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Bannewitz: Feuerwehr bittet ans Stäbchen

Wenn am Sonnabend am Gerätehaus das Feuerwehrfest steigt, können Besucher im Kampf gegen Blutkrebs etwas Gutes tun. Es werden Stammzellenspender gesucht.

Von Roland Kaiser
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Mögliche Stammzellenspender sind bei Doreen Tolksdorf und Feuerwehrvereinschef Thomas Börner an der richtigen Adresse.
Mögliche Stammzellenspender sind bei Doreen Tolksdorf und Feuerwehrvereinschef Thomas Börner an der richtigen Adresse. © RK

Beide haben sich einem Kampf verschrieben – dem gegen Blutkrebs beziehungsweise Leukämie, wie die Mediziner zu sagen pflegen. Doreen Tolksdorf und Thomas Börner stehen in Startposition: An diesem Sonnabend bitten die Expertin und der Vorsitzende des hiesigen Feuerwehrvereins im Schulungsraum über der Fahrzeuggarage des Bannewitzer Feuerwehrdepots die Besucher des Feuerwehrfestes um eine Speichelprobe. Die dafür notwendigen Wattestäbchen sind besorgt. 300 sogenannte Registrierungssets lassen sich zwischen 10 und 17 Uhr an den Mann oder die Frau bringen. In diesem Zeitraum sollen möglichst viele neue potenzielle Stammzellenspender ermittelt werden.

"Für den Erfolg einer Transplantation dieser Zellen ist es vor allem elementar, dass die Gewebemerkmale von Patient und Spender übereinstimmen, also die Strukturen auf der Zelloberfläche", erklärt die 44-Jährige, die die Aktion vor Ort unterstützt und beruflich für das DKMS Life Science Lab arbeitet. "Je passender das Zusammenspiel ist, desto geringer das Risiko, dass es zu Abstoßreaktionen oder anderen gefährlichen Komplikationen kommt." Um das im Vorfeld zu einem gewissen Teil auszuschließen, werden im Labor Untersuchungen angestellt. Infolge der sogenannten Typisierung lässt sich klären, welcher Spender für welchen Patienten relevant erscheint.

Einer statistischen Erhebung zufolge ließen sich bereits mehr als 7,5 Millionen Deutsche bei der DKMS gemeinnützige GmbH (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) registrieren. Auf Kreisebene heruntergebrochen veranschaulicht jedoch eine andere Zahl gewissen Handlungsbedarf. Auf rund 245.000 Einwohner kämen gerade einmal 16.300 Personen, die sich für eine mögliche Stammzellentransplantation bereiterklärten, so Thomas Börner. Er weiß um die Notwendigkeit, diesen Beispielen zu folgen. Auch wenn die Krankheit im Vergleich zu anderen eher seltener auftritt, könne sie durchaus einen selbst treffen. Mit jeder Registrierung steige die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Spender finden lässt, dessen Stammzellen dem Blutkrebs den Garaus machen.

Wattestäbchen im Mund drehen hilft

Einer, der schon vor Jahren die Chance genutzt hat, erkrankten Menschen zu helfen, ist der Bannewitzer Bürgermeister Heiko Wersig (parteilos). Er begrüßt die jüngste Aktion anlässlich des Feuerwehrfestes. 2008 registrierte die Datenbank, in der sein Abstrich der Wangenschleimhaut hinterlegt war, eine Übereinstimmung mit einer Patientin in Österreich. Die zweifache Mutter hatte kurz vor ihrem 59. Geburtstag die niederschmetternde Diagnose Leukämie erhalten. Nach der Transplantation der Stammzellen habe sie noch einige Zeit im Krankenhaus verbringen müssen, wie sie Heiko Wersig schrieb. Es seien Komplikationen aufgetreten, jedoch nicht die allseits befürchtete Abwehrreaktion. Ihren Spender bezeichnete sie als Lebensretter.

Jeder kann zum Lebensretter werden: Schon im Vorfeld des Feuerwehrfestes warben Bannewitzer Kameraden dafür, sich als möglicher Stammzellenspender registrieren zu lassen.
Jeder kann zum Lebensretter werden: Schon im Vorfeld des Feuerwehrfestes warben Bannewitzer Kameraden dafür, sich als möglicher Stammzellenspender registrieren zu lassen. © privat

In den darauffolgenden Monaten gab es ein Auf und Ab. Bis eines Tages Heiko Wersig aus dem Nachbarland eine traurige Nachricht erhielt. In einem Brief teilte die Familie ihm mit, dass sich der Blutkrebs dank der Stammzellenspende zwar besiegen ließ. Allerdings hätten andere Erkrankungen zum Tod der Frau geführt. Was bleibt, ist ein Dankeschön der Angehörigen für drei weitere gemeinsame Jahre mit der Mutter, die es ohne die Hilfe von außen so nicht gegeben hätte. Davon ist auch Heiko Wersig überzeugt. Der Rathauschef hofft darauf, dass zahlreiche Besucher des Feuerwehrfestes von dieser Möglichkeit Gebrauch machen.

Außer drei Wattestäbchen für jeweils etwa eine Minute im Mund herumzudrehen und sich mit seinen persönlichen Angaben in die Datenbank der DKMS aufnehmen zu lassen, sei zunächst nichts weiter zu machen, erklärt Doreen Tolksdorf. Grundsätzlich käme jeder gesunde Mensch zwischen 18 und 55 Jahren dafür in Frage. Je jünger, desto besser. Sie merkt jedoch an, dass einige chronische Erkrankungen zum Ausschluss führen.

Wer sich, aus welchen Gründen auch immer, vor einer Registrierung scheut, kann das Anliegen auch anderweitig unterstützen. "Wir stellen eine Spendenbox auf, jeder Betrag hilft." Doreen Tolksdorf und Thomas Börner sind zuversichtlich, dass die Aktion bei den Bannewitzern und deren Gästen gut ankommen wird. Und sie wünschen sich, dass diese nicht die letzte innerhalb der Gemeindegrenzen ist. "Gern dürfen andere Vereine das Ganze nachahmen."

Feuerwehrfest am Gerätehaus in Bannewitz am 6. Mai 2023

  • ab 10.00 Uhr Besichtigung von Fahrzeugen
  • 10.00 bis 17.00 Uhr Registrierung als Stammzellenspender
  • 11.00 Uhr Meister Klecks und Spaßimir
  • 14.00 Uhr Schauübung der Jugendfeuerwehr
  • 15.00 bis 17.00 Uhr Fahrten mit der Feuerwehr
  • 17.00 Uhr Bannewitzer Bierfassrollen
  • 20.00 Uhr Party mit Robert Drechsler
  • Für die jüngeren Besucher stehen eine Bobby-Car-Strecke, Kinderschminken, Bastelstraße, Tombola und Hüpfburgen bereit. Für einen Imbiss ist gesorgt.