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Bahnbrücke Lutherstraße wird schmaler

Von einst zehn Gleisen werden nur noch drei in Freital gebraucht. Nun sollen einige Brückenteile fallen.

© Andreas Weihs

Von Annett Heyse

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Freital. Die Unterführung wirkt wie ein Tunnel, gut 60 Meter sind es bis ans andere Ende: Die Bahnbrücke an der Freitaler Lutherstraße ist ein Koloss aus der Glanzzeit der Eisenbahn. Um 1900 wurde sie erbaut. Damals donnerten noch Dampfzüge über die Gleise auf der Strecke Dresden–Tharandt–Freiberg – so viele und so dicht, dass der Bahndamm eine enorme Breite hatte.

Vorbei die Zeiten. Nun wird ein Großteil der Brücke, über die einst zehn Gleise führten, nicht mehr gebraucht. Deshalb plant die Bahn, das Bauwerk an der Lutherstraße größtenteils zurückzubauen. Voraussichtlich im kommenden Jahr sollen die Arbeiten erledigt werden. Stehen bleiben soll nur der neueste Teil. 2003 errichtet, führen über diesen drei Gleise für die S-Bahnen, den Fern- und den Güterverkehr. Das entspricht einer Breite von 18 Metern. Mehr Platz benötigt die Bahn auf der Strecke nicht. Und es ist nicht nur die Bundesbahn, die Interesse am Rückbau der Brücke hat. Auch der Stadt Freital gehört indirekt ein Teil der Überführung.

Die 60 Meter breite Bahnbrücke besteht aus insgesamt sieben einzelnen Segmenten. Wer darunter hindurchfährt und die Augen nach oben richtet, kann das gut erkennen. Ein Segment wurde bereits entfernt, als der noch befahrene Teil der Brücke durch den Neubau ersetzt wurde. An der Stelle klafft eine große Lücke.

Der Bahn gehört von ihrer Brücke, auch von dem nicht mehr benutzten Abschnitt, nur noch ein Teil. Den anderen erwarb die städtische Tochtergesellschaft TGF. Die betreibt das Gründer- und Technologiezentrum sowie den Technologiepark, der nach Abriss der Windbergarena entstand. Dieser wird nun entlang des Bahndamms zwischen Schachtstraße und Porzelline erweitert – auf den ehemaligen Grundstücken der Eisenbahn. Dort befanden sich einst die Gleise und Einrichtungen für die Kohle- und Güterverladung, später auch ein Umschlagplatz fürs Uranerz, Güterschuppen und weitere technische Einrichtungen.

Der Großteil ist längst abgerissen, die leeren Flächen werden nun Gewerbestandort. Die Bahnbrücke liegt mitten drin und ging im Zuge des Grundstückshandels in Teilen ins Eigentum der TGF über. „Die Brücke brauchen wir natürlich nicht“, sagt TGF-Chef Alexander Karrei. Sie verursache nur Kosten für Inspektion, Wartung, Reparaturarbeiten. Bei der Bahn sieht man das genauso.

Parallel wollen TGF und Bahn deshalb das Abrissprojekt durchziehen. Der genaue Zeitplan für das Vorhaben werde derzeit abgestimmt, heißt es aus der Pressestelle des Eisenbahnunternehmens. Bei der TGF rechnet man mit dem Beginn der Abrissarbeiten frühestens Anfang 2019. Stehen bleiben dann nur noch die Brückenpfeiler, also die Stützmauern rechts und links der Lutherstraße.

Damit fällt Freitals letzte derart große Bahnbrücke, unter der eine Straße hindurchführt. Auch die Oberpesterwitzer Straße wurde einst von solch einem Koloss überspannt. Im Zuge des Neubaus wurde ein Großteil der Überführung abgerissen. Genauso erging es den Brücken an der Schachtstraße und der Hüttenstraße – sie sind bereits deutlich schlanker als ihr Pendant an der Lutherstraße.

Als kleine Fußnote in Freitals Bahngeschichte bleibt übrigens, dass über alle Brücken zwischen dem Bahnhof Potschappel und Hainsberg nicht nur Gleise in Normalgröße verliefen. Extra für den Betrieb der Kleinbahnen lag in einem Gleis ein dritter Schienenstrang. Somit konnten auch die Züge der Schmalspurbahnen zwischen allen Bahnhöfen pendeln. Teile dieses Drittgleises existieren sogar noch – man sieht es von der Fußgängerbrücke an der Porzelline auf dem Feld des Potschappler Bahnhofes. Es endet zwischen Unkraut und wild gewachsenen Birken.