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Aus für das Schönes-Wochenende-Ticket

Im kommenden Juni wird der Verkauf eingestellt. Laut Bahn fehlt es an einer ausreichenden Nachfrage.

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© dpa/Sebastian Gollnow

Von Wolfgang Mulke

Die Deutsche Bahn schafft das Schönes-Wochenende-Ticket (SWT) ab. DB Regio nehmen das Angebot „mangels Nachfrage und zur Vereinfachung der Tarifstruktur zum Juni 2019 vom Markt“, bestätigt eine Sprecherin eine Medienbericht. Als Alternative bleibt den Fahrgästen im Nahverkehr allerdings ein ähnliches Angebot erhalten: das „Quer-durchs-Land-Ticket“ (QDL). „Die Entscheidung basiert auf einer erkennbar dauerhaften Entwicklung“, sagt die Sprecherin.

In den vergangenen Jahren haben laut Bahn immer weniger Kunden ein SWT gekauft. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach den Quer-durchs-Land-Tickets noch oben gegangen. Dieses Angebot profitiert davon, dass es seit einigen Jahren an allen Wochentagen genutzt werden kann. Bis 2014 galt es nur an den Wochentagen.

Für viele wird es teurer

Konkret ändert sich für die Kunden vergleichsweise wenig. Für viele wird die Reise jedoch teurer, denn die Weiterfahrt am Zielort mit öffentlichen Verkehrsmitteln der regionalen Verkehrsverbünde ist beim QDL nicht im Preis enthalten. Bisher galten die Schönes-Wochenende-Tickets bei 19 der 61 Verkehrsverbünde auch für die Stadtfahrten. Das ist wohl auch der Hauptgrund dafür, dass sie abgeschafft werden. Denn für diesen Service erhalten die Verkehrsverbünde einen Teil der Einnahmen. Dies wirke sich „negativ auf die Erlösentwicklung und damit auf die nachhaltige Finanzierbarkeit des SWT aus“, erläutert die Sprecherin.

Dennoch können die Kunden noch fast das gesamte Jahr 2019 mit dem Schöne-Wochenende-Ticket Ausflüge unternehmen. Bis zum 8. Juni des kommenden Jahres werden sie noch verkauft. Da die Fahrscheine bis zu einem halben Jahr im Voraus gebucht werden können, gelten auf den letzten Drücker gekaufte Billets noch bis in den Dezember hinein. „Insofern verlieren bereits im Vorverkauf erworbene Tickets ihre Gültigkeit nicht“, bestätigt die Bahn. Danach ist endgültig Schluss mit dem 1995 eingeführten Angebot. Zum Start konnten bis zu fünf Passagiere für gerade einmal 7,50 Euro zwei Tage lang alle Nahverkehrszüge in Deutschland nutzen. Nach und nach stieg der Preis dann deutlich an. Aktuell kostet es 44 Euro für einen Reisenden, plus je sechs Euro für bis zu vier Mitfahrer. Außerdem gilt es nur noch einen Tag am Wochenende. Das QDL ist für den ersten Fahrgast genauso teuer. Für die weiteren werden allerdings zwei Euro mehr fällig.

Bahn unter Druck

Die Deutsche Bahn kommt auch ansonsten derzeit nicht zur Ruhe. Die Bundesregierung hat den Druck auf den Konzern in den vergangenen Tagen erhöht. Bis Mitte Januar fordert der Schienenverkehrsbeauftragte Enek Ferlemann vom Vorstand Vorschläge, wie die aktuelle Krise bewältigt werden kann. „Die Bahn produziert ihre Verkehrsleistung zu teuer“, stellt er fest. Deshalb könne das Unternehmen die notwendigen Milliardeninvestitionen nicht aus eigener Kraft stemmen.

Ferlemann sieht drei Finanzierungsmöglichkeiten. Der Konzern kann sich demnach weiter verschulden, was allerdings an der vom Parlament verordneten Schuldenobergrenze scheitern dürfte. Denkbar ist auch ein Verkauf von Anteilen an der britischen Tochter Arriva. Schließlich wäre auch eine Kapitalerhöhung durch den Bund denkbar. Eine Mitschuld am schlechten Zustand des Netzes weist der Politiker von sich. Zu knauserig sei der Bund nicht. Allein für die Instandhaltung habe der Steuerzahler in den vergangenen fünf Jahren 28 Milliarden Euro aufgebracht.

Kommentar: Aufräumen tut Not