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Anglerposse am Coswiger Elbufer

Verbands-Funktionäre verbieten ein Wettangeln zum Umsetzen von Fischen. Dafür werden die Weißfische jetzt gegessen.

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Von Torsten Oelsner

Sörnewitz. Deutschland absurd. Einen besonderen Beitrag unter dieser Rubrik liefert jetzt der Deutsche Anglerverband mit seiner Außenstelle in Dresden. Was ist geschehen? In unserer Ausgabe am Dienstag berichteten wir über eine Angelveranstaltung, die am kommenden Wochenende in Sörnewitz am Elbufer stattfinden soll. Dabei sollten aber Fische nicht um des Angelns Willen aus dem Fluss geholt werden, sondern weil man sie umsiedeln wollte. In die Große Röder, wo Kormorane den Bestand an Weißfischen wie Plötzen, Brassen und Glüstern reduziert haben.

Hegefischen nennen das die Angelfreunde in ihrer Fachsprache. Das Ganze sollte in Form eines hochkarätig besetzten Wettbewerbes stattfinden. In der Überschrift wählten wir den Ausdruck „Wettangeln“, der anschaulich machen soll, worum es geht. Doch genau daran entzündet sich nun die Kritik von Verbandsfunktionären des Anglerverbandes Elbflorenz in Dresden. Organisator Bernd Bohatzsch glaubte nicht richtig zu hören, als er gestern früh an sein Handy ging. Die Veranstaltung werde verboten, hieß es aus Dresden. Er müsse allen Teilnehmern absagen. Zur Begründung wurde gesagt, dass so genanntes Wettangeln verboten sei. Zumindest dürfe man es nicht so nennen. Carola Stilec, die hauptamtliche Geschäftsführerin des Anglerverbandes Elbflorenz, tut sich schwer mit der Begründung. Wenn die Angler diese Veranstaltung ohne große Ankündigung in der Öffentlichkeit abgehalten hätten, hätte man sicher einen Weg finden können. Aber nun sei der Ausdruck „Wettangeln“ in der Welt und da müsse man mit Anzeigen rechnen. Denn gemäß dem Sächsischen Fischereigesetz seien derartige Wettkampfveranstaltungen verboten.

Auch der Einwand, dass alles für einen guten Zweck sei, die Neubestückung der Röder, verfange nicht. „Wir können gegenüber einem Dritten, da meine ich das Gericht, keinen vernünftigen Grund benennen, warum dem Fisch Schmerzen zugefügt werden“, sagt Carola Stilec. Es sei gar nicht erwiesen, dass diese Fische in der Elbe überzählig sind. In der schriftlichen Begründung an die Angler wird sie noch deutlicher. Dort heißt es: „Wir gehen davon aus, dass Sie uns vorsätzlich mit ihrem Antrag auf Hegefischen getäuscht haben, da der Veranstaltungscharakter entsprechend Ihrer Pressemitteilung dies nicht vorsieht.“ Die Angler selbst sind fassungslos. „Wo ist denn da die Logik?“, fragt Bernd Bohatzsch. Man tue dem Fisch ein Leid an, indem man ihn fange und umsetze. Das könne man so sehen.

Nach dem Verbot werde trotzdem geangelt, haben die Angler beschlossen. Allerdings werden die Fisch jetzt gegessen, das sei ja erlaubt. Denn alle habe gültige Angelkarten und dafür entsprechend bezahlt. Die Gäste kommen teilweise von weit her, haben hier Quartiere gebucht und wollen nun auch angeln. Und so dürfen sich die Sörnewitzer und ihre Gäste jetzt auf ein zünftiges Protestangeln an der Elbe freuen.

„Wir setzen uns trotzdem hin“, verspricht Bohatzsch. Allerdings nutzt er jetzt seine Markierungsstäbe für Hinweisschilder, auf denen steht, dass die ursprüngliche Angelveranstaltung abgesagt ist. Rein formal sitzt dann jeder Angler für sich am Ufer. Den Wettkampfgedanken kann ihnen niemand verbieten, denn auch der ist wie alle Gedanken frei.