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Ausschluss aus „geschütztem Raum“

Die Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen ist bei einem Workshop im Hygiene-Museum unerwünscht - wohl wegen ihrer politischen Einstellung.

© Norbert Millauer

Von Michael Kunze

Zuhören wollte sie – durfte aber nicht: die Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen. Am letzten Tag der seit Montag unter anderem von der Bundeszentrale für politische Bildung im Hygiene-Museum in Dresden ausgerichteten Tagung „Die neue Mitte? Rechte Ideologien und Bewegungen in Europa“ wurde ihr am Mittwoch Mittag der Zutritt zu einem Workshop verwehrt. Dieser widmete sich dem Thema „Echokammern und Filterblasen: Rechte Vernetzung über Social Media“.

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Die Leiterin des Workshops ist für die bis in bürgerliche Kreise umstrittene Amadeu-Antonio-Stiftung tätig, die sich gegen Rechtsextremismus engagiert. Stiftungsgründerin Anette Kahane steht seit Jahren in der Kritik, da sie für das DDR-Ministerium für Staatssicherheit gearbeitet hat. Von Teilnehmern und der Workshopleitung war Dagens Ausschluss gefordert worden, wie der Pressesprecher des Hygienemuseums, Christoph Wingender, für die Organisatoren der Tagung bestätigte.

Dagen zeigte im Nachgang kein Verständnis für das Vorgehen: „Ich hatte mich wie jeder andere vorab angemeldet und in eine Liste eingetragen“, sagte sie der Sächsischen Zeitung. Mit dem Verweis darauf, dass sie mit der Ehefrau des rechten Verlegers Götz Kubitschek, Ellen Kositza, befreundet sei und mit dieser zusammen auf Youtube die Literatursendung „Mit Rechten lesen“ ausrichte, wurde ihr der Eintritt in den Tagungsraum verwehrt. Andere Teilnehmer hätten sich von ihr gestört und eingeschüchtert gefühlt, hieß es übereinstimmend von Dagen und den Organisatoren. Dabei sei sie weder AfD-Mitglied noch werde sie vom Verfassungsschutz beobachtet, so die Buchhändlerin.

Man habe den Wunsch aus dem Workshop respektiert, in einem „geschützten Raum“ diskutieren zu wollen, sagte Museumssprecher Wingender. „Wir haben aber keinen Grund gesehen, wie schon zu Beginn der Tagung von Anwesenden gefordert, Frau Dagen von der gesamten Veranstaltung auszuschließen“, betonte er. An einem anderen Workshop konnte sie teilnehmen. Zugleich verwies er auf eine im Programm der Tagung abgedruckte Klausel, die es ermöglicht, Personen auszuschließen, „die einer Szene mit ... rechtsextremen Anschauungen zuzuordnen sind“.

Susanne Dagen war Mitinitiatorin der „Charta 2017“, die vor einer „Gesinnungsdiktatur“ in Deutschland warnt. Einer der Erstunterzeichner der Charta war der Dresdner Schriftsteller Uwe Tellkamp. Seine spätere Diskussion mit dem Dichter Durs Grünbein machte bundesweit Schlagzeilen, unter anderem weil Tellkamps Verlag Suhrkamp sich von dessen Aussagen zum Teil distanzierte.

Update, 20.09.18, 13.30 Uhr: Am Donnerstag hat die Amadeu-Antonio-Stiftung eine Stellungnahme abgegeben und den Ausschluss Dagens aus dem Workshop verteidigt: „Teilnehmende des Workshops, darunter People of Color, äußerten, dass sie die Teilnahme Dagens unter Druck setze und sie Hemmungen hätten, sich dann frei zu äußern.“ Deshalb habe die Workshop-Leiterin noch vor der Tür „freundlich und bestimmt“ gebeten, Dagen solle von der Workshop-Teilnahme absehen. „Wer mit rechtsextremen Vordenkern wie Ellen Kositza genug Gemeinsamkeiten sieht, um Kooperationsprojekte umzusetzen, macht damit seine Nähe zur rechtsextremen Gesinnung und seine Verachtung für die Demokratie und Menschenrechten deutlich“, heißt es in der Stellungnahme.