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Auf dem Markte gehet was

Wasserspielplatz und Puppentheater: Beim Tippelmarkt liegt der Schwerpunkt dieses Jahr noch mehr auf Familien.

© nikolaischmidt.de

Von Susanne Sodan

Görlitz bekommt brandneue Ware. Im wahrsten Sinne. Einen Ofen voll mit Töpferwaren wird Steffi Berndt jetzt noch brennen. Ihren Lieferwagen hat sie in den vergangenen Tagen schon zum großen Teil gefüllt, am Freitag kommen noch die frisch gebrannten Stücke dazu – und dann fährt sie von Elstra aus wieder nach Görlitz, zum Tippelmarkt. Der feiert dieses Jahr Geburtstag: Am Sonnabend beginnt der 20. Tippelmarkt, fast 70 Töpfer kommen. Manchmal hört man, der Görlitzer Tippelmarkt sei etwas ganz Besonderes, sei auch bei den Töpfern besonders beliebt. Ist das vor allem Marketing, oder ist wirklich was dran?

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Steffi Berndt muss es wissen. Sie ist schließlich von Anfang an dabei. „Ganz am Anfang war meine Mutti noch die Chefin unserer Töpferei, aber ja, wir sind seit 20 Jahren dabei“, erzählt Steffi Berndt. Es sei tatsächlich so, dass der Görlitzer Tippelmarkt etwas Besonderes habe. Das liege zum einen an den Kunden. Sie ist viel auf Märkten unterwegs. „Jeder Töpfermarkt hat sein Publikum“, erzählt sie. Der Görlitzer Tippelmarkt ziehe Besucher aus einem sehr weiten Umkreis an, „die Kunden kommen von überall her, sie sind unheimlich offen und immer sehr herzlich.“ Die zweite Besonderheit seien die Veranstalter, sagt Steffi Berndt. „Es wird sehr viel um den Markt herum geboten“, sagt sie. Zur Tradition gehört es, dass der Tippelmarkt mit dem Einzug der Töpfer beginnt, „das ist immer sehr sehenswert.“

Die Initiatoren des Tippelmarktes waren vor 20 Jahren der Töpfer Günter Meißner, „Tippelweib“ Marianne Paul und der damalige Kulturamtsmitarbeiter Gotthard Pissang. Als Verein organisierten sie über viele Jahre gemeinsam mit anderen Mitgliedern den Tippelmarkt. Angefangen hatte alles auf dem Untermarkt. Weil der Tippelmarkt aber kontinuierlich wuchs – und auch, weil damals die Zuschauertribüne vom Sommertheater Platz auf dem Untermarkt wegnahm – zogen die Töpfer ein paar Jahre später auf den Obermarkt. Dabei sind die ursprünglichen Initiatoren auch jetzt noch, die Organisation gab der Verein aber vorletztes Jahr in die Hände der Kulturservicegesellschaft Görlitz. Sie zog letztes Jahr mit dem Tippelmarkt zurück auf den Untermarkt. Das Sommertheater dort gibt es nicht mehr, dafür herrscht aber mehr Schatten und die Atmosphäre gilt als schöner. Um allen Töpfern einen Platz zu bieten, wurde und wird auch dieses Jahr die Brüderstraße mit einbezogen. „Auf dem Untermarkt haben wir auch nicht den Verkehr um uns herum“, sagt Steffi Berndt. Sie findet den Rückzug zum Untermarkt gut, „so zwischen all den historischen Gebäuden.“ In all den Jahren habe sie sich nur ein Mal unwohl gefühlt auf dem Tippelmarkt: als vor drei oder vier Jahren ein Unwetter über den Obermarkt fegte.

Wunderschön soll Görlitz sein, hat auch Manja Götze gehört, von ihrem Mann Henry Eckhof. Gemeinsam führen sie die Werkstatt MaGo Keramik in Berlin, die vergangenes Jahr zum ersten Mal beim Tippelmarkt dabei war. Manja Götze konnte voriges Jahr nicht mitkommen, „dieses Jahr will ich mir das selber ansehen“, erzählt sie. Dabei wird sie auch einen alten Bekannten treffen: Der Töpfer und langjährige Tippelmarkt-Teilnehmer Günter Reichmann ist ihr Lehrmeister. Jedes Jahr muss sich, wer als Händler teilnehmen möchte, neu bewerben. Nach ihrer Görlitz-Premiere voriges Jahr haben Manja Götze und Henry Eckhof das getan. „Der Tippelmarkt ist etwas Besonderes“, bestätigt Henry Eckhof. „Er gilt unter Keramikern als ein guter Markt. Und die Qualität war letztes Jahr bei den Teilnehmern auch wirklich hochwertig.“ Was ihm aber besonders gefallen habe, sei das Zusammenspiel von Tradition und Moderne. MaGo Keramik zählt zu den modernen Vertretern, „ich fand es aber auch schön, wie die schlesische Töpfertradition durch das Programm beim Tippelmarkt so hochgehalten wird.“ So etwas werde auf anderen Märkten kaum mehr gemacht. Aber es sei eine Anerkennung für die Handwerker. „Der Tippelmarkt war voriges Jahr für uns erfolgreich.“

Tradition gibt es auch dieses Jahr wieder – unter anderem mit der Trachtengruppe Silesia aus Rozmierka und dem Gesang- und Tanzensemble aus Legnica. Viel Folk und Jazz werden zu hören sein, dafür sorgen zum Beispiel das Jazz-Trio Camerata, die Folkband Baranbutz und Miss Änn und der Mann an der Gitarre, sie lassen den Tippelmarkt am Sonntagnachmittag mit Oldtime-Folkmusik ausklingen.

„Wir haben außerdem den Schwerpunkt dieses Jahr noch mehr auf die Familien gelegt“, erzählt Stephanie Rikl von der Kulturservicegesellschaft. Erstmalig wird es für die Kinder einen Wasserspielplatz geben. Zum Programm gehört außerdem die Puppentheater-Aufführung vom Theater Klinger aus Görlitz. Das Stück „Auf der Wiese gehet was“ beginnt am Sonntag um 10 Uhr auf dem Untermarkt.

Tippelmarkt, 21. und 22. Juli, Untermarkt Görlitz,

Sa 10 bis 20 Uhr, So 10 bis 18.30 Uhr.

Programm unter www.tippelmarkt.de