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Auch Rettungskräfte müssen den Unfall verarbeiten

Für Feuerwehrleute ist das Bergen von Opfern selbstverständlich. Hinterher brauchen aber auch sie Hilfe.

© Danilo Dittrich

Von Holger Gutte

Großschönau. Schwere Verkehrsunfälle, wie der am Sonnabend auf der Ortsverbindungsstraße zwischen Hörnitz und Großschönau sind nicht nur für die Hinterbliebenen und Verletzten schwer zu verarbeiten. Auch an den Einsatzkräften gehen solche Hilfeleistungen nicht spurlos vorüber. „Es ist nicht einfach, einen Toten aus einem Auto zu bergen. Das kann man nicht üben“, schildert Großschönaus Gemeindewehrleiter Fabian Hälschke. Er ist mit seinen Kameraden bei dem Unfall am Wochenende im Einsatz gewesen, bei dem eine 59-jährige Frau starb und drei andere Personen schwer verletzt wurden. Wenn es darum geht, einen Toten zu bergen, schaut er dem Kameraden vorher in die Augen, um zu sehen, ob er in diesem Moment dieser hohen psychischen Belastung gewachsen ist. Doch auch in solchen Fällen handeln die Feuerwehrmänner und -frauen, wie die anderen Einsatzkräfte meist routinemäßig. Erst hinterher geht es darum, das Gesehene zu verarbeiten. „Wir haben nach dem Unfall darüber geredet, wie wir nun damit umgehen“, sagt Fabian Hälschke. Seine Kameraden wollten das Erlebte erst einmal jeder für sich allein verdauen. Doch eine Nachsorge für die Helfer ist wichtig. Deshalb gibt es jetzt für die Feuerwehrleute, die die Verletzten und die Tote aus den beiden Autos geborgen haben, ein Treffen, bei dem das Geschehene aufgearbeitet wird. Auch Pfarrer Gerd Krumbiegel ist mit dabei. „Er hat uns gleich bei seiner Amtsübernahme das Angebot gemacht, als Seelsorger in solchen Fällen zur Verfügung zu stehen“, berichtet der Wehrleiter. Für die anderen Großschöner Feuerwehrleute soll es etwas später ebenfalls eine solche Gesprächsrunde geben.

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Er weiß, dass die psychische Belastung für seine Kameraden noch am Abend und tags darauf hoch war. Sie haben quasi am 7. Oktober bis 15 Uhr die Scherben am Unfallort beseitigt, während gleichzeitig bereits ihr „Rocktoberfest“ stattfand. Das Feuerwehrfest sollte nicht ausfallen, weil hier die Premiere des Großschönauer Feuerwehrmarsches geplant war. Der Spielmannszug der Feuerwehr hatte den in diesem Jahr in Bayern gefundenen über 120 Jahre alten Marsch einstudiert. Das sollte nicht umsonst gewesen sein.

Für die Einsatzkräfte war das Fest dennoch getrübt. Sie halten sich an ihre Schweigepflicht. Aber ständiges Nachfragen nach dem Unfall macht für manch einen die Verarbeitung nicht leichter, schildert der Wehrleiter. Zudem beschäftigen sich die Kameraden auch mit den Unfallopfern. Es blieb ihnen nicht verborgen, dass die schwer verletzte 25-jährige Beifahrerin aus Pirna im Skoda hochschwanger war. Sie hoffen, dass es allen drei Schwerverletzten möglichst bald wieder gut geht und der Unfall der Schwangerschaft nicht geschadet hat.

Bei dem Verkehrsunfall waren 37 Kameraden mit sieben Fahrzeugen der Feuerwehren Großschönau, Waltersdorf und Hainewalde im Einsatz. Der Unfall ereignete sich am 7. Oktober gegen Mittag zwischen Hörnitz und Großschönau. Ein 39-jähriger Seat-Fahrer war mit seiner 59-jährigen Beifahrerin in Richtung Großschönau unterwegs. Aus bislang unbekannter Ursache verlor der Mann nach einer Rechtskurve die Kontrolle über sein Auto und rutschte quer zur Fahrbahn in einen entgegenkommenden Skoda. Dessen 26-jähriger Fahrer und seine 25-jährige Beifahrerin wurden dabei – wie der Unfallverursacher – schwer verletzt. Die Beifahrerin im Seat erlag noch an der Unfallstelle ihren schweren Verletzungen.