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Anstehen für Kinokarten

Mit Glühwein und Taschenwärmer halten es die Damen in der Warteschlange aus. Denn Frauentagstickets sind begehrt.

© Kathrin Krüger-Mlaouhia

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

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Großenhain. Jedes Jahr das gleiche Schauspiel: Mit Schafwollwesten und dicken Handschuhen, Pudelmütze und Schal steht schon nachmittags ein Grüppchen Frauen vor der Großenhainer Filmgalerie. Und die Schlange wird immer länger. Sozialistische Wartegemeinschaft? Fast. Es ist der Tag, an dem ganz besondere Kinokarten verkauft werden – die für den Frauentag, der in Großenhain dieses Jahr am 12. März gefeiert wird. Seit 2006 organisieren engagierte Frauen den Kinospaß mit vorgelagertem Theaterstück zum Ehrentag der Weiblichkeit. Und der Ansturm ist ungebrochen. Die Spielbühne zeigt dieses Mal den Einakter „Das Abendessen“, dann läuft der Film „Die göttliche Ordnung“ über die Einführung des Frauenwahlrechts 1971 in der Schweiz – ein berührender und auch humorvoller Streifen.

Gelöst und erwartungsvoll ist die Stimmung in der Warteschlange. Schon zwei Stunden vor Verkaufsstart hat sich ein Dutzend Damen angestellt. Manche wechseln sich auch ab. Denn pro Frau werden nur drei Karten zu einem Unkostenbeitrag von einem Euro ausgegeben. Die Fitnessgruppe vom Speicher besteht allerdings aus elf Personen – da müssen mehrere mit warten.

Auch Riesaer kommen

„Wir wollen in die 17 Uhr-Vorstellung und danach noch in die Gaststätte“, sagt eine Frau. „Wir gehen zuerst in die Kneipe und dann ins Kino“, kontert eine andere belustigt. Sogar zwei Riesaerinnen haben sich in die Schlange eingereiht. „Wir sind ehemalige Kolleginnen, haben in der Sparkasse gearbeitet“, sagt Karla Below. Die Frauentagsveranstaltung ist ein schöner Anlass, um sich wiederzutreffen. Dafür stehen sich Karla und Co jetzt gern die Beine in den Bauch. Doch die Sonne schickt wärmende Strahlen und macht das Anstehen etwas erträglicher. Schnell kommen die Frauen auf frühere Frauentagskinoabende zu sprechen. „Voriges Jahr lief ‚Ein ganzes halben Jahr’, das war ein schöner Film“, sagt eine ältere Frau. „Auch der mit der Prostituierten war nicht schlecht“, meint eine andere. Nur der Film über die Sängerin der schiefen Töne kam 2016 nicht ganz so gut an.

„Wir beginnen schon im November mit den Vorbereitungen“, sagt Marianne Gerbert vom Vorbereitungskreis. Gemeinsam werde ein passender Film ausgesucht, der immer ein Frauenschicksal beinhalten soll. Unterstützt wird die Aktion der Gleichstellungsbeauftragten durch das entsprechende sächsische Ministerium, doch dazu muss der Film in einer Aktionswoche gezeigt werden. „Deshalb laden wir diesmal erst für den 12. März ein“, so Gerbert.

Stadt finanziert kleines Geschenk

Waren im Vorjahr die 220 Tickets innerhalb einer Viertelstunde verkauft, hatten Frauen gestern nach einer halben Stunde auch keine Chance mehr. Im Vorjahr begann die Ausgabe erst 18 Uhr, schon Stunden vorher standen die ersten Frauen da. „Deshalb haben wir diesmal gleich zeitiger angefangen“, heißt es.

Anfangs brauchten die Frauen für die Veranstaltung keinen Eintritt zahlen und es gab auch keine Platzkarten. Das führte zu Rangeleien. Deshalb wurde der Kartenverkauf umgestellt. Zwar müssen sich die Damen ihren Sekt jetzt auch selbst kaufen. Doch ein kleines, von der Stadt finanziertes Präsent gibt es immer noch. Der Oberbürgermeister will die Frauen zu ihrem Ehrentag höchstpersönlich beglückwünschen.