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Dresden

Anti-Nazi-Demo zieht durch die Neustadt

Etwa 1.000 Dresdner waren am Freitag zwischen St. Pauli-Ruine und Alaunstraße unterwegs.

Von der Schauburg über den Alaunpark zog die Menge weiter zur Görlitzer Straße und zum Scheunevorplatz. © privat

„Kein Viertel für Nazis“: Diesem Aufruf sind am Freitagabend schätzungsweise rund 1000 Dresdner gefolgt, um in der Äußeren Neustadt zu demonstrieren. Aufgerufen hatte das Netzwerk URA Dresden, das sich selbst undogmatische, radikale Antifa nennt. 

Vor der St. Pauli-Ruine startete der Demonstrationszug mit mehreren Redebeträgen, wobei verschiedene Läden im Hechtviertel als Orte rechter Gesinnung und Betreiber markiert wurden. Mit Alerta-Antifaschista-Rufen bewegte sich die Menge über die Rudolf-Leonhard-Straße in Richtung Schauburg. Vor dem Tabakladen am Bischofsweg, der lange dem AfD-Landtagskandidaten Hans-Jürgen Zickler gehörte und nun von seiner Ehefrau geführt wird, kam es zu einem Pfeifkonzert. 

Ab auf den Grill

Die Nächte werden länger, das Wetter schöner. Zeit zum Grillen! Doch worauf muss man achten und was schmeckt am besten auf dem Grill?

Im April dieses Jahres war der Laden beschädigt und mit Farbe beschmiert worden. Auf dem Gehweg warteten am Freitagabend neben Zickler auch der AfD-Kandidat der Neustadt zur Kommunalwahl, Martin Plötze, sowie der gewählte AfD-Stadtrat Heiko Müller. Kurz zuvor war ein schriftlicher Aufruf zum Dialog während der Demonstrationszeit in mehreren Briefkästen von Anwohnern im Hechtviertel aufgetaucht. Verantwortlich dafür war Martin Plötze, wie das Online-Magazin Neustadt-Geflüster berichtete.

Von der Schauburg über den Alaunpark zog die Menge weiter zur Görlitzer Straße und zum Scheunevorplatz. Die Redner kritisierten, dass die Neustadt zu einem Viertel ohne eigene Ideen und solidarische Nachbarschaft verkommen sei. „Eine Nachbarschaft in der nur noch der Konsum herrscht, hält auch nicht gegen Nazis zusammen“, so eine Rednerin. 

Vor dem Tabakladen am Bischofsweg, der lange dem AfD-Landtagskandidaten Hans-Jürgen Zickler gehörte und nun von seiner Ehefrau geführt wird, kam es zu einem Pfeifkonzert.  © privat

Vom Geist der frühen 90er-Jahre, als noch viele Dresdner mit geringem Einkommen in den unsanierten Häusern gelebt hätten, sei nichts mehr übrig geblieben. Die Neustadt sei zu einem Viertel geworden, in das die Leute nur noch zum Trinken und Feiern kommen würden. Auf dem Scheunevorplatz äußerte ein Sprecher auch radikale Gedanken: Wenn die Betreiber der Neustädter Kneipen ihre rechte Kundschaft nicht rauswerfen würden, „dann müssen das die Leute in diesem Viertel selbst in die Hand nehmen und sich darum kümmern.“

Trotz derartiger Aussagen verlief die Demonstration ruhig. Nach Auskunft eines Polizeisprechers gab es keine besonderen Vorfälle. Der Einsatz war von rund 200 Polizisten begleitet worden. Auch ein Hubschrauber kreiste Zeitweise über der Neustadt. (SZ/mes/jr)