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Ausgesetzt und abgeschoben

Im Tierheim Bischdorf landen immer wieder Tiere, die wie Müll entsorgt wurden. Jetzt traf es einen kleinen Hund.

© privat

Von Constanze Junghanß

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Bischdorf/Neugersdorf. Ein Wimmern und Heulen auf einem verwilderten Grundstück in Neugersdorf hat vor wenigen Tagen einen Fußgänger aufhorchen lassen. Was verbarg sich da hinter dem rostigen Zaun? Er ging den Geräuschen nach, informierte kurz darauf den Tierschutz. Dessen Helfer fanden ein nasses und bibberndes Fellknäuel. Der kleine Hund war offensichtlich von Unbekannten ausgesetzt worden. Fotos vom Tierschutzverein Löbau-Zittau sind später auf Facebook zu sehen. Sie zeigen das Gebüsch, in dem ein umgeworfener Weidenkorb liegt. Dazu Bilder vom Vierbeiner mit dem plüschigen weißen Fell, der zwischen Blättern hervorschaut und später in einem Auto Platz nimmt. Zu lesen ist dazu im sozialen Netzwerk, der Rüde sei samt Körbchen in Richtung Grenze in Neugersdorf im Gebüsch gefunden worden. Er sei voller Flöhe gewesen, ansonsten jedoch auf den ersten Blick in Ordnung. Einen Chip zur Erkennung trage er nicht. Der Tierschutzverein vermutet, dass das etwa zwei Jahre alte Tier Schläge bekommen hat, da der Hund Menschen gegenüber ängstlich reagiere. Gerettet wurde der Hund am 2. Oktober gegen Mittag, wie Karoline Peuker vom Vorstand des Tierschutzvereins bestätigt. Die Mitarbeiterin erzählt, dass sich das Tierheim jetzt um den Fundhund kümmert. „Mittlerweile ist er vom Tierarzt untersucht worden und bekam seine erste Impfung.“ Auf Facebook berührt das Schicksal des Kleinen – vermutlich ein Malteser-Mix – viele Menschen. Etwa 1 500-mal wurde der Beitrag geteilt, über 200 Leute kommentieren aktuell. Sie fragen, warum man sich überhaupt ein Tier anschafft, wenn man es später einfach entsorgt. Andere wählen drastischere Sätze und machen ihrem Unmut auch mit Schimpfworten Luft.

Karoline Peuker vom Tierschutzverein Löbau-Zittau und Tierheimmitarbeiter Silvio Skobel päppelten im Sommer vier ausgesetzte Welpen auf. Einer war leider so krank, dass er starb. Immer wieder hat das Tierheim in Bischdorf mit ausgesetzten Tieren zu tun. © Constanze Junghanß

Derzeit wird der Rüde noch nicht vermittelt. „Wir müssen etwa vier Wochen abwarten, ob sich sein Besitzer meldet“, sagt Karoline Peuker. Sie vermutet allerdings aufgrund der Umstände am Fundort, dass das nicht passieren wird.

Immer wieder wird das Bischdorfer Tierheim mit ausgesetzten oder vernachlässigten Tieren konfrontiert. Erst im Sommer machte die Einrichtung sachsenweit Schlagzeilen. Vier Hundewelpen wurden im Königsholz bei Großhennersdorf von einer Familie durch Zufall beim Spaziergang entdeckt. Die vier Mischlinge – vermutlich aus zwei unterschiedlichen Würfen – waren schwer an Parvovirose erkrankt, wie sich im Tierheim herausstellte. Ein Welpe verstarb daran. „Die anderen wurden in der Region vermittelt“, sagt Karoline Peuker. In einem Pappkarton in einem Zittauer Gewerbegebiet ausgesetzte Hundewelpen kamen später in gute Hände, auch die in einem Karton an einer Bushaltestelle in Rosenbach ausgesetzten Katzenkinder fanden neue Familien. Trotzdem beobachtet das Tierheim mit Sorge, dass immer öfter Vierbeiner von Unbekannten einfach entsorgt werden. „Das hat die letzten Jahre zugenommen“, schätzt Karoline Peuker ein. Woran das liegt, sei schwer zu sagen. Überforderung der Halter könnte ebenso eine Rolle spielen wie Zeit- oder Geldmangel, Desinteresse, eine plötzliche Erkrankung des Tieres und anderes. Dabei ist es für den Verein nicht leicht, über die Runden zu kommen. Die Vorsitzende Ramona Loske teilte jetzt ihre Sorgen öffentlich auf Facebook mit: Viele Menschen würden sich erst dann an das Tierheim erinnern, wenn sie Hilfe bräuchten. „Wir brauchen aber auch Hilfe. Nur durch die Tiervermittlung und Spenden kann ein Tierheim überleben“, schreibt Ramona Loske. Jeden Monat sei die Angst da, ob es weitergeht, heißt es. Im Moment suchen etwa 20 Hunde, zirka 50 Katzen sowie einige Meerschweinchen und Zwergkaninchen ein Zuhause.

Bevor sich jemand ein Haustier anschafft, sollte deshalb gut überlegt werden, was auf den Halter an Verantwortung und Kosten zukommt. Das Tierheim Bischdorf vermittle prinzipiell keine Tiere in der Weihnachtszeit, da Miez, Bello und Co. kein passendes Überraschungsgeschenk unter dem Tannenbaum sind. Die Einrichtung veranstaltet ihren kleinen „Tierweihnachtsmarkt“ schon am 24. November. Da werden allerdings keine Tiere angeboten, sondern die Einrichtung kann samt Bewohnern besichtigt werden. Es gibt Kaffee, Kuchen, Weihnachtsgestecke und kleine Präsente. Wer das Tierheim unterstützen möchte, kann das zum Beispiel mit einer Spende tun.

Spenden für das Tierheim

: TSV Löbau-Zittau e.V, Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien,

IBAN: DE43850501003000208460, BIC: WELADED1GRL