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Seifenwerk kämpft um Weiterbetrieb

Die Absicherung der Lohnzahlungen ist nicht das einzige Problem der insolventen Kappus-Gruppe. Nun verweigern auch einige Spediteure die Fahrten für das Unternehmen.

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Von Antje Steglich

Eine Vielzahl von Baustellen erwartet Silvia Lackenbauer bei ihrem Antrittsbesuch am Montag in Riesa. Sie wurde erst kürzlich in die Geschäftsführung der Kappus-Gruppe berufen und bereist nun zum ersten Mal die vier Standorte des Seifen-Produzenten in Riesa, Offenbach, Krefeld und Heitersheim. Die Stimmung ist angespannt, das ist Silvia Lackenbauer am Telefon deutlich anzuhören. Ein Gespräch mit der Presse im Seifenwerk lehnt sie zunächst einmal ab – die Belegschaft solle dadurch nicht noch mehr verunsichert werden. Denn seitdem die Kappus-Gruppe vor eineinhalb Wochen Insolvenz angemeldet hat, ist die Zukunft des Unternehmens ungewiss.

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Kappus-Geschäftsführer Wolfgang Kappus hatte zwar in einem Interview gegenüber der Offenbacher Post betont, dass der Familienbetrieb auch in Zukunft Seife produzieren wird. Allerdings habe man zuletzt so sehr mit der sinkenden Nachfrage, geringen Gewinnmargen und der Konkurrenz aus benachbarten Billiglohnländern zu kämpfen gehabt, dass eine Sanierung des Unternehmens unumgänglich war. Und das spüren nun zuerst die Mitarbeiter. Sie warten bislang vergeblich auf ihren September-Lohn.

„Wir sind derzeit bemüht, die Gehaltszahlungen für September durch eine Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes sicherzustellen“, sagt Silvia Lackenbauer. Die Entscheidung der Bundesagentur für Arbeit, die dem Prozedere zustimmen muss, wird noch Anfang der Woche erwartet. Fällt diese positiv aus, könnten die Gehälter bereits Ende der Woche fließen. Auch für Oktober und November soll die Bezahlung für die insgesamt 350 Mitarbeiter der Kappus-Gruppe – 85 davon im Seifenwerk Riesa – auf diese Weise geregelt werden, kündigt Silvia Lackenbauer an. Das sei wichtig, um den Betrieb in vollem Umfang aufrechterhalten zu können. Dafür ist allerdings auch die Unterstützung von Zulieferern und Spediteuren notwendig – und das sei derzeit der große Knackpunkt Nummer zwei.

„Einige Speditionen und Lieferanten wollen nicht liefern, weil Rechnungen nicht bezahlt wurden. Das ist zurzeit unser zentrales Problem“, sagt die Geschäftsführerin. So würden nun in einigen Fällen Vorkasse und Kautionen verlangt, die das Unternehmen zusätzlich in Bedrängnis bringen würden. Dazu sollen in diesen Tagen weitere Verhandlungen stattfinden. „Die Kunden dagegen sind sehr hilfreich. Sie zahlen ihre Rechnungen zum Teil sogar vorfristig.“

Grundsätzlich ist es Ziel, das Unternehmen im Rahmen der Insolvenz zu sanieren und so viele Standorte und Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten. „Im Moment haben wir weder Kündigungen ausgesprochen, noch ist es geplant, Mitarbeitern zu kündigen“, sagt Silvia Lackenbauer, die als Fachanwältin für Insolvenzrecht in der Mentor Societät Offenbach den Sanierungsprozess maßgeblich leiten soll. Zu konkreten Maßnahmen – unter anderem für das Seifenwerk Riesa – könne sie allerdings frühestens in ein paar Tagen Auskunft geben.