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Anzeige wegen Nachtarbeit im Steinbruch

Ein Anwohner hörte um 2 Uhr morgens Geräusche aus der Anlage und beschwerte sich bei der Gemeinde. Der Betreiber weist die Vorwürfe zurück.

Von Kerstin Fiedler
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Seit Jahren gibt es Ärger um den Steinbruch Pließkowitz. Ein Nachtarbeitsverbot gibt es zwar, aber angeblich wurde das jetzt verletzt.
Seit Jahren gibt es Ärger um den Steinbruch Pließkowitz. Ein Nachtarbeitsverbot gibt es zwar, aber angeblich wurde das jetzt verletzt. © SZ/Uwe Soeder

Pließkowitz. Der Ärger um Lärm im Steinbruch Pließkowitz hört nicht auf. Jetzt musste sich der Malschwitzer Bürgermeister Matthias Seidel (CDU) mit einer Anzeige beschäftigen, die am Montag bei ihm ankam. Angeblich wurde am Wochenende nachts im Steinbruch Pließkowitz wieder gearbeitet. Und das trotz des Nachtarbeitsverbots, das der Betreiber Pro Stein nach Abarbeitung eines Großauftrags Ende September selbst bestätigte.

Matthias Seidel wundert sich. Er habe mit mehreren Anwohnern aus Pließkowitz und Malschwitz gesprochen, die aber alle nichts gehört haben. Aber er muss und will dieser Sache natürlich nachgehen. Zu sensibel ist das Thema in den vergangenen Jahren diskutiert worden. Widersprüchliche Aussagen oder Wahrnehmungen brachten viel Unmut in die Bevölkerung rund um den Steinbruch und die Orte Doberschütz, Kleinbautzen, Pließkowitz und Malschwitz. Zuletzt vor allem, als klar war, dass das Oberbergamt die Genehmigung zur veränderten Betriebsplanung und damit zur Haldenerweiterung gegeben hat. Die Bürger hatten in einer Einwohnerversammlung im August darum gebeten, zunächst ein von Pro Stein in Auftrag gegebenes Staubminderungskonzept abzuwarten. Das geschah jedoch nicht.

Die SZ fragte beim Geschäftsführer von Pro Stein nach, ob es sein kann, dass am vergangenen Wochenende doch nachts gearbeitet wurde. Nachdem Jens Gerisch seinen Betriebsteilleiter in Pließkowitz befragt und das Werktagebuch eingesehen hat, verneinte er die Frage. „Wir hatten am Freitag um 22 Uhr Schichtende. Am Wochenende wurde nicht gearbeitet“, sagt Gerisch. Dies wollte er dann auch dem Bürgermeister so mitteilen.

Einfach die Polizei rufen?

Matthias Seidel kann sich nicht vorstellen, woher dann der Lärm gekommen sein soll. Rein rechtlich gesehen hat aber jeder Bürger die Möglichkeit, bei auftretendem Lärm die Polizei zu rufen, wenn es zu Zeiten geschieht, die in der Polizeiverordnung eindeutig als Ruhezeit ausgewiesen sind. Dazu gehört natürlich 2 Uhr in der Nacht. Die Polizei würde dann sehen, woher der Lärm kommt und ein Protokoll aufnehmen, das die Gemeinde später bekommt. „Wenn es sich herausstellt, wer der Verursacher des Lärms ist, habe ich dann die Möglichkeit, ein Bußgeld gegen denjenigen zu verhängen“, sagt Seidel. Doch in diesem Fall weiß er auch nicht weiter.

Steffen Döhner vom Oberbergamt in Freiberg wusste auch schon von der angeblichen Nachtarbeit im Steinbruch. Nach der letzten Einwohnerversammlung im August habe das Oberbergamt schon mehrfach unangekündigt den Betriebsteil in Pließkowitz kontrolliert. Auch nachts. Allerdings, so Döhner, müsse man unterscheiden, ob nachts gearbeitet wird zu Zwecken der Produktion oder ob Wartungsarbeiten an den Maschinen vorgenommen werden. „Das passiert dann meist außerhalb der normalen Produktionszeit“, sagt Steffen Döhner. Dafür dürfen dann – selbst nachts – kurze Testläufe erfolgen, um zu kontrollieren, ob die Maschinen wieder richtig laufen. Das dürfe aber keinesfalls lange dauern und einer Produktion von zum Beispiel zwei Stunden gleichkommen, erklärt Steffen Döhner.

Nachdem die Sprecherin der Bürgerinitiative, Luise Dutschmann, ihre Aufgabe gekündigt hat, wollte sich keiner der Mitglieder äußern. Man „sortiere sich noch“.