Anzeige

Beobachtungsgabe und Leidenschaft

Im Zoo Dresden beginnen jährlich zwei bis drei junge Leute eine Ausbildung zum Tierpfleger. Was lernen sie und was zählt bei der Auswahl aus fast 200 Bewerbern?

 3 Min.
Teilen
Folgen
Die Azubis Max Schrader, Robert Werder und Linda Draßdo mit Zooinspektor Helmar Pohle in der Anlage der Nasenbären im Zoo Dresden
Die Azubis Max Schrader, Robert Werder und Linda Draßdo mit Zooinspektor Helmar Pohle in der Anlage der Nasenbären im Zoo Dresden © Foto: Steffen Unger

Anlagen reinigen und sehr viel beobachten: Das sind die wichtigsten Aufgaben von Zoo-Azubis im ersten Ausbildungsjahr. „So lernen sie, am Verhalten der Tiere zu erkennen, ob alles sicher ist und ob ihre Schützlinge sich wohlfühlen“, sagt Zooinspektor Helmar Pohle. Auch Fütterungen und Trainings von ungefährlichen Tierarten sind Lehrinhalte im ersten Jahr. „Natürlich immer nur in Absprache mit den jeweiligen Tierpflegern“, so Pohle weiter.

25 Fachberichte

Wie gut sie ihr theoretisches Wissen aus der Berufsschule und ihre Beobachtungen im Zoo miteinander verknüpfen können, haben Linda Draßdo, Max Schrader und Robert Werder gerade wieder in einem Fachbericht bewiesen. Aus einem Themenpool können sie dabei selbst eine Aufgabe vorschlagen. So hat sich Max beispielsweise mit der Fütterung und Eingewöhnung von Sattelstörchen befasst.

„In den drei Ausbildungsjahren schreiben die angehenden Tierpfleger insgesamt 25 solcher Berichte“, erläutert Pohle. „Sie orientieren sich an den Prüfungsinhalten und werden mit der Zeit immer anspruchsvoller.“ Am Ende stehen Arbeiten zum Sozialverhalten hochentwickelter Tiere wie der Menschenaffen.

So weit sind Linda, Max und Robert allerdings noch nicht, denn sie haben gerade ihr erstes Ausbildungsjahr hinter sich. Jeder von ihnen hat bisher mindestens zwei Reviere näher kennengelernt – alle drei waren schon bei den Huftieren und in der Futtermeisterei. „Bis zum Ende ihrer Ausbildung werden sie alle acht Reviere durchlaufen haben“, so Pohle. „Wie lange sie jeweils bleiben, hängt von der Größe des Reviers und vom individuellen Lernfortschritt ab.“ Mit zunehmender Erfahrung übernehmen die jungen Leute dann auch immer mehr Verantwortung: Im zweiten und dritten Jahr werden sie schrittweise unter anderem ans Umsperren und an Besonderheiten bei Futterplänen herangeführt.

In den sechswöchigen Praxisblöcken im Zoo Dresden ist Helmar Pohle ständiger Ansprechpartner für die Azubis. Er überprüft die in den Revieren vermittelten Lehrinhalte und weist die jungen Leute selbst in Themen wie Fangmethoden, Transport und Gehegegestaltung ein. Selbst der Fototermin bei den Nasenbären wird genutzt, um Hinweise zu Futter und Verhalten der kleinen Raubtiere zu geben. Ihr theoretisches Rüstzeug bekommen die jungen Leute in zweiwöchigen Theorieblöcken an der Peter-Lenné-Schule in Berlin-Zehlendorf.

Bewusst entschieden

Für ihren künftigen Beruf haben sich Linda, Max und Robert sehr bewusst entschieden: Als KfZ-Mechatroniker und Maschinenbauingenieur hatten die beiden jungen Männer zuvor sogar schon andere Ausbildungen abgeschlossen. Doch ebenso wie bei Linda setzte sich am Ende die Tierliebe durch. Um sicherzugehen, dass diese dem Alltag auch tatsächlich standhält, absolvierten Linda und Robert ein Freiwilliges Ökologisches Jahr im Zoo Dresden.„Für die drei Ausbildungsstellen gab es fast 200 Bewerber“, sagt der Zooinspektor. „Da sind Praktika und ein FÖJ natürlich von Vorteil.“ Doch es genüge nicht, solche Einsätze nachweisen zu können oder schon immer mit Tieren zu tun gehabt zu haben. „Am wichtigsten sind Beobachtungsgabe, Leidenschaft und Einfühlungsvermögen. Zudem sollten potenzielle Tierpfleger ruhig und verlässlich sein und ins Team passen.“

