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Ausverkauf in Bischofswerdas Kino

Die Leuchtwerbung und Teile der Technik sind schon verkauft. Auch für die Immobilie wird ein neuer Eigentümer gesucht.

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© Rocci Klein

Bischofswerda. Knapp fünf Jahre nach seiner Schließung stirbt Bischofswerdas Kino jetzt ein zweites Mal. Mitarbeiter einer Berliner Firma haben am Mittwoch die Leuchtwerbung „Volkslichtspiele“ und die Schaukästen vom Gebäude abgeschraubt. Sie demontierten auch Teile im Inneren des einstigen Lichtspieltheaters. Das frühere Kino wird verwertet. Nicht als Ganzes, sondern in Teilen – so, wie sich Käufer finden.

Die Außenwerbung und Teile der Vorführtechnik sind bereits verkauft, sagt ein Mitarbeiter der Firma Perlick & Partner aus Chemnitz. Weitere Einrichtungsgegenstände, darunter sämtliche Plüschsessel im großen Saal, sind noch zu haben. Auch die Immobilie – sprich in diesem Fall: die Gebäudehülle samt 1 148 Quadratmeter großem Grundstück – steht gegen Gebot zum Verkauf. Zwei Interessenten haben sich deswegen schon gemeldet. Alles das gehört zur Insolvenzmasse des letzten Kino-Eigentümers. „Der Insolvenzverwalter hat uns beauftragt, das Bischofswerdaer Kino zu verwerten“, heißt es dazu bei Perlick & Partner, ein auf Industrieauktionen spezialisiertes Unternehmen.

Wegen nicht ausreichender Besucherzahlen und notwendiger hoher Investitionskosten in den Volkslichtspielen hatte das Unternehmen Kieft & Kieft Filmtheater Sachsen das Kino im Herbst 2012 geschlossen. Eigentümer Heiner Kieft verkaufte das Kino zwischenzeitlich an einen Erfurter Geschäftspartner. Der neue Eigentümer trat in Bischofswerda nie öffentlich in Erscheinung und kümmerte sich augenscheinlich auch nicht um die Immobilie. Zu Beginn dieses Jahres musste er Insolvenz anmelden.

Hoffnungen schon lange begraben

Hoffnungen, das Kino könnte wieder öffnen, wurden schon im Frühjahr 2013 begraben. Einige Bürger, unter ihnen zwei Unternehmer und Wolfgang Ihle, der langjährige Pächter des Kinos, suchten nach Wegen, die Volkslichtspiele unter dem Dach eines Vereines oder einer anderen gemeinnützigen Einrichtung zu bewirtschaften. Heiner Kieft stand diesen Bemühungen nach damaliger Aussage positiv gegenüber. Doch die Kino-Freunde kamen nach reiflicher Prüfung zu einem ernüchternden Entschluss: „Unter den gegenwärtigen Bedingungen lässt sich das Kino nicht wirtschaftlich betreiben.“ Dafür müsste das Haus saniert werden, wobei sich die Frage stellte, wie die Investitionen refinanziert werden können.

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Wie es mit dem Haus nun weitergeht, ist offen. Auch wie die Räumlichkeiten – zwei Säle, die 232 und 60 Quadratmeter groß sind, sowie das große Foyer und mehrere kleinere Nebenräume – genutzt werden könnten. Das Haus ist denkmalgeschützt, ebenso wie das benachbarte Polizeigebäude, mit dem es früher baulich eine Einheit bildete. 1894 wurde das Eckensemble als Hotel „König Albert“ eröffnet. Der spätere große Kinosaal war einst der Konzert- und Ballsaal des Hotels. Auf der früheren Hotelterrasse eröffneten um 1910 zwei Damen, dem damaligen Trend folgend, ein kinematographisches Theater, der Vorläufer des späteren Kinos. Den Ballsaal mietete ein Kamenzer Geschäftsmann 1923 an, um daraus ein größeres Kino zu machen.

Trotz aller Veränderungen im vergangenen Jahrhundert: Das Bauensemble ist stadtbildprägend. Was noch da ist, wollen die Denkmalschützer erhalten. Deshalb muss jede Nutzungsänderung baurechtlich genehmigt werden. (rk, SZ)

www.perlick.de