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Badesee ade?

Die Saison an der Badestelle am Quitzdorfer See ist gerade vorbei. Es könnte die letzte der Wasserwacht sein.

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© André Schulze

Von Sabine Ohlenbusch

Der Sommer ist überraschend zurückgekehrt, die Badesaison im Nieskyer Waldbad verlängert. Auch an der Talsperre Quitzdorf wachen bis vor Kurzem noch Rettungsschwimmer des Roten Kreuzes über das Wasser und eventuelle Schwimmer. Mit dem vergangenen Wochenende ist das vorbei. Jetzt, nach der Saison, beginnt für die jugendlichen Retter und ihre Trainer die Ungewissheit. Am Bärwalder See hat es schon in dieser Saison keine Aufsicht gegeben – ereilt den Quitzdorfer See nun dasselbe Schicksal?

Es ist nicht einfach, zu diesem Gerücht Informationen zu erhalten. Das Rote Kreuz möchte sich nicht äußern, sondern verweist an seinen Auftraggeber, den Landkreis Görlitz. Dieser gibt nur sehr vage Auskunft darüber, was kommen soll. „Ab 2017 sind Veränderungen angedacht“, teilt Kreissprecherin Marina Michel mit. „Details werden noch in den einzelnen Bereichen mit den Verantwortlichen besprochen.“ Nach der Saison stehe ebenfalls ein Gespräch mit den Kostenträgern auf dem Plan. Auch die noch ausstehende Haushaltsplanung des Landkreises nennt sie als Einfluss auf die Entscheidung, was mit der Wasserwacht werden soll.

Verantwortlich sind in dieser Frage zwei Parteien. Zuerst fällt hier die Gemeinde Quitzdorf am See ein. Sie ist seit März 2015 Besitzerin der Badestelle. Dazu gehören neben der 1,6 Hektar großen Liegewiese ein WC-Gebäude, Gehwege, Wegeflächen sowie Parkplätze in Kollm Ost und Nord. Um abzusichern, dass all diese Flächen der Öffentlichkeit zugänglich bleiben, hat Quitzdorf rund 20 000 Euro investiert. Denn für die Feriengesellschaft soll ein Investor gefunden werden, der sie kaufen will.

Diesen Käufer gibt es aber im Moment nicht. Deshalb führt die Entwicklungsgesellschaft Niederschlesische Oberlausitz (Eno) weiterhin die Geschäfte in der Bungalowsiedlung. Geschäftsführer Sven Mimus hat sich bereits im Vorfeld zufrieden mit der Saison gezeigt. Da auch für einen baldigen Verkauf der Ferienanlage die Gästezahlen wichtig sein dürften, ist für ihn die Badeaufsicht interessant. „Ich glaube, dass sie gut ist für den See“, sagt er. Deshalb gehe es nun darum, eine Lösung zu finden.

An diesem Montag findet eine turnusmäßige Besprechung zwischen Quitzdorfs Bürgermeister Günter Holtschke und Sven Mimus statt. Der Haushalt der Gemeinde ist in den nächsten Jahren sehr eng genäht und eher nicht zugeschnitten für zusätzliche Ausgaben wie Strandwächter. „Die Entscheidung liegt bei Herrn Holtschke“, erklärt Sven Mimus, „wenn er die Aufgabe nicht übernimmt, müssen wir als Betreiber überlegen, was zu tun ist.“

In diesem Jahr ist gutes Badewetter für die Gäste der nahen Feriengesellschaft Kollm gewesen, gerade weil es durchwachsen war. So ist genügend Wasser dagewesen, da die Talsperre nichts an die Spree und die umliegenden Gewässer abgeben musste. Es hat sich auch nicht so stark erwärmt, dass die Blaualgen sich dort ausgebreitet hätten. Aber was wird dort, wenn es keine Rettungsschwimmer mehr geben sollte?

Unsicher ist, ob der See auch ohne Badeaufsicht zum Baden genutzt werden kann. Eine Badestelle muss nicht zwangsläufig überwacht sein – ein Schild mit dem Hinweis, dass Baden auf eigene Gefahr möglich ist, kann ausreichen. Dann müsste die Gemeinde Quitzdorf am See lediglich sicherstellen, dass keine gefährlichen Gegenstände am Strand oder auf der Liegewiese den Badespaß trüben.

Für die Zukunft kommt es auch darauf an, welche Entwicklung der kommende Regionalplan Oberlausitz für die Talsperre vorsieht. Der vorliegende Plan stammt aus dem Jahr 2010 und verzeichnet den Quitzdorfer See als touristisch bedeutsames Gewässer. Bis Ende November 2015 konnten sich die Gemeinden an seiner Fortschreibung beteiligen. Ab 2017 soll er die neuen Linien vorgeben, in die sich die Region entwickeln soll. Dann kann es sein, dass der Stausee Quitzdorf seine regionale Bedeutung als Badesee verliert.

Sven Mimus hat aber eben vorerst den Auftrag vom Kreistag, ein Exposé für den Verkauf der Ferienanlage zu erstellen. Er betont andere großen Stärken des Sees: Er sei ein sehr gutes Segel- und Angelgewässer. Auch der Standort Kollm sei als zentraler Punkt ideal, von dem aus die Gäste die gesamte Region erforschen können. Auch seine malerische Umgebung mache ihn aus. Sofern die Wasserqualität gut genug bleibt, könnten die Gäste dennoch baden.