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Aufschwung für die Tischler

Vom Boom in der Baubranche profitieren die Handwerker. Doch der Freitaler Uwe Hiergesell geht einen anderen Weg.

© René Meinig

Von Annechristin Bonß

Freital. Dieses Möbelstück konnte das Rentnerpaar in keinem Einrichtungshaus finden. Ein CD-Regal sollte es sein. Eins, was zur Einrichtung im Wohnzimmer passt. Das genauso aussieht wie die liebgewonnene DDR-Schrankwand. Mit einem Zettel in der Hand standen die beiden in der Werkstatt der Freitaler Tischlers Uwe Hiergesell, der seine Werkstatt in Coschütz hat. Zusammen haben sie über die Wünsche gesprochen. Das CD-Regal steht nun schon lange neben der DDR-Schrankwand. „Die Freude der Kunden ist der größte Lohn“, sagt er.

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Die Branche, in der Uwe Hiergesell arbeitet, boomt. Überall entstehen neue Häuser und Wohnungen. Fenster, Türen, Treppen, Dachbalken und Fußböden aus Holz sind gefragt. Davon profitieren die Handwerker. Die Zahl der Betriebe steigt. „Die Lage im Tischlerhandwerk ist generell gut“, sagt Carolin Schneider, Sprecherin der Handwerkskammer. Das liege auch an der starken Baubranche. Für diese Großaufträge ist Uwe Hiergesells Betrieb zu klein. Schlimm sei das nicht, sagt Jan Eckold, Geschäftsführer der Landesinnung Tischler. „Neben den Aufträgen der öffentlichen Hand gibt es derzeit genug Arbeit für die Tischler, mehr als genug.“

Uwe Hiergesell und seine zwei Mitarbeiter kümmern sich hauptsächlich um Privatkunden. Die kommen aus ganz Dresden zu dem Betrieb im Wohngebiet an der Saarstraße 19. Nicht nur mit Aufträgen für neue Möbel. Hier wird auch repariert. Je mehr die Menschen an alten Dingen hängen, desto eher seien sie bereit, damit zum Tischler zu kommen, sagt Uwe Hiergesell. „Viele fragen gar nicht nach dem Preis.“

Schon vor der Wende hat der heute 54-jährige als Tischler gearbeitet. 2006 übernahm er dann die Werkstatt in Coschütz. Schon über 100 Jahre lang hat es an der Stelle eine Werkstatt gegeben. Das friedliche Miteinander im Wohngebiet hat stets funktioniert. „Wenn wir mal zu laut sind, geben die Nachbarn Bescheid“, sagt Uwe Hiergesell.

So viel Offenheit wünscht er sich auch von potenziellen Kunden. Ihn ärgert, dass die zuerst in die Möbelhäuser gehen. Die Preise für hochwertige Möbel seien im Einrichtungshaus mitunter höher als Individuelles aus der Tischlerei. Und diese Produkte halten kaum länger. So musste der Tischler schon Fertig-Möbel nach zwei Jahren reparieren. Einmal habe sich eine Kundin über ihre neue Schrankwand beschwert. Die CDs passten nicht in die Schieber. „Individuell angefertigt wäre das nicht passiert“, sagt er. „Doch viele wissen nicht, was wir Tischler alles können.“

Dieser Einschätzung schließt sich Jan Eckold an. Die Innung vertritt rund ein Drittel der sächsischen Tischler. Um sich langfristig zu etablieren, müssen sich die Handwerker spezialisieren, sagt er. Und sie müssen höhere Preise verlangen, einen Stundensatz von 40 Euro ohne Mehrwertsteuer. Derzeit kalkulieren die Tischler mit 25 bis 30 Euro pro Stunde. „Und wir müssen mehr werben“, sagt er.

Auch Uwe Hiergesell setzt auf Werbung. Derzeit arbeitet er an seiner Homepage. Außerdem will er seine Werkstatt interessierten Besuchern zeigen. Für einen Tag der offenen Tür arbeitet er mit der benachbarten Bäckerei und einer Fotografin aus dem Stadtteil zusammen. „Die Leute wollen wieder mit uns ins Gespräch kommen“, sagt er. „Das Vertrauen ist wichtig.“