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„Wir sind keine Kriminellen“

Vor einem ägyptischen Strafgericht wird am 7. Juni dem Chemnitzer Experimentalarchäologen Dominique Görlitz und zwei weiteren Deutschen der Prozess gemacht. Er sieht sich als Opfer einer Intrige.

© dpa

Von Ralf Hübner

Kairo/Chemnitz. Der Chemnitzer Experimentalarchäologe Dominique Görlitz sieht sich bei einem Prozess vor einem Gericht in Kairo schuldlos angeklagt. Er und seine Mitstreiter sollen 2013 der Cheops-Pyramide unerlaubt eine geringe Menge Gesteinsproben entnommen und nach Deutschland gebracht haben. „Ich gehe davon aus, dass die nötigen Genehmigungen vorlagen“, sagte er in einem Interview. Er vermute aber, dass mit dem Verfahren ein Exempel statuiert werden solle.

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Sie sollen mit Partnern im April 2013 unerlaubt eine Kammer der Cheops-Pyramide betreten, Proben entnommen und nach Deutschland gebracht haben. Was sagen Sie zu den Vorwürfen?

Da ist aus meiner Sicht nichts dran. Wir sind keine Kriminellen. Ich gehe davon aus, dass die nötigen Genehmigungen vorlagen. Wir sind ja auch immer vom verantwortlichen Tour-Operator und Inspektoren begleitet worden. Als die Vorwürfe dann aufkamen, haben wir uns sofort in aller Form entschuldigt und unsere Mitarbeit bei der Aufklärung angeboten. Ich fürchte nur, dass in dem Fall gar nichts aufgeklärt werden soll.

Sondern?

Vermutlich soll ein Exempel statuiert werden. Uns wird ja vor allem vorgeworfen, wir hätten in einer Kammer der Pyramide die Cheops-Kartusche beschädigt, die belegt, das Pharao Cheops der Bauherr war.

Und? Haben Sie?

Nicht die Spur und ich denke, wir haben das auch kategorisch bewiesen. Es gibt die Fotografien eines amerikanischen Wissenschaftlers aus dem Jahr 2006, die deutlich zeigen, dass die Kartusche damals schon diese Schäden aufwies - sechs Kerben von einem Meißel. Nur wurden diese erst im Dezember 2013 offiziell zur Kenntnis genommen. So wie ich es sehe, soll uns die Beschädigung jetzt angehängt werden. Bedauerlich ist nur, dass wegen der Anschuldigungen des einstigen Generalsekretärs der ägyptischen Altertümerverwaltung, Zahi A. Hawass, nun sechs Menschen im Gefängnis sitzen.

Wer sollte so etwas tun und warum?

Das ist schwer zu sagen. Ich vermute Intrigen und Gründe im politischen Raum. Es ist ja durch Hawass verbreitet worden, reiche Juden hätten uns finanziert. Wir sollten angeblich beweisen, dass die großen Pyramiden nicht von Ägyptern, sondern einst von den Israeliten erbaut wurden. Völlig absurdes Zeug. Wir sind nicht bestochen worden und haben niemanden bestochen, noch wollten wir das Bauwerk irgendwie umdatieren oder beschädigen. Den ägyptischen Behörden mache ich den Vorwurf, die Vorgänge nicht konsequent aufzuklären. Die neuen Bildbeweise sind bis zum Verhandlungsbeginn offensichtlich nicht geprüft worden.

Was wollten Sie überhaupt in der Cheops-Pyramide?

Die Pyramide ist für Menschen ein rätselhaftes Bauwerk. Aus meiner Sicht ist noch immer nicht schlüssig geklärt, wie Menschen der Bronzezeit vor etwa 4.600 Jahren - damals gab es weder Schubkarre noch Flaschenzüge - ein solch gewaltiges Bauwerk errichten konnten.

Werden Sie bei dem Prozess anwesend sein?

Ich glaube an keine faire Verhandlung. Da wäre eine Teilnahme fast sprichwörtlich wie Selbstmord.

ZUR PERSON: Der 47-jährige Dominique Görlitz aus Chemnitz bezeichnet sich als „Experimentalarchäologe“. Er hat für das Lehramt Sport und Biologie studiert und wurde vor allem vor allem durch sein „Abora“-Projekt bekannt. Mit nachgebauten Steinzeitbooten aus Schilf wollte er nachweisen, dass die Menschen schon vor etwa 6.000 Jahren den Atlantik überqueren und Handel treiben konnten. Seine Fahrt mit „Abora III“ 2007 scheiterte nach 56 Tagen und 2400 gefahrenen Seemeilen.