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Aus ganz besonderem Holz

Orgelbauer Stephan Märker kehrt in die Heimat zurück. Hier will er eine Tischlerei übernehmen.

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© Frank Baldauf

Von Franz Herz

Osterzgebirge. Stephan Märker aus Hennersdorf hat sich in der Welt umgesehen und macht sich jetzt in seiner Heimat sesshaft. Als Orgelbauer hat er nach seiner Lehre beim Bundeswettbewerb den zweiten Platz geholt. Gelernt hat er in Hardheim in Baden-Württemberg, eine Zeit lang hat er noch in Österreich und Norwegen gearbeitet. Aber jetzt sitzt er im Büro der Tischlerei Aulhorn in Schmiedeberg – und hier will er auf Dauer bleiben.

Im September fängt er an, hier zu arbeiten, erst als Werkstattleiter. Auf Dauer haben sowohl der jetzige Inhaber Peter Aulhorn als auch Stephan Märker das Ziel, dass der 31-Jährige die Tischlerei als Inhaber übernimmt. Peter Aulhorn wird im Oktober 56 Jahre alt. Der Kontakt zwischen ihnen hat sich im Frühjahr 2016 ergeben.

Stephan Märker hat nach seiner Lehre vorwiegend Spieltische für Orgeln gebaut und auch selbst am Computer konstruiert. „Das waren so kleine, filigrane Sachen“, erzählt er. Ganz begeistert erzählt er von der neuen Orgel im Regensburger Dom, die er 2009 als Mitarbeiter der Firma Rieger aus Vorarlberg mitgebaut hat. Das Instrument ist an vier Seilen aufgehängt, die von der Decke herabführen.

Auch wenn er damals beruflich viel unterwegs war, hat er 2009 begonnen, in Hennersdorf zu bauen. Die alte Bäckerei des Dorfes, in der seine Großeltern gewohnt haben und wo er aufgewachsen ist, gestaltet er Schritt für Schritt nach seinen Vorstellungen und für seinen Beruf um. Damals begann er mit dem Ausbau einer Wohnung für seine Familie. Platz braucht er auch für andere Dinge. Seit etlichen Jahren schlägt er spezielle Hölzer selbst ein, schneidet sie und trocknet sie als Rohmaterial, beispielsweise für Orgelpfeifen. Kirsche, Birne oder ein wenig Pflaume hat er schon in seinem Vorrat.

Zeitweise hat Märker dann noch einmal bei seinem Ausbildungsbetrieb in Baden-Württemberg als Werkstatt- und Montageleiter gearbeitet, ehe er 2013 wieder näher in die Heimat kam. Damals hat er beim Orgelbauer Jehmlich in Dresden angefangen und parallel seine Ausbildung zum Tischlermeister begonnen. Diese Ausbildung besteht aus vier Teilen, die Fachpraxis und Fachtheorie hat er neben der Arbeit in Wochenendkursen absolviert. Die Ausbilderprüfung und den betriebswirtschaftlichen Teil hatte er schon vorher abgeschlossen. Im vergangenen Jahr hat er sein Meisterstück gebaut, drei Schlafzimmermöbel, weiß geölt. Seitdem ist er auch Tischlermeister. Die beiden Berufe sind eng verwandt. Eine Fortbildung zum Orgelbaumeister wäre Märker aber zu speziell geworden.

Schon als Märker seine Meisterkurse begann, war sein Ziel, sich selbstständig zu machen.

Es gab die Idee, alleine anzufangen. Schließlich hat er über seine Frau, die im Steuerbüro Wagner arbeitet, erfahren, dass die Firma Aulhorn im benachbarten Schmiedeberg einen Nachfolger sucht. Er hat sich bei Peter Aulhorn gemeldet. „Wir haben uns dann getroffen, unsere Vorstellungen ausgetauscht und das hat gepasst“, erzählt Märker. Auch Peter Aulhorn war von der Begegnung angetan. Sie wollen nun in einem Zeitraum von acht bis zehn Jahren den Übergang gestalten. Märker soll schrittweise hineinwachsen. Jetzt liegt der Schwerpunkt des Betriebs auf dem Innenausbau und Trockenbau. Märker will einen neuen Akzent mit dem Orgelbau setzen. Dafür stellt Aulhorn im Oktober einen weiteren gelernten Orgelbauer neu ein. Auch die Herstellung von Massivholzmöbeln will er verstärken. Die Entwicklung geht dahin, komplette Inneneinrichtungen von Zimmern zu gestalten und zu verkaufen. Die Entwürfe gestaltet Märker dreidimensional am Computer. „Da können sie vorher schon einmal durch das Zimmer gehen, so wie es später aussehen wird“, erzählt er. Um diese Pläne umzusetzen, will die Tischlerei anbauen. Dem Bauantrag hat der Technische Ausschuss in Dippoldiswalde auf seiner Augustsitzung zugestimmt.

Märker schätzt auch sehr, dass er jetzt regelmäßig abends zu Hause ist bei seiner Frau, dem vierjährigen Kind und dem Baby, das die Familie diesen Herbst erwartet. „Ich war ja zehn Jahre lang ganz weg“, sagt der Tischler. Wenn er den Kopf frei bekommen will, setzt er sich aufs Rennrad. Das braucht er, um Ideen zu bekommen. Dabei nimmt er sich anspruchsvolle Strecken vor. „Ein, zwei Hobbyrennen im Jahr mache ich mit und bin auch schon die Fichkona gefahren“. Das ist ein Radmarathon über 600 Kilometer vom Fichtelberg bis an die Küste nach Kap Arkona.