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Wie Zucker Krebs entlarvt

Modernste Technik am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Dresden ermöglicht richtungsweisende Forschung nah am Patienten.

Hochmoderne Technik, wie dieses PET/MRT, steht Prof. Ralf-Thorsten Hoffmann und Prof. Esther Troost in der Bildgebungsplattform für ihre Forschung zur Verfügung.
Hochmoderne Technik, wie dieses PET/MRT, steht Prof. Ralf-Thorsten Hoffmann und Prof. Esther Troost in der Bildgebungsplattform für ihre Forschung zur Verfügung.

Es geht um Millimeter. Jedes Stück Gewebe, das geschützt werden kann, ist wertvoll. Der Kampf gilt dem Tumor, nicht den gesunden Bereichen um ihn herum. Noch vor einigen Jahren war es während einer Strahlentherapie nur schwer möglich, lediglich den Tumor zu treffen. Heute ist die Medizin weiter. Für Esther Troost und Ralf-Thorsten Hoffmann geht das noch nicht weit genug. An der Bildgebungsplattform des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) forschen sie nach Möglichkeiten, die die Krebsbehandlung noch effektiver machen. Nah am Patienten und unterstützt von modernster Technik.Es ist der Hunger auf Zucker, der den Tumor entlarvt. Seinen erhöhten Glukosestoffwechsel, also seinen Appetit auf Traubenzucker, macht sich die Medizin zunutze. An Zucker wird eine leicht radioaktive Substanz gekoppelt. Die Zellen nehmen ihn wie normalen Traubenzucker auf. Der Tumor will mehr davon – und beginnt hell zu leuchten. „Dadurch können wir auf den Patientenbildern erkennen, wo der Tumor sitzt und wie aktiv er ist“, erklärt Ralf-Thorsten Hoffmann, Direktor des Instituts und der Poliklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Dresden.

Starker Zusammenschluss für die Therapien von morgen

Zu erkennen ist all das durch die PET/MRT-Bildgebung. Das Ganzkörpergerät kombiniert die oben beschriebene Positronen-Emissions-Tomografie (PET) und die Magnetresonanztomografie (MRT) und erhebt die Daten dafür gleichzeitig Zentimeter für Zentimeter für die zu untersuchenden Bereiche. „Wir erhalten exakte Informationen über verschiedene Weichgewebe“, sagt Prof. Esther Troost, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des Uniklinikums Dresden und Leiterin der Abteilung „Bildgestützte Strahlentherapie“ am Institut für Radioonkologie – OncoRay des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR). Noch gibt es diese Art von Geräten weltweit längst nicht flächendeckend. Der Krebs sei damit zum einen besser und zum anderen früher erkennbar, sagt Hoffmann. „Ein großer Vorteil ist, dass auch ein Wiederauftreten der Erkrankung zeitiger zu sehen ist.“ Das NCT/UCC Dresden ist eine gemeinsame Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums, des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden, der Medizinischen Fakultät der TU Dresden und des HZDR. Letzteres stellt die radioaktiven Marker her und arbeitet gemeinsam mit den Medizinern an der Frage, wie diese beschaffen sein müssen. Neben dem PET/MRT-Gerät steht durch die Bildgebungsplattform auch ein Computertomograf (CT) ausschließlich für Forschungszwecke zur Verfügung. Es geht damit längst nicht mehr nur darum, die Strahlentherapie zielgenauer zu machen. Zwischen 60 und 80 Operationen im Jahr führen Ralf-Thorsten Hoffmann und sein Team unter CT-Kontrolle durch. Mittels eines kleinen Schnitts schicken sie dabei eine kleine Sonde zum Tumor, der dann bei Temperaturen über 60 Grad Celsius verkocht wird. Seine Eiweiße werden dadurch zerstört. Erst im vergangenen Herbst eröffnete das NCT/UCC seinen Neubau. Im dortigen Operationssaal der Zukunft sind Instrumente und Geräte digital vernetzt. Die Forscher sammeln hier wichtige Daten für die Krebschirurgie von morgen.

Studie erforscht neue Behandlung für Prostatakrebs-Patienten

Den Krebs in den Bildern der Patienten lesen zu können, das hat Esther Troost in den vielen Berufsjahren gelernt. Zu jedem Bild gehört die Krankengeschichte eines Menschen. Vielen konnte sie helfen, einigen nicht. „Gerade dann, wenn wir junge Patienten erfolgreich behandelt haben und der Krebs nach Jahren zurückkehrt, ist das auch für uns bitter“, erzählt sie. Sie will weiterforschen. Damit künftig noch mehr Patienten die Krankheit besiegen. In einer neuen Studie schauen sich die Wissenschaftler deshalb jetzt an, wie mit Hilfe der Daten aus dem PET/MRT-Gerät die Bestrahlung für Patienten mit Prostata-Tumoren zielgerichteter und effektiver funktionieren kann. Der Kampf gilt dem Tumor, nicht dem gesunden Gewebe, das ihn umgibt. Jeder Millimeter zählt. Jana Mundus

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