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Am Geburtstag verhaftet

Karl-Heinz Herden war jahrelang Chef der JVA. Jetzt wurde er selbst dorthin gebracht.

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© André Braun

Waldheim. Als ehemaliger Gefängnisdirektor ist Karl-Heinz Herden einiges gewöhnt. Dass er einmal selbst gefangen genommen und zur Justizvollzugsanstalt Waldheim gebracht werden würde, das hätte er sich bestimmt nicht träumen lassen. Und wohl gar nicht, dass so etwas ausgerechnet an seinem 65. Geburtstag passieren würde.

Umso mehr staunte Karl-Heinz Herden am Dienstagnachmittag, als ein Wolga M 21 Baujahr 1960 mit Blaulicht an den Waldheimer Tennisplätzen vorfuhr. Spätestens als er die Aufschrift „Volkspolizei“ sah, dürfte dem früheren Leiter der JVA klargeworden sein, dass es sich um eine Geburtstagsüberraschung handelt. Organisiert hatte dies Wolf-Dietmar Bleil, mit dem Herden Tennis spielt.

Die Tennisfreunde, bekleidet mit Original-Uniformen des Ministeriums des Inneren der früheren DDR, verhafteten ihren Sportfreund, setzten ihn in den Polizei-Oldie und fuhren ihn zum Knast. Vor dem Tor jedoch endete die Überraschungsfahrt, hinein musste der Jubilar nicht. „So verrückte Dinger kenne ich nur von Bleil“, sagte Herden und war baff, genoss aber die Oldtimer-Stadtrundfahrt sichtlich.

Von 1995 bis 2000 leitete Karl-Heinz Herden die JVA Waldheim, bis zur Pensionierung vor zwei Jahren war er Chef der JVA Torgau. Der Leitende Regierungsdirektor a.D. sagte einmal gegenüber Journalisten, die Entscheidung für die Arbeit im Justizvollzug nie bereut zu haben. 1977 begann seine Karriere im Dresdener Gefängnis. Manche Gefangene traf er immer wieder. Während seiner langen Dienstzeit hatte er es mit großen Wirtschaftsbetrügern, mit Serienmördern und Auftragskillern zu tun. Der eine oder andere JVA-Insasse ist in den vielen Dienstjahren aber auch mal entwischt. (DA/eg/ab)