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Auf dem Weg zum geruchlosen Schwein

Der neue Eigentümer der großen Schweine-Mastanlage in Stolpen will umbauen und sanieren. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

© Dirk Zschiedrich

Von Anja Weber

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Stolpen. In Stolpen soll die große leerstehende Schweine-Mastanlage wieder in Betrieb genommen werden. Allerdings soll es nicht mehr stinken, und zwar weder nach Ferkel noch nach Schwein. Intensiver Geruch ging einst von der Mastanlage an der Napoleonstraße aus, was in Stolpen und Umgebung auf wenig Begeisterung stieß. Der neue Eigentümer, der Niederländer Marten Tigchellar, will die Anlage umbauen und muss dafür einen Bebauungsplan vorlegen. Der Vorentwurf dazu steht. Er ist Voraussetzung dafür, dass sich auf dem Gelände überhaupt etwas drehen kann. Das Verfahren ist nicht ganz einfach. Und Stolpens Bürgermeister Uwe Steglich (FDP) rechnet damit, dass es nicht vor 2020 abgeschlossen sein wird.

Sollte es sich so hinziehen wie bei anderen Aktivitäten des Eigentümers, könnte es gar noch länger dauern. Marten Tigchellar, der bereits im mittelsächsischen Pappendorf einen Schweinemastbetrieb hat, will auch seine Anlage in Stroga bei Großenhain erweitern. Doch dort schlägt ihm seit 2015 harter Gegenwind entgegen. Die Einwohner wehren sich gegen die Erweiterung der dortigen Anlage von jetzt 1 800 Sauen auf 3 880 Mastplätze und zusätzlich 6 720 Plätze für die Ferkelaufzucht. In der Gemeinde Stroga gab es bereits eine Unterschriftensammlung, die sich gegen die Erweiterung der bestehenden Halle richtete.

In Stolpen wurden ebenfalls vor einiger Zeit Unterschriften gesammelt mit der Forderung, dass die Betreiber der Anlage etwas gegen den Gestank unternehmen. Dieser ging vorwiegend von den offenen Güllebecken aus, aber auch von den offenen Schweinställen. Nicht zuletzt hatte man in Stolpen sogar Angst, dass der Gestank Interessenten davon abhalten könnte, im neuen Wohngebiet unterhalb der Burg Stolpen ihr Haus zu bauen. Ausgelegt und auch zugelassen ist der Stall für 4 400 Schweine. Zuletzt waren an die 3 500 untergebracht. Bis diese hier vielleicht wieder einmal gemästet werden, soll zuvor eine Ferkelzucht einziehen. Denn die Anlage hat nach wie vor eine Betriebserlaubnis. Deshalb darf auch das Güllebecken laut Stadtverwaltung erst einmal offen bleiben. Um großflächig sanieren zu können, braucht Marten Tigchellar dann aber einen Bebauungsplan. Tigchellar, der in Mittelsachsen auch als „Schweinebaron“ bezeichnet wird, will jedenfalls die vier Hektar umfassende Anlage modernisieren. Die Ställe sollen innen und außen saniert, das heißt auch optisch schöner werden. Modernisieren heißt für den neuen Eigentümer auch, dass er eine umweltverträgliche Abluftanlage einbauen wird. Diese muss dann auch die per Gesetz geltenden Werte einhalten. Dass er es durchaus ernst meint, zeigt auch seine Reaktion in Großenhain.

Er hatte nach den Protesten dort den Einwohnern eine Alternative angeboten und sogar nach einen Ausweichstandort für einen Neubau suchen lassen. Der Kompromissvorschlag liegt aber auf Eis.

Der junge Mann ist in der Branche kein unbekannter. Schon seit 2008 ist er in Deutschland aktiv und kaufte mit seinem Bruder zuerst die Anlage in Pappendorf, von der Stolpen als Betriebsteil geführt wird. Hier will man sich das Heft nicht aus der Hand nehmen lassen. Mit der Aufstellung des Bebauungsplanes habe die Stadt auch das weitere Verfahren in der Hand und könne für die Zukunft so ein Wort mitreden, sagt der Bürgermeister.

In der Vergangenheit klagten die Anwohner immer wieder über den Gestank, vor allem aus den offenen Güllebecken, aber auch über Fliegenschwärme, die sich in der Umgebung immer wieder niedergelassen haben. Außerdem gab es Beschwerden über unzureichende Kontrollen. Mit dem jetzt laufenden Verfahren will die Stadt Stolpen ihren Einfluss auf den Standort sichern, um künftig Einsprüche oder Veränderungsvorschläge geltend machen zu können.