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Auf den Spuren des Wolfs

Fährtenlesen, Zecken entfernen, Kot konservieren: Wolfsexperte Stephan Kaasches Erlebnistour mit Kita-Knirpsen hat es in sich. Die SZ war dabei.

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© Eric Weser

Von Eric Weser

Wülknitz. Offensichtlich steckt noch einiges in Bobby drin, das wölfisch ist. Als ein Reh auf dem nahen Feld vorbeihüpft, muss Stephan Kaasche seinen Hund mit lauten Kommandos davon abhalten, hinterherzujagen. „Platz!“, gebietet der 40-Jährige mehrmals, während Bobby dem Reh hinterherschaut. Rundherum starren gebannte Kinder auf das, was da gerade passiert.

Es ist Freitagvormittag, sonnig und trocken. Ideales Wetter für den Ausflug der Streumener Kita-Knirpse in die Natur. Beim Waldspaziergang nahe Peritz mit dem Wolfsexperten Stephan Kaasche sollen die Vorschüler etwas über den Wolf erfahren. Jenes wilde Tier, das in der Gegend wieder heimisch werden könnte – und um das sich so viele Mythen ranken. – Wolfskenner Kaasche verzichtet auf Schauergeschichten. Informieren mit Erlebnischarakter ist sein Credo. Den Kindern zeigt er am Waldrand Erdkuhlen am Fuß umgekippter Bäume. „Hier könnten Wölfe schlafen, was sie auch jetzt um die Zeit machen. Sie sind ja in der Nacht unterwegs.“ Zur Demonstration macht sich Bobby in dem Loch lang.

Bobby dient als Wolfsersatz

Der Rüde dient Stephan Kaasche bei seinen Erklärungen als Wolfsersatz: beim Reviermarkieren, beim Pfotenabdruck, beim Beißkraft-Test. Auch das grüne Funk-Halsband, mit dem Forscher Wölfe orten, lässt sich Bobby bereitwillig umlegen. Sogar, dass sich Parasiten gerne mal Wölfe als Wirte suchen, kann sein Besitzer an diesem Vormittag an Bobby vorführen. Denn der hat sich an der Schulter eine Zecke eingefangen. „Ooar!“, staunen die Kinder, als Stephan Kaasche das erbsengroße Tier mit den winzigen zappelnden Beinchen entfernt hat und es ihnen vor die Nase hält. Der gutmütige Bobby ist spätestens jetzt zum Liebling der Knirpse avanciert.

Gut anderthalb Stunden stapfen Stefan Kaasche, Bobby und die Kinder durch den Wald. Immer wieder legt der 40-Jährige Naturführer Pausen ein. Zaubert aus seinem Rucksack einen Beutel mit Wolfskot hervor und erklärt, dass die Tiere Wildschwein-Junge mit Haut und Haar fressen – und sich deshalb auch Knochen in den Fäkalien finden. Ein andermal erklärt Kaasche, dass die dunkelgrünen Fotofallen an Lichtungen aufgehangen werden, weil die Tiere meist genau dorthin koten.

Funken im Wald

Doch es geht bei dem Streifzug nicht nur um Isegrim. An einem Heckenzweig deutet Kaasche auf einen gelblichen Überzug. „Die Flechte hier gibt es nur, wo die Luft gut ist. In der Stadt würde die nicht lange überleben.“ Kurz zuvor hat er im schlammigen Feldrand gekniet und Rehspuren gezeigt. Später wird er erklären, dass Jäger von ihrem Hochsitz aus manche Rehe erlegen müssen, damit die nicht die ganzen frisch gepflanzten Kiefern abnagen. – Fast alle 15 Kinder hängen an den Lippen des 40-Jährigen, der bei den Kindern merklich gut ankommt. „Herr Kaasche, ich hab’ nen Stein gefunden!“ – „Und ich ’ne Spur!“, wetteifern Edward und Emily um die Aufmerksamkeit des Naturführers. Der erklärt, dass es sich um einen Feuerstein handelt und zeigt, wie man damit Funken erzeugt. „Wenn alles hier trocken wär’, würde ich das aber nicht machen!“

Die Streumener Kita-Leiterin Ines Buhler, die auch die Wanderschuhe angeschnürt hat, zeigt sich begeistert, wie lange Kaasche ihre Steppkes bei Laune hält. Der Naturführer registriert mit Augenzwinkern, dass sich hier und da ein paar Knirpse absetzen und den Wald selbst erkunden und nicht bei jedem Wort hinhören. „Die Kinder machen ihr eigenes Erlebnis draus, das ist doch klar“, sagt Kaasche, der als Referent des Kontaktbüros Wolfsregion Lausitz regelmäßig solche Touren macht.

Am Ende der Tour dürfen alle Kinder noch ein echtes Wolfsfell aus amtlichem Bestand angucken und durch einen Wolfsschädel am eigenen Arm spüren, wie kräftig der Kiefer des Tiers ist, ehe es wieder zurück in die Kita geht. Angst vorm Wolf? Hat von den Streumener Kita-Kids keins mehr. Sollte ihnen gegen alle Wahrscheinlichkeit doch mal ein Isegrim begegnen? Dann wissen die Kinder, dass sie nicht weglaufen, sondern ihn einschüchtern sollen. Dann verzieht er sich meist von ganz allein.