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Dresden wehrt sich gegen Rechts

Dresden ist für Neonazis kein gutes Pflaster mehr. Auch 2013 bleibt ihnen der erwünschte Marsch durch Dresden verwehrt. Denn Tausende stellen sich ihnen auf Straßen und Plätzen entgegen. Und 10.000 Menschen formierten sich zu einer Menschenkette.

© dpa

Dresden. Mehrere tausend Menschen haben den geplanten Aufmarsch von Neonazis am Jahrestag der Zerstörung Dresdens am Mittwoch verhindert. Auch drei Stunden nach Beginn des genehmigten Aufzuges blieben einzelne Gruppierungen Rechtsextremer im Stadtgebiet versprengt und dazu verdammt, auf der Stelle zu treten.

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Gegendemonstranten hatten an mehreren Stellen Straßen und Plätze blockiert und machten ein Durchkommen unmöglich. Grünen-Fraktionschefin Antje Hermenau und Politiker anderer Parteien sprachen von einem großen Erfolg. Bis zum Abend blieb der Protest weitgehend friedlich. Die Polizei hatte keine Hinweise auf größere Zwischenfälle. Rund 3.500 Beamte sollten Zusammenstöße zwischen Neonazis und ihren Gegnern verhindern.

Teilnehmer der Gegendemonstrationen zogen ein positives Fazit. «Das, was wir 2010 begonnen haben, trägt weiter Früchte», sagte der sächsische Linke-Politiker André Hahn. Der 49-Jährige hatte sich im Vorjahr vor Gericht verantworten müssen, weil er 2010 an einer Blockade des genehmigten Neonazi-Aufmarsches teilnahm. Der Prozess gegen ihn wurde aber eingestellt. So wie Hahn sieht auch die sächsische SPD-Landtagsabgeordnete Sabine Friedel die Neonazis ausgebremst. «Sie bekommen in Dresden nicht mehr die Bilder, die sie gern nach außen hin produzieren wollen. Im Gegenteil. Es entsteht das Bild einer einsamen NPD-Landtagsfraktion, die auf einem Platz auf ihre Anhänger wartet.»

Friedel spielte damit auf den NPD-Fraktionschef Holger Apfel an, der zugleich Bundesvorsitzender seiner Partei ist. Während Apfel mit etwa 20 Getreuen stundenlang am Ausgangspunkt des geplanten Marsches ausharrte, blieben die aus anderen Teilen Deutschlands angereisten Neonazis am Hauptbahnhof und in der Nähe des Dynamo-Stadions stecken. Allerdings waren auch weniger Neonazis angereist als erwartet. Die Polizei hatte mit bis zu 1200 Rechtsextremen gerechnet, nach ersten Schätzungen kamen am Mittwoch aber nur einige hundert. Noch vor Jahren war der Aufmarsch in Dresden mit mehr als 6000 Teilnehmern die europaweit größte Demonstration von Neonazis.

10.000 bei der Menschenkette

Wie schon in den Vorjahren ging von Dresden am 13. Februar ein ganz anderes Signal aus. Mehr als 10.000 Menschen formierten sich zu einer 3,6 Kilometer langen Menschenkette gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Oberbürgermeisterin Helma Orosz wies in einer Ansprache auf die Besonderheit dieses Tages hin: «Er ist tief in das Gedächtnis dieser Stadt eingegraben - als der Tag, da der mörderische Weltkrieg dorthin zurückkehrte, wo er losgetreten worden war, nach Deutschland und nun, kurz vor seinem Ende, auch nach Dresden.» Nun sei der 13. Februar für die Dresdner ein Tag, an dem sich «wahrhaftiges Erinnern mit der Entschlossenheit vereint, nie wieder zuzulassen, was damals geschah».

Abseits der offiziellen Veranstaltungen mit Kranzniederlegung und Menschenkette hatte das Bündnis «Dresden Nazifrei» unter dem Slogan «Nicht lange fackeln - Nazis blockieren» zum Widerstand aufgerufen. Schon Stunden vor dem geplanten Aufzug waren Straßen und Kreuzungen im Umfeld der potenziellen Marschroute zugestellt. Das Bündnis sprach von gut 4000 Blockierern. Die Polizei nannte zunächst keine Zahlen.

Dresden war am 13. Februar 1945 und an den folgenden Tagen bei Angriffen britischer und amerikanischer Bomber schwer zerstört worden. Die Innenstadt lag in Schutt und Asche. Nach Schätzungen starben etwa 25.000 Menschen. Unter Historikern ist die Bewertung des Angriffs auf Dresden umstritten. Die Stadt war seinerzeit auch eine Hochburg der Nazis, besaß wichtige Rüstungsbetriebe und einen bedeutenden Eisenbahnknotenpunkt.

Bei einem «Mahngang Täterspuren» hatten deshalb rund 3.000 Menschen gegen den Mythos von der unschuldigen Stadt und gegen Geschichtsfälschung protestiert. «Es ist wichtig, an so einem Tag auch an die Verbrechen der Nationalsozialisten zu erinnern», sagte die Bundesvorsitzende der Linken, Katja Kipping.

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Die Dresdner Orchester hatten am Abend zu Gedenkkonzerten geladen. Die Staatskapelle Dresden spielte in der Semperoper das «Requiem» von Mozart. Die Dresdner Philharmonie gab ein Konzert in der Kreuzkirche. Mit einem Geläut aller Dresdner Kirchenglocken klang das Gedenken gegen 21.45 Uhr aus. Zu diesem Zeitpunkt waren am 13. Februar 1945 die ersten Bomben auf Dresden gefallen. (dpa)