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Aufatmen nach dem Abriss-Stopp

Das Hotel am Terrassenufer darf stehen bleiben. Nun geht die Debatte um das Areal in eine neue Runde.

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© André Wirsig

Von Tobias Winzer

Am Tag nach dem alles entscheidenden Gerichtsurteil ist es ruhig im Hotel am Terrassenufer. Wie immer im Januar und Februar sind gerade nur ein Viertel der fast 200 Zimmer belegt. Deshalb hat Direktor Dino Filpi auch Zeit für einen Blick aus dem Fenster in der zwölften Etage. „So einen Blick gibt es nur bei uns“, sagt der 56-Jährige, der das Haus seit 21 Jahren leitet. Zusammen mit den beiden Eigentümern, Ernst und Max Trapp, hat er den 40 Mitarbeitern gestern Mittag die frohe Botschaft vom Gerichtsurteil übermittelt. „Sie waren einfach nur erleichtert – genauso wie wir“, sagt der gebürtige Sizilianer, der in Deutschland aufgewachsen ist. Groß gefeiert habe man den juristischen Sieg aber nicht. „Wir haben ganz normal unsere Arbeit weitergemacht“, sagt Filpi.

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Dabei hat das Gericht am Dienstag einen jahrelangen Streit beendet. Im Kern ging es um einen Vertrag, den die Eigentümer 1993 mit der Stadt geschlossen hatten. Nach Ansicht des Rathauses sollte daraus hervorgehen, dass die Trapps das Hochhaus abreißen müssen. Weil sich die Unternehmer jedoch weigerten, verklagte die Stadt sie vor etwas mehr als zwei Jahren. Damit wollte sie den Abriss auf rechtlichem Weg durchsetzen und Platz machen für ein Kulturhaus und die Verlängerung der Steinstraße – ohne das Geld dafür eingeplant zu haben. Der Vertrag sei viel zu schwammig formuliert, um daraus irgendetwas Konkretes abzuleiten, so das Credo des Gerichts. Es wies die Klage ab.

Im Unterschied zu anderen Beispielen der DDR-Architektur, wie dem sogenannten Fresswürfel am Zwinger, dem Linde-Haus an der Wilsdruffer Straße oder dem Anbau am Polizeipräsidium, bleibt das Hotel am Terrassenufer voraussichtlich also noch mehrere Jahrzehnte stehen. Die Dresdner scheinen deswegen nicht traurig zu sein. Bei der Online-Abstimmung der Sächsischen Zeitung sprachen sich bis gestern Abend 55 Prozent der mehr als 1.600 Teilnehmer für den Erhalt des Zwölfgeschossers aus, 38 Prozent wollten ihn lieber abgerissen sehen. Auch auf der Internetplattform Facebook sind die Freunde des Plattenbaus in der Mehrzahl.

Auf der politischen Ebene mehren sich nun die Forderungen nach einer neuen Lösung für das Areal. Die FDP, die vor vier Jahren noch zu den schärfsten Gegnern des Hochhauses gehörte und die Rathausklage forcierte, scheint sich mit den neuen Tatsachen abgefunden zu haben. „Die Stadt sollte nun einen endgültigen Schlussstrich ziehen, auf eine Berufung verzichten und jetzt mit dem Inhaber fair und auf Augenhöhe über eine Umgestaltung und Aufwertung sprechen“, sagte Stadtrat Matteo Böhme. „Das könnte auch eine Chance für anspruchsvolle, hochwertige, moderne Architektur in Dresden sein. Denn so wie jetzt kann es nicht bleiben.“

CDU und SPD wollen, genauso wie die Stadtverwaltung, zunächst die schriftliche Urteilsbegründung abwarten. Wenn der Abriss aber juristisch nicht durchsetzbar sei, müsse man das Gespräch mit dem Eigentümer suchen, sagte SPD-Stadtrat Axel Bergmann. Der Fraktionschef der Grünen, Thomas Löser, sieht die Trapps in der Pflicht. „Sie haben über Jahre von der guten Lage profitiert, obwohl sie wussten, dass das Haus abgerissen werden soll.“ Die Privilegien des Investors und die Fehler der Vertragsgestaltung aus den frühen 90er-Jahren dürften nicht zementiert werden.

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Die geforderte Einigung der Stadt mit den Eigentümern scheint möglich zu sein. Max Trapp hatte bereits 2011 eigene Ideen für den Umbau seines Hauses vorgestellt. Unter anderem plante er einen Anbau und wollte die Fassade mit einer speziellen Farbtechnik dreidimensional wirken lassen. Für Hoteldirektor Filpi ist es noch zu früh, um über solche konkreten Vorschläge zu sprechen. „Jetzt müssen wir erst einmal alles sacken lassen.“ Einen Zeitplan, wann die Arbeiten starten, gibt es nicht.

Soll das Hotel am Terrassenufer bleiben oder abgerissen werden? Online-Voting: www.sz-link.de/abstimmung