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Arbeitnehmern droht Kaufkraftverlust

Erstmals seit 2009 ist die Inflation wieder schneller gestiegen als die Bruttolöhne.

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Wiesbaden. Schlechte Nachrichten für die deutschen Arbeitnehmer: Trotz der niedrigen Inflation droht ihnen in diesem Jahr erstmals seit dem Höhepunkt der Finanzkrise 2009 eine schwindende Kaufkraft. Dahinter steckt, dass die Preise schneller steigen als die Löhne, weil die Unternehmen vielfach Sonderzahlungen strichen. Experten sagen für 2014 aber wieder ein kräftiges Plus voraus.

Nach Abzug der Inflation hatten die Beschäftigten im dritten Quartal durchschnittlich 0,3 Prozent weniger in den Taschen als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt gestern mitteilte. Das war der stärkste Rückgang seit mehr als vier Jahren. Zwar stiegen die Bruttomonatsverdienste inklusive Sonderzahlungen der vollzeit-, teilzeit- und geringfügig beschäftigten Arbeitnehmer um 1,3 Prozent. Die Verbraucherpreise legten aber um 1,6 Prozent zu und zehrten die Lohnzuwächse wieder auf.

Grund für die unerwartete Lücke sind laut Bundesamt vor allem geringere Sonderzahlungen für die Arbeitnehmer bei Banken und Versicherungen sowie im Öffentlichen Dienst. Dazu zählen etwa Boni, Gewinnbeteiligungen oder tarifliche Einmalzahlungen. Im gesamten Dienstleistungssektor lagen die Brutto-Monatsverdienste im dritten Quartal nur 0,7 Prozent über dem Vorjahr.

Auf der anderen Seite haben die Entgelte im Verarbeitenden Gewerbe inklusive Sonderzahlungen um 2,3 Prozent zugelegt. Hier macht sich die ab Juli einsetzende Tariferhöhung von 3,4 Prozent für die Metall- und Elektroindustrie mit allein rund 3,7 Millionen Beschäftigten bemerkbar.

Nach vorläufigen Berechnungen des gewerkschaftsnahen WSI-Archivs lagen die aufs Jahr bezogenen Erhöhungen der Tarifgehälter über alle Abschlüsse bei durchschnittlich 2,8 Prozent. Abzüglich der Preissteigerung konnten die Arbeitnehmer mit einer realen Steigerung dieses Verdienstanteils um ein Prozent rechnen.

Im Schnitt verdiente im dritten Quartal ein Vollzeitbeschäftigter ohne Sonderzahlungen 3 462 Euro brutto im Monat, wie die Statistiker berichteten. Am meisten gab es bei Banken und Versicherungen mit einem Durchschnittsentgelt von 4 576 Euro zu verdienen, am wenigsten im Gastgewerbe mit 2 012 Euro. (SZ/rad/dpa)