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Auf eigene Gefahr

Das Bootsunglück vor zwei Wochen hat gezeigt, wie wichtig Sicherheit am Berzdorfer See ist. Wo Rettung naht.

© Jens Trenkler

Von Susanne Sodan und Sebastian Beutler

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Kommentar: Die Wege für Hilfe sind noch zu lang

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Susanne Sodan über die geplanten Rettungsstationen

Görlitz. Fast 19 Grad Celsius zeigt die Tafel mit der Wassertemperatur an der Blauen Lagune an. Da traut sich bestimmt schon mancher rein in den Berzdorfer See. Damit beginnt auch wieder die Hochsaison für die Rettungsschwimmer der DLRG Görlitz, die an der Lagune auf die Sicherheit der Badegäste achten. Wie wichtig ein gutes Sicherheitsnetz ist, haben vor zwei Wochen einige Segler erfahren. Zwei Boote waren verunglückt, eines lief am Ufer auf, das zweite kenterte, die vier Passagiere gingen unfreiwillig schwimmen. Das Rettungsboot von Stadtrat Wolfgang Freudenberg kam vom Hafen aus zu Hilfe.

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Wer hilft Badegästen und Seglern?

Blaue Lagune: Rettungsschimmer sind bis September vor Ort

Die DLRG hat zwei Aufgaben, die eine ist die Aufsicht am Badestrand der Blauen Lagune. Die Gemeinde-Schönau-Berzdorf hat für die Sommermonate wieder einen Vertrag mit der DLRG geschlossen. Ab dem heutigen Sonnabend sind die Rettungsschwimmer an den Wochenenden vor Ort, in den Ferien dann täglich. „Unsere Aufsicht beschränkt sich ausschließlich auf den Badebereich der Lagune“, erklärt Robert Pötschke, stellvertretender Vorsitzender der DLRG Görlitz.

Tauchritz: Altes Feuerwehrgerätehaus ist jetzt langfristig DLRG-Quartier

Die zweite Aufgabe: Die DLRG Görlitz ist mit einer Wasserrettungsgruppe im Katastrophenschutz Sachsen vertreten. Die Arbeitsmittel dafür, unter anderem die Rettungsboote, sind in Tauchritz stationiert, im ehemaligen Feuerwehrgerätehaus. Das war jetzt auch im Stadtrat Thema. Bisher hatten DLRG und Stadt einen Nutzungsvertrag, der von beiden Seiten kurzfristig gekündigt werden konnte. Im jüngsten Stadtrat wurde nun ein langfristiger Mietvertrag für zehn Jahren beschlossen. „Das hilft uns einfach für unsere Planungssicherheit“, sagt Norbert Woite, Vorsitzender der DLRG Görlitz. Der Verein wird 150 Euro Miete pro Monat zahlen für die Räumlichkeiten. Das ist deutlich weniger als der von einem Hochbau-Unternehmen vorab kalkulierte Mietzins von über 1500 Euro im Monat. Das Maximum der DLRG Görlitz hängt aber an einer Pauschale zur Unterbringung von Katastrophenschutztechnik, die der Verein als Bundeszuschuss erhält, 1800 Euro pro Jahr. Im Gegenzug für die geringe Miete wird die DLRG nötige Modernisierungen selber übernehmen, womöglich mithilfe von Leader-Förderung, für die man sich mit dem langfristigen Mietvertrag bewerben könnte.

Nordost-Strand, Hundestrand und Halbinsel: Baden auf eigene Gefahr

An den anderen See-Ufern ist die DLRG nicht zuständig, teilt Katharina Poplawski mit, Seebeauftragte der Europastadt Görlitz/Zgorzelec. „Das Baden an den Görlitzer Badestellen erfolgt auf eigene Gefahr.“ So steht es unter anderem in den vom Stadtrat beschlossenen Bade- und Benutzungsregeln. „Der Görlitzer Nordost-Strand, der Hundestrand und der an der Halbinsel gelten insofern als Badestelle, als dass keine Badeaufsicht vorgeschrieben ist“, erklärt Katharina Poplawski. Der erste Ansprechpartner bei einem Unfall am oder im See ist der Notruf 112. Die Görlitzer Berufswehr hat ein Rettungsboot. Auf Nachfrage im Stadtrat sagte Bürgermeister Michael Wieler, dass eigentlich noch ein zweites benötigt wird, um die Voraussetzungen der Berufswehr zu verbessern. Ein zweites Rettungsboot sei im Investitionsplan 2019 eingeschrieben. Auch die Kiesdorfer Wehr hat ein Rettungsboot. Bei einem Einsatz schätzen die Rettungskräfte vor Ort ein, ob und welche Unterstützung sie brauchen. Je nach Situation ist es auch möglich, die DLRG mit hinzuzuziehen. Für die Sicherheit am See sind auch zwei Rettungsstationen im Gespräch. Die wollte die Stadt über Bergbaufolge-Gelder errichten: eine am Nordstrand, eine in Hagenwerder. Im vergangenen Jahr war eine erste Ausschreibung seitens der LMBV bereits wieder kassiert worden, weil die Angebote weit über den Kostenschätzungen lagen. Nach der zweiten Ausschreibung liegen jetzt die Ergebnisse vor. Nach Angaben eines Sprechers der LMBV vor dem Planungsverband vergangene Woche müssen sie nun bewertet werden, „mit allen Konsequenzen“. Was das bedeutet, ließ der Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege anklingen. Zwar will die Stadt, wie sie gegenüber der SZ erklärte, noch nicht vom Bau der beiden Rettungsstationen abrücken. Doch Deinege machte deutlich, wenn die Angebote zu hoch liegen, dann könnte auch zunächst eine, und zwar die am Nordstrand, errichtet werden.

Hafen und Segelstützpunkt: Wer die Segler retten kann

Die 112 gilt auch für die Segler als wichtigste Nummer im Notfall. Der Hafen Tauchritz und der Segelstützpunkt an der Blauen Lagune haben auch selber Rettungsboote. Im Hafen liegt das von Wolfgang Freudenberg, das sich wegen seiner Leistung am besten macht, wenn ein anderes Boot abgeschleppt werden muss. Vor zwei Jahren haben auch die Segler von der Blauen Lagune ein Rettungsmotorboot angeschafft. Und vor bereits sechs Jahren hatte Manfred Dahms von den Lausitzer Wassersportfreunden eine Liste mit Sicherheitsregeln für das Segeln für die Nutzer des Segelstützpunktes erstellt. „Die haben sich auch bewährt“, sagt Dahms. Beim Tauchritzer Hafen gibt es solch eine Handreichung nicht. Den Hafenbetrieb hat kürzlich der Großvermieter Kommwohnen übernommen. Medienreferentin Jenny Thümmler erklärt: Die Kommwohnen ist zwar Betreiber, die Seesicherheit sei aber eine kommunale Frage – die auch im jüngsten Stadtrat Thema war. „OB Deinege wies im Zusammenhang mit dem Kenterunfall vor ein paar Wochen zurecht darauf hin, dass für das Führen von Booten jeder Art ein Bootsführerschein notwendig ist“, so Jenny Thümmler. „In der Ausbildung für diesen Schein lernen Bootsführer das Verhalten bei jedem Wetter und bei Notfällen.“ Es stimmt schon, jeder muss sich selber informieren über die Regeln, wenn er ein Gewässer befahren will, sagt Matthias Fiebig vom SV Schönau-Berzdorf. „Nur, es ist sinnvoll, diese Regeln leicht zugänglich zu machen.“

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