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"Abwechslung ist wichtig für die Tiere"

Matthias Hendel ist Kurator im Zoo Dresden und mit seinem Team unter anderem dafür verantwortlich, dass die Zoobewohner artgerecht gehalten und versorgt werden.

Matthias Hendel erläutert im Interview, wie die Tierpfleger im Zoo Dresden für Abwechslung bei den Tieren sorgen.
Matthias Hendel erläutert im Interview, wie die Tierpfleger im Zoo Dresden für Abwechslung bei den Tieren sorgen. © Foto: Thorsten Eckert

Während des Lockdowns hat der Zoo Dresden auf seiner Facebookseite jede Menge Beschäftigungsangebote für die Tiere gepostet. Es gab Schneemänner für die Löwen, Fernsehen bei den Orang-Utans und die Erdmännchen freuten sich über gefüllte Pappkartons. Wir haben deshalb einmal bei Kurator Matthias Hendel näher nachgefragt.

Frage: Die Tierpfleger lassen sich ja jede Menge für Ihre Schützlinge einfallen. Haben Sie sich das im Lockdown extra ausgedacht?

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Guereza-Nachwuchs im Zoo Dresden
Guereza-Nachwuchs im Zoo Dresden

Mona und Zazu aus dem Zoo Dresden sind zum 15. Mal Eltern geworden. Das kleine weibliche Jungtier wurde von den Tierpflegern auf den Namen Chaka getauft.

Matthias Hendel: Vielleicht hat man im Lockdown an bestimmten Stellen, um das Fehlen der Besucher zu kompensieren, etwas mehr gemacht. Sprich den Fernseher für die Orang-Utans oder Musik für die Giraffen eingeschaltet. Aber eigentlich sind die Zootierpfleger fast täglich damit beschäftigt, Abwechslung in das Leben ihrer Schützlinge zu bekommen.

Können Sie das näher erklären?

Im zoologischen Fachjargon nennen wir das Enrichment oder Bereicherung beziehungsweise Beschäftigung. Das meint, den Tieren ein Umfeld zu schaffen, um verschiedene Verhaltensweisen zu fördern oder auszulösen. Es beschränkt sich nicht nur auf Basteleien, in denen man Futter versteckt oder verschiedene Darreichungsformen der Futtermittelgabe. Wichtig ist auch die Gehegegestaltung und dass sich daran ab und an mal etwas ändert. Zum Beispiel neue Bepflanzung, Substrate, Einbauten … Und wenn man noch weiter schaut, gehört dazu auch, die Tiere in eine Zuchtsituation zu bringen. Fortpflanzung, Jungtieraufzucht und Revierverteidigung sind ganz natürliche Beschäftigungen beziehungsweise Verhaltensbereicherungen. Hinzu kommt der vertrauensvolle Umgang der Pfleger mit den Tieren plus das tägliche Training.

Training für die Tiere?

Damit Tiere in einer ungewohnt stressigen Situation ruhiger reagieren, werden täglich Trainings durchgeführt. Im besten Fall gehören eher ungewöhnliche Situationen für das Tier dann zur Routine. Beim sogenannten medical training werden die Tiere an geplante medizinische Maßnahmen wie Blutabnahmen, Abtasten oder Medikamentengaben gewöhnt. Im täglichen Pfleger-Tierkontakt geht es vor allem um „normale“ Abläufe, wie das routinemäßige Einstallen der Tiere, um die Anlage zu reinigen und Futter aufzufüllen.

Musik für die Giraffen, Bewegung fürs Trampeltier

Wie die Tierbeschäftigung in der Praxis aussieht, zeigen drei Beispiele: Für die Löwen gibt es Lavendel und Fußball, bei den Giraffen Musik und das Trampeltier geht spazieren:

Tierpflegerin Annka Lewertoff versorgt die Löwen regelmäßig mit verschiedenen „Geruchsproben“ und lässt die Raubkatzen zum Beispiel gern an Kräuterbündeln schnuppern. „Das aktiviert ihre Sinne und sie können sich hervorragend damit beschäftigen“, erläutert sie.
Tierpflegerin Annka Lewertoff versorgt die Löwen regelmäßig mit verschiedenen „Geruchsproben“ und lässt die Raubkatzen zum Beispiel gern an Kräuterbündeln schnuppern. „Das aktiviert ihre Sinne und sie können sich hervorragend damit beschäftigen“, erläutert sie. © Foto: Thorsten Eckert
Tierpflegerin Kyra Zill bringt dem Giraffenbullen Diko den mit Futter gefüllten Knobel-Ball - um an den Inhalt zu kommen, müssen die Tiere ihre langen Zungen einsetzen. Wenn keine Besucher da sind, wird außerdem manchmal Musik aufgelegt, zum Beispiel der Dirty-Dancing-Soundtrack oder afrikanische Klänge.
Tierpflegerin Kyra Zill bringt dem Giraffenbullen Diko den mit Futter gefüllten Knobel-Ball - um an den Inhalt zu kommen, müssen die Tiere ihre langen Zungen einsetzen. Wenn keine Besucher da sind, wird außerdem manchmal Musik aufgelegt, zum Beispiel der Dirty-Dancing-Soundtrack oder afrikanische Klänge. © Foto: Thorsten Eckert
Mindestens einmal pro Woche bekommt Trampeltier Collin im Zoo Dresden „Freigang“: Dann wird ihm das Geschirr angelegt und zwei Tierpfleger aus dem Huftierrevier führen das einjährige Jungtier an der Leine durch den Zoo. So gewöhnt sich Collin an Menschen und Kommandos und lernt, dass ihm hier keine Gefahr droht.
Mindestens einmal pro Woche bekommt Trampeltier Collin im Zoo Dresden „Freigang“: Dann wird ihm das Geschirr angelegt und zwei Tierpfleger aus dem Huftierrevier führen das einjährige Jungtier an der Leine durch den Zoo. So gewöhnt sich Collin an Menschen und Kommandos und lernt, dass ihm hier keine Gefahr droht. © Foto: Thorsten Eckert

Hinweis: Der Zoo Dresden ist aktuell geschlossen und darf laut Sächsischer Corona-Schutzverordnung voraussichtlich ab 6. April wieder für Besucher öffnen. Der Besuch ist mit Zeittickets möglich, die über die Website des Zoos gebucht werden können. Zudem ist der Zoobesuch ab 6. April nur mit einem Nachweis über einen tagesaktuellen negativen Corona-Schnell- oder Selbsttest möglich. Es kann jedoch aufgrund aktueller Entwicklungen und neuerlichen Verordnungen auch wieder zur Schließung des Zoo Dresden kommen. Aktuelle Informationen dazu gibt es auf www.zoo-dresden.de

Kontakt und weitere Informationen

Zoo Dresden GmbH
Tiergartenstraße 1
01219 Dresden

Telefon 0351 - 47 80 60
[email protected]
www.zoo-dresden.de

Hier geht es zur Zoowelt auf sächsische.de