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Goppelner sorgen sich um den Gebergrund

Dank regelmäßiger Einsätze bleibt der Wanderweg in Ortsnähe begehbar. Neben der vielfältigen Natur gibt es aber auch ein paar Hindernisse.

Von Gabriele Fleischer
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Ortsvorsteherin Elke Schleife und Gemeinderat Walter Kaiser sorgen sich um das Wandernetz im Gebergrund. Regelmäßig pflegen sie mit anderen einzelne Strecken, wie kürzlich den hinter ihnen liegenden Weg an der einstigen Gaustritzer Mühle.
Ortsvorsteherin Elke Schleife