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Asiens ältester Regierungschef muss gehen

Auf den Malediven siegtein ehemaliger politischer Häftling gegen einen autoritären Präsidenten.

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Male. 30 Jahre herrschte Maumoon Abdul Gayoom über die 1192 Koralleninseln der Malediven. Am Dienstag unterlag der am längsten amtierende Regierungschef Asiens bei der ersten Wahl des 370000 Einwohner zählenden Landes, bei der neben ihm andere Kandidaten zugelassen waren. Sieger ist der 41-jährige Mohammed „Anni“ Nasheed von der „Malidivian Democratic Party“, gegen den Gayooms Regime 27-mal gerichtlich vorging. Sechs Jahre verbrachte er im Gefängnis oder in der Verbannung.

Soziale Widersprüche

Der Urnengang setzte den vorläufigen Schlusspunkt unter demokratische Reformen, die 2004 nach massiven Protesten eingeleitet worden waren. Nach Stunden bangen Wartens beseitigte Gayoom am Dienstag die Sorge, er würde sich trotz der Niederlage an die Macht klammern. „Ich gratuliere Anni Nasheed“, erklärte der 71-Jährige.

Gayoom, der das Land von einer Fischernation in ein Touristenparadies verwandelte, bescherte seiner Nation zwar ein durchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen von 2000 US-Dollar im Jahr, rund 40 Prozent der Bevölkerung müssen aber immer noch mit weniger als einem US-Dollar pro Tag auskommen. Von der Entwicklung der Luxushotels profitierten überwiegend Verwandte und Freunde Gayooms. (SZ/ger)