Welches Erlebnis hat Sie im ersten Ausbildungsjahr besonders beeindruckt? Linda Draßdo: In meiner Zeit im Huftierrevier konnte ich die Geburt von Nilgauantilopen beobachten. Das war für mich ein besonderes Erlebnis, zumal bei dieser aus Asien stammenden Tierart in der Regel Zwillinge zur Welt kommen, was auch in diesem Fall geschah. Jetzt lerne ich gerade das Elefantenrevier näher kennen. Das erste Elefantentraining, bei dem ich zuschauen durfte, fand ich ausgesprochen beeindruckend.
Welches Erlebnis hat Sie im ersten Ausbildungsjahr besonders beeindruckt? Linda Draßdo: In meiner Zeit im Huftierrevier konnte ich die Geburt von Nilgauantilopen beobachten. Das war für mich ein besonderes Erlebnis, zumal bei dieser aus Asien stammenden Tierart in der Regel Zwillinge zur Welt kommen, was auch in diesem Fall geschah. Jetzt lerne ich gerade das Elefantenrevier näher kennen. Das erste Elefantentraining, bei dem ich zuschauen durfte, fand ich ausgesprochen beeindruckend. © Zoo Dresden
Max Schrader: Meine zweite Station war das Vogelrevier, und dort haben mich zwei Pinguinküken und ihre Eltern fasziniert. Mutter und Vater saßen rund 40 Tage lang abwechselnd auf den Eiern. Das Schlüpfen der Jungtiere zog sich über fast 24 Stunden hin, und danach wurden sie von ihren Eltern noch drei Monate lang in der Bruthöhle betreut und gefüttert. Ich habe jeden Tag nach der Pinguinfamilie geschaut und freue mich, dass es den inzwischen selbstständigen Jungen nach wie vor gut geht.
Max Schrader: Meine zweite Station war das Vogelrevier, und dort haben mich zwei Pinguinküken und ihre Eltern fasziniert. Mutter und Vater saßen rund 40 Tage lang abwechselnd auf den Eiern. Das Schlüpfen der Jungtiere zog sich über fast 24 Stunden hin, und danach wurden sie von ihren Eltern noch drei Monate lang in der Bruthöhle betreut und gefüttert. Ich habe jeden Tag nach der Pinguinfamilie geschaut und freue mich, dass es den inzwischen selbstständigen Jungen nach wie vor gut geht. © Zoo Dresden
Robert Werder: Ich war sehr stolz, als ich gefragt wurde, ob ich außerplanmäßig im Prof. Brandes-Haus aushelfen könnte – denn dort war ein Tierpfleger erkrankt. Die anderen Pfleger haben mir verschiedene Reinigungsarbeiten übertragen, und ich habe mich gefreut, dass ich sie entlasten konnte. Während man eine Anlage säubert, kann man die Tiere in den Nachbargehegen besonders gut studieren, weil sie sich dann unbeobachtet fühlen und sich natürlich verhalten.
Robert Werder: Ich war sehr stolz, als ich gefragt wurde, ob ich außerplanmäßig im Prof. Brandes-Haus aushelfen könnte – denn dort war ein Tierpfleger erkrankt. Die anderen Pfleger haben mir verschiedene Reinigungsarbeiten übertragen, und ich habe mich gefreut, dass ich sie entlasten konnte. Während man eine Anlage säubert, kann man die Tiere in den Nachbargehegen besonders gut studieren, weil sie sich dann unbeobachtet fühlen und sich natürlich verhalten. © Zoo Dresden

Kontakt und weitere Informationen

Zoo Dresden GmbH
Tiergartenstraße 1
01219 Dresden

Telefon 0351 - 47 80 60
[email protected]
www.zoo-dresden.de

Hier geht es zur Zoowelt auf sächsische.de