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Azubi, melde Dich!

Bei der Radebeuler Jobbörse brechen die Besucherzahlen deutlich ein. Dafür ist mehr Zeit für intensive Gespräche.

Sicher ist sicher: Der Auszubildende Industriemechaniker für Hochleitungsbau im zweiten Lehrjahr in der LTB Leitungsbau GmbH Radebeul, Jannis Hilbert (r.), erklärt auf der Ausbildungsmesse im Berufsschulzentrum Radebeul dem Interessenten Constantin Wedeki © Norbert Millauer

Radebeul. So ändern sich die Zeiten. Noch vor drei, vier Jahren fand man rund um das Radebeuler Berufsschulzentrum in der Straße des Friedens nur mit Mühe einen Parkplatz, wenn gerade die Ausbildungsmesse „Radebeul jobbt“ stattfand. Das war in diesem Jahr anders. Kurz nach dem Start herrschte am Sonnabendvormittag nicht nur vor dem Gebäude, sondern auch im Inneren vor allem eines: gähnende Leere. Erst Stück für Stück trudelten einige Interessenten ein, um sich über eine Ausbildung zu informieren.

Viel geholfen hat das am Ende aber nicht. Zählten die Veranstalter im Vorjahr noch 800 Besucher, waren es diesmal nur noch 450. „Es waren zwar weniger Besucher als in den Vorjahren, dafür hatten die Aussteller für jeden einzelnen Besucher viel Zeit, um mit ihm über seine berufliche Zukunft zu reden“, sagte Gabriele Bäßler von der Radebeuler Wirtschaftsförderung, die die Veranstaltung organisiert hat. Sie hätte sich gewünscht, dass die Schulen im Vorfeld mehr Werbung für „Radebeul jobbt“ gemacht hätten, so Bäßler.

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Vor diesem Hintergrund waren die Mitarbeiter der 70 auf der Messe vertretenen Firmen über jeden Menschen froh, der an ihren Stand kam, um mit ihnen zu reden. Einer, der diese Gelegenheit nutzte, war der 17-jährige Constantin Wedekind aus Dresden. „Hier in Radebeul bin ich zum ersten Mal auf der Ausbildungsmesse. Ich habe aber auch schon andere besucht.“ Er habe die Oberschule abgeschlossen und interessiere sich besonders für Informatik. „Heute möchte ich mir aber erst einmal einen Überblick verschaffen und schaue mir daher auch andere Dinge an“, so Wedekind.

Offene Türen rannte er dabei unter anderem bei der Firma „LTB Leitungsbau“ aus Radebeul ein. Im Gespräch berichtete der ebenfalls 17 Jahre alte Auszubildende Janis Hilbert von seiner Arbeit als Industriemechaniker im Leitungsbau. „Mir macht meine Arbeit Spaß, weil ich Freude daran habe, mit den Händen zu arbeiten. Drehen, fräsen, schweißen – die Aufgaben sind vielfältig.“ 

Der Pharmakant-Azubi Paul Köber von der Firma Aeropharm beim Gießen von Zäpfchen auf der Ausbildungsmesse im Berufsschulzentrum Radebeul. © Norbert Millauer

Zudem stimme in dem Betrieb die Chemie und er verdiene gut, sagte Hilbert. Nach Angaben von Ausbilder Jens Scheuner bekommen die Azubis im ersten Lehrjahr 900 Euro pro Monat. „In Radebeul bilden wir derzeit zwölf Azubis aus. Insgesamt sind es jedoch 40, weil wir auch für Partnerbetriebe tätig sind.“ Die Bewerber kämen aus ganz Deutschland. Neben dem Industriemechaniker bilde man auch Elektriker für Betriebstechnik aus, sagte Scheuner.

Letzteres könnte sich auch Constantin Wedekind vorstellen. „Das klingt interessant“, sagte er bei seinem Rundgang. Wichtig seien ihm bei einem Beruf die Weiterbildungsmöglichkeiten und die Bezahlung. Obwohl sich seine Generation in der komfortablen Situation befindet, sich den Ausbildungsplatz quasi aussuchen zu können, findet der 17-Jährige nicht, dass es seine Mitschüler locker angehen. „Viele haben schon sehr konkrete Vorstellungen.“ Einige seien auch daran interessiert, sich weiterzuqualifizieren, um noch zu studieren. „Bei mir ist das aber vorerst nicht so. Ich will erst mal was Praktisches machen.“

Dass nur noch wenige so denken, weiß Daniel Saxarra von der Firma Kronospan in Lampertswalde. „Wir haben zwar bisher immer alle Stellen besetzt. Dennoch ist die Situation schwierig. Das Interesse an handwerklichen Berufen ist nicht mehr so groß. Außerdem gehen viele zunächst ins Ausland.“ Der Laminathersteller beschäftigt 18 Azubis. Neun Stellen werden dieses Jahr neu besetzt. Unter anderem bildet die Firma Maschinen- und Anlagenführer, Chemielaboranten uns Informatiker aus. Die Lehrlinge steigen mit 700 Euro im Monat ein, die bis zum vierten Lehrjahr auf 1000 Euro ansteigen. Diese und andere Informationen erzählte Saxarra den Interessenten im persönlichen Gespräch auf der Messe. Auch nächstes Jahr soll es diese Möglichkeit wieder geben. Am 7. März 2020 heißt es zum neunten Mal: „Radebeul jobbt“.