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So ist der Baustil des Neoklassizismus im Krematorium Meißen umgesetzt

Das Krematorium Meißen wurde im Stil des Neoklassizismus erbaut. Besonders in der Feierhalle sind Bauelemente dieser Epoche zu erkennen.

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Der Neoklassizismus wird als der letzte ausgeprägte Stil der Bildenden Kunst und Architektur in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland bezeichnet. Er ist gleichzeitig der Beginn der Moderne. Diese architektonischen Anregungen wurden 1928 am Bahnhof Meißen praktisch umgesetzt. Im selben Jahr begann der Bau des Krematoriums Meißen.

Im Krematorium Meißen wurden die Bauelemente der Antike und des Klassizismus verarbeitet. So ergibt sich optisch ein monumentaler Eindruck, obwohl die Grundfläche der Feierhalle mit 150 m² eher bescheiden ist. Die Kombination aus Säulenanordnungen, rechtwinkligen Grundrissen und vorgegebener Symmetrie sind für diesen optischen Anschein verantwortlich.

Das impressionistische Blau findet man vor allem in Figurengruppen an den Fensterfronten und im Mosaik der Feierhalle wieder. Dieses „Börnerblau“ war zwischen 1931 und 1936 der prägende Stil der Feierhalle, als noch Engel (auf Holz gemalt) die Feierhalle schmückten. Das galt allerdings als farblicher Versuch und wurde vom Künstler später nicht weiterverfolgt.

Bei genauer Betrachtung des Bildes aus der Festschrift zum 25. Jubiläum des Feuerbestattungsvereins sieht man den 1936 in die Feierhalle eingebrachten Sockel aus Teichertsteinzeug.

Ursprünglich sollte die Feierhalle mit Meißner Granit ausgestattet werden. Allerdings hätte dieses Material mit den Türgewänden (Teichertsteinzeug 1931) einen optischen Widerspruch ergeben, sodass man bei der keramischen Ausgestaltung blieb. Die geplanten 14 roten Säulen, die die Fenster (je 6 pro Seite) einrahmen, den Ausgang der Feierhalle (2 Stück) verzieren sollten, wurden letztendlich in ihrer Ausführung durch den Krieg verhindert.

In der DDR beließ man die Feierhalle entsprechend des ersten Entwurfskonzepts der schlichten Sachlichkeit von 1927, ohne den Raum innen mit wesentlichen Elementen zu gestalten. Für den ersten Kaseinanstrich nach dem 2. Weltkrieg mussten sogar zusätzliche Lebensmittelmarken für 2 Eimer Quark (Kasein) beschafft werden.

Diese in den 1930er Jahren nicht realisierten Säulen geben heute die Chance, die Akustik der Feierhalle zu verbessern. Eine 1999 installierte Tonanlage erhöhte zwar die Lautstärke, konnte aber die Schallreflektionen, die durch den quaderartigen Bau auftreten, nur leicht vermindern. Das Wort selbst kommt aus den 24 auf die Stuhlreihen gerichteten Lautsprechern hinter dem Rednerpult. Die Seitenlautsprecher erzeugen zusätzlich eine Schallkuppel. Der Schalldruck beträgt derzeit 60 dB. Von der Lautstärke her ist das ausreichend.

Trotzdem ist speziell in der dritten, sechsten und neunten Stuhlreihe das Wort des Redners schwer zu verstehen. Hier steht ein physikalisches Problem dahinter. Das Ohr des Besuchers trifft der Schall durch Reflektionen dreimal. Erst kommt das gesprochene Wort des Redners, nach 0,1 Sekunde das Echo von der Decke und nach nochmal 0,1 Sekunden die Reflektion von der Rückwand. Dieses dreifache Geräusch kann, je älter man wird, nicht mehr ausreichend vom Gehör verarbeitet werden. Man versteht nicht mehr, was der Redner sagt. Gut angepasste Hörgeräte helfen hier durchaus.

In der Form der damals konzipierten Säulen (60 cm breit und 9 Meter hoch) werden nunmehr 14 Schallschutzvorhänge und eine Schallschutzfläche über der Tür angebracht, die sich genau an diesem historischen Säulenentwurf orientieren. Dafür werden dicke textile und nicht brennbare Gewebe benutzt, die im Rotbraun der Teichertkeramik gehalten sind. Diese Elemente sollen das störende Echo schlucken und die Möglichkeit geben, die Lautstärke in den Lautsprechern weiter zu erhöhen. Ende Oktober ist das Projekt abschlossen und die Feierhalle besitzt ein neoklassizistisches Gestaltungselement mehr.

Stöbern Sie hier für weitere Informationen und Geschichten des Städtischen Bestattungswesens Meißen.

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120 Seiten, 20. geänderte Auflage
120 Seiten, 20. geänderte Auflage © Autoren: Jörg Schaldach, Kristina Ruppert

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