Heute passen wir besser zusammen als damals“, sagt Kurtzke. Rothauge sei für ihn der richtige Mann, um das weitere Wachstum im Porzellanbereich mit dem Fachhandel umzusetzen.

Der Vertriebschef mit einem besonderen Händchen für die schwierigen Fachgeschäfte gibt die Komplimente zurück. „Die Marke Meissen hat in den letzten Jahren eine dynamische Entwicklung erreicht“, sagt Rothauge. Er sei voll von dem Plan überzeugt, die Meissener Markenwelt um Möbel, Kleider und Schmuck zu erweitern. Der Manager setzt auf einen Mix von neuen Produkten, wie dem Service Cosmopolitan, und Klassikern wie Zwiebelmuster oder Streublümchen.

In Meißen wird die Rückkehr Rothauges in die Chefetage allgemein als Reaktion auf die andauernde Kritik an der Konzentration des Unternehmens auf porzellanfremde Produkte verstanden. In den vergangenen Monaten hatte Kurtzke Vertriebsprofis für die Produktbereiche Mode und Möbel verpflichtet. Sachsens Finanzminister Georg Unland (CDU) betonte dagegen jüngst, dass hochwertiges Porzellan „das Kerngeschäft der Manufaktur“ bleiben müsse. Die neu aufgebauten, zusätzlichen Geschäftsfelder hätten lediglich eine „unterstützende Funktion“.

Der jüngsten veröffentlichten Bilanz für 2012 zufolge hat die Luxusgruppe Meissen ihren Umsatz im Jahresvergleich um drei Prozent auf 39,3 Millionen Euro gesteigert. Aufgrund von Investitionen wies das Ergebnis allerdings ein Minus von knapp 1,2 Millionen Euro aus. Aufsichtsratschef Kurt Biedenkopf zufolge fiel der Umsatz im ersten Quartal 2014, der Schmuckverkauf zog jedoch an. In Asien stehen für 2014 zusätzliche Verkaufserlöse von rund neun Millionen Euro in Aussicht. Um diese Zahlen weiter zu steigern, will Kurtzke eigenen Angaben zufolge weitere internationale Vertriebsprofis verpflichten.