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So kam die erste Straßenbahn nach Dresden

Die Dresdner Verkehrsbetriebe geben tiefe Einblicke in eine faszinierende Geschichte. Und die neuen Stadtbahn-Wagen müssen sich einem echten Härtetest unterziehen.

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Blasewitz war bereits seit 1872 als erster Vorort an die Dresdner Straßenbahn angeschlossen. Das Blaue Wunder wurde 1893 eröffnet und erhielt unverzüglich Straßenbahngleise nach Loschwitz.
Blasewitz war bereits seit 1872 als erster Vorort an die Dresdner Straßenbahn angeschlossen. Das Blaue Wunder wurde 1893 eröffnet und erhielt unverzüglich Straßenbahngleise nach Loschwitz. © DVB-Archiv

Als am 26. September 1872 die erste Pferdebahn nach Blasewitz rollte – über die heutige Loschwitzer Straße vorbei an Wald, Feld und Gärtnereien –, war das ein gesellschaftliches Großereignis. Nicht ohne kritische Zwischenrufe der Fortschrittsverweigerer sowie unter Protest der konkurrierenden Droschken- und Omnibuskutscher etablierte sich das neue Verkehrsmittel in Dresden schnell.

Warum die erste Linie ausgerechnet aus der Stadt hinaus in das relativ weit entfernte einstige Fischerdorf fuhr, das erst 1921 eingemeindet werden sollte, erklärt sich aus der renditeorientierten Unternehmensgründung. Natürlich ließ der erste Konzessionär Arnold von Etlinger seine Strecke genau dorthin bauen, wo sich die frischgebackenen Villenbesitzer eine Fahrt auch leisten konnte. Anfangs war der Öffentliche Nahverkehr nämlich ein Privileg der Elite. Ein Arbeiter hätte für eine Monatskarte seinen gesamten Lohn investieren müssen – im Zeitalter der heutigen Straßenbahn undenkbar.

Noch im gleichen Jahr ließ Etlinger die Linie zum heutigen Hauptbahnhof verlängern, 1873 fuhren die Pferdebahnen schon bis nach Plauen. Innerhalb von acht Jahren versechsfachten sich die Fahrgastzahlen, doch erst als mit Alfred Parrish ein anderer Konzessionär aus England auf den Plan trat und von Etlinger übernahm, wuchs das Netz rasant. Nach Misstönen mit der Stadt vergab diese 1889 eine konkurrierende Konzession an die „Deutsche Strassenbahn-Gesellschaft“. Während auf den bisherigen Linien mit gelben Bahnen gefahren wurde, kamen bei der neuen Gesellschaft rote Fahrzeuge zum Einsatz. Zur Unterscheidung nannten die Dresdner fortan die beiden Anbieter nur noch die „Gelbe“ und die „Rote“.

Bereits um 1890 war der Postplatz Treffpunkt mehrerer Pferdebahnlinien. Bis spätestens 1900 wurden sie alle elektrifiziert.
Bereits um 1890 war der Postplatz Treffpunkt mehrerer Pferdebahnlinien. Bis spätestens 1900 wurden sie alle elektrifiziert. © DVB-Archiv

Elektro-Antrieb statt Pferdewagen

Was Werner von Siemens 1879 in Berlin als Test erfolgreich präsentierte, wurde 14 Jahre später auch in Dresden zur Innovation: Denn 1893 verdrängte der elektrische Antrieb die Pferde; am Tatzberg entstand das erste Elektrizitätswerk für die Straßenbahn – lange noch, bevor an elektrische Straßenbeleuchtung oder gar elektrifizierte Privathaushalte zu denken war.

Nach der Liquidation beider privaten Gesellschaften 1905 betrieb fortan die Residenzstadt ihre Straßenbahn selbst, auch um den gewachsenen Mobilitätsbedarf der gesamten Gesellschaft zu decken. Sie baute das Netz fleißig aus, so dass es 1928 seine größte Ausdehnung erreichte. Hinzu kamen auch Vorortbahnen nach Kleinzschachwitz, Kreischa, Freital oder Kötzschenbroda, die erst später in der städtischen Tram aufgingen. Bedeutende Entwicklungen in der Fahrzeugtechnik gipfelten in der Dresdner Konstruktion einer international beachteten Fahrzeugserie: des großen und kleinen Hechts.

Ob in den Wirren zweier Weltkriege, den Trümmern einer zerstörten Stadt, in den Mangelzeiten des Sozialismus oder in der Nachwendezeit der Rationalisierung: Bis heute prägt die Straßenbahn das Stadtbild, beschleunigt maßgebliche seine Entwicklung, bietet Mobilität für alle und ist eine Garantin der ökologischen Verkehrswende. Kurz: Sie ist aus Dresden nicht wegzudenken. Aber was vielleicht noch viel wichtiger ist: Die Dresdner lieben ihre „Glocke“ - auch wenn manchmal über sie geschimpft wird.

Die DVB suchen Ihre Straßenbahn-Geschichte!

Welche Geschichten, Erinnerungen und Fotos verbinden Sie mit der Dresdner Straßenbahn? Im Jubiläumsjahr interessieren sich die DVB für diese persönlichen Erfahrungen ganz besonders. Schreiben Sie an [email protected] über ihre Erlebnisse und nehmen Sie am Fotowettbewerb teil. Einzelheiten finden Sie hier.

Im Einsatz für die Sicherheit in Bus und Bahn

Sind da, wenn es um die Sicherheit der DVB-Fahrgäste geht: Umut Sen und Ronny Kreusel vom Sicherheitsunternehmen POWER und die Dispatcher Philipp Klepzig und Jan Fleischer (v.l.n.r.). Sie stehen stellvertretend für mehrere Teams, die im DVB-Netz unterwegs
Sind da, wenn es um die Sicherheit der DVB-Fahrgäste geht: Umut Sen und Ronny Kreusel vom Sicherheitsunternehmen POWER und die Dispatcher Philipp Klepzig und Jan Fleischer (v.l.n.r.). Sie stehen stellvertretend für mehrere Teams, die im DVB-Netz unterwegs © DVB

Besonders unter den aktuellen Pandemiebedingungen ist den Fahrgästen in Bussen und Straßenbahnen der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) das Thema Sicherheit wichtig. Das geht aus der Analyse des letzten Kundenbarometers, einer repräsentativen Meinungsumfrage zum ÖPNV, hervor. Zwar belegten die DVB wieder Platz eins im Vergleich der deutschen ÖPNV-Unternehmen, doch ist der Wunsch nach Sicherheit flächendeckend gestiegen. Dabei handelt es sich eher um ein Gefühl als um die Statistik. Real ist die Zahl der Einsätze am Anfang der Pandemie gesunken. Wohl auch, weil Polizei und Ordnungsamt aufgrund der Corona-Regeln häufiger durch Busse und Bahnen patrouillieren.

Für die Sicherheit der DVB-Fahrgäste sorgen viele Helfer, die oft unauffällig einen Blick in die Fahrzeuge werfen. Erster Ansprechpartner für Fahrgäste ist im Ernstfall natürlich die Fahrerin oder der Fahrer. Im Bus ist der direkte Kontakt möglich, in der Stadtbahn gibt es an jeder Tür einen kleinen grünen Knopf. Dahinter verbirgt sich eine Wechselsprechanlage in die Fahrerkabine, die gerade auch für Fragen der Sicherheit gedacht ist. Wer sich nicht traut, wählt einfach vom Platz aus mit dem Handy den Notruf. Das Fahrpersonal soll in Konflikte nicht selbst eingreifen, wird aber sofort per Funk in der DVB-Leitstelle Hilfe anfordern. Je nach Situation kommen dann Polizei, Rettungswagen oder Dispatcher zum Ort. Aufgrund der langjährigen Sicherheitspartnerschaft aller Beteiligten geht das sehr schnell.

Zuverlässiger Partner für Rundum-Überwachung

Darüber hinaus ist in den Abend- und Nachtstunden ein extra für den ÖPNV zertifizierter Sicherheitsdienst mit mehreren Streifenwagen für die DVB-Fahrgäste unterwegs. Die Mitarbeiter der Firma POWER GmbH werden durch die DVB-Leitstelle koordiniert. Inzwischen schon seit 25 Jahren. Sie sind auch da, wenn nichts passiert. Dann schauen Sie beispielsweise am Postplatz bei den Nachtanschlüssen in die Fahrzeuge, fahren ein Stück im Wagen mit und begleiten Busse und Bahnen auf ihrer Tour, wenn dort auffällige Personen unterwegs sind. Oder sie machen Stichproben, ob sich alle Fahrgäste an die geltenden Regeln halten.

Natürlich können die POWER-Sicherheitsleute nicht in jedem Bus oder jeder Bahn mitfahren. Aber sie sind da, wenn sie gebraucht werden. Dabei arbeiten sie stets Hand in Hand mit Dispatcher und Polizei. Sollte doch mal ein Vorfall unentdeckt bleiben, lässt sich das anhand von Videoaufzeichnungen im Nachgang aufklären. Alle Busse und Stadtbahnen der DVB besitzen Kameras, die bis 24 Stunden alles im Wagen aufzeichnen. Schlechte Zeiten also für Randalierer und Langfinger.

Härtetest für neuen Stadtbahnwagen

Der Test des neuen Stadtbahnwagens verläuft bisher vielversprechend. Wenn alles passt wie hier am Postplatz, wird der Wagen ab dem kommenden Mai häufiger auf dieser Strecke zu sehen sein. Dann aber als Linie 2 und mit Fahrgästen.
Der Test des neuen Stadtbahnwagens verläuft bisher vielversprechend. Wenn alles passt wie hier am Postplatz, wird der Wagen ab dem kommenden Mai häufiger auf dieser Strecke zu sehen sein. Dann aber als Linie 2 und mit Fahrgästen. © DVB

In Vorbereitung der Zulassung des neuen Stadtbahnwagens für die Personenbeförderung finden seit Dezember 2021 Testfahrten im Netz der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) statt. Anfang Januar 2022 begann der so genannte Belastungstest - ein echter Härtetest für die Bahn.

Dafür wurde das Fahrzeug mit rund 33 Tonnen Zusatzgewicht beladen. Diese Last muss der Wagen nur in den Tests aushalten. Das Material wird bis zur technisch möglichen Maximalgrenze ausgereizt, um beispielsweise die Durchbiegung des Wagenkastens oder die Absenkung der Fahrwerke bei enormem Druck zu messen. Außerdem werden mit diesem Gewicht Fahr- und Bremsproben durchgeführt und die Steuersoftware eingestellt. Später im Fahrgastbetrieb wird diese „Überlast“ nicht annähernd erreicht. Selbst dann nicht, wenn der Wagen mit den maximal möglichen 290 Passagieren belegt ist. Ende Januar werden die Gewichte wieder entfernt.

Die zuletzt durchgeführten Fahrten dienten der Lichtraumvermessung in Pennrich und auf der Steinbacher Straße sowie zum Bremsentest auf der Stübelallee und an der Plattleite am Weißen Hirsch. In den kommenden Wochen stehen weitere Tests im DVB-Netz auf dem Plan, die zum großen Teil in den Abend- und Nachtstunden stattfinden. Dann haben die Techniker mehr Zeit für Messungen und können unterwegs auch mal anhalten, ohne den regulären Linienverkehr auf der Strecke zu behindern. Bis zum Mai 2022 sollen alle Tests abgeschlossen und die Zulassung durch die Aufsichtsbehörde erteilt sein. Dann kann die erste Fahrt des neuen Stadtbahnwagens auf der Linie 2 zwischen Gorbitz und Leuben mit Passagieren stattfinden. Der ebenfalls zur „2“ gehörende Abschnitt von Leuben nach Kleinschachwitz wird aufgrund von Straßen- und Gleisbauarbeiten voraussichtlich erst im November 2022 befahren.

Mehr Informationen erhalten Sie in der aktuellen Ausgabe des DVB Einsteiger.