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Auf ins Sorbenland!

Die Pferde von Andreas Walther nehmen jedes Jahr am Osterreiten teil. Doch vorher müssen sie vorbereitet werden.

© Kristin Richter

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Cunnersdorf. Wenn es sein muss, schläft Andreas Walther auch mal im Stall. Das hat er schon gemacht in Piskowitz im Sorbenland, als Stallwache vorm Osterreiten. Seit vielen Jahren schon gibt der 53-jährige Cunnersdorfer seine Pferde zu diesem großen Fest – er hat das übernommen von anderen Pferdebesitzern der Region wie dem verstorbenen Rolf Reichelt aus Dallwitz.

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Nun werden die Stuten Hanni und Nanni und Wallach King Brown für den Ostersonntag trainiert. „Seit acht Wochen reiten wir sie jeden Abend ein, damit sie nach dem Winter wieder in Bewegung kommen“, so Walther und seine Freundin. Die Tiere müssen sich auch an andere Menschen oder Fahrzeuge gewöhnen und sich dabei ruhig verhalten. Auch das versucht Andreas Walther, ihnen beizubringen. Am Ostersonntag werden sie Teil der großen Prozession von Nebenschütz sein, die mit 70 bis 80 Pferdepaaren von Piskowitz über Nebelschütz nach Ostro und zurück führt. Am Gründonnerstag hat Andreas Walther seine Pferde hingeschafft. Am Sonntag fahren er und Annette Kuhring erneut zur Familie Walde, wo die Tiere geschmückt werden. Dann sind die Cunnersdorfer zum Zuschauen, zum Kaffee und Abendbrot eingeladen. Für die katholischen Sorben ist das Osterreiten ein großes religiöses Fest. Und ein touristisches Ereignis ist es auch. Viele Besucher kommen von nah und fern, um die Prozessionen mit Gesang zu erleben. „Es ist toll, ich bin immer wieder begeistert“, sagt Andreas Walther. Von Mittag bis Abend müssen seine Pferde mitmachen, bei jedem Wetter. Diesmal ist leider wieder Schnee angesagt.

Trotzdem werden Hanni, Nanni und King Brown mit Blumen und Schleifen geschmückt und tragen Reiter in Frack und Zylinder. „Hengste und tragende Stuten dürfen allerdings nicht eingesetzt werden“, sagt der Cunnersdorfer. Er nimmt den Aufwand der Vorbereitung und des Rücktransports auf sich – nicht nur, weil es dafür eine Aufwandsentschädigung gibt. „Es muss auch mit den Leuten passen, die die Pferde reiten“, unterstreicht Walther.

15 bzw. 17 Jahre sind seine Tiere alt. Bei diesen Temperaturen muss er besonders aufpassen, dass sie sich nicht erkälten. Wenn sie schwitzen, muss Walther sie abdecken. Vorm Sonntag dürfen sie nicht schlapp machen. Und natürlich zum Osterreiten selbst soll auch nichts passieren. „Wenn doch, so gibt es einen Kirchenfonds. Mit dem werden Pferde gegebenenfalls ihren Besitzern ersetzt.“

Am Gründonnerstag haben Walther und Kuhring übrigens noch Leinsamen gesät, um später Flachs zu ernten für Schmuckkränze. Die Tradition stammt aus dem ebenfalls sorbischen Spreewald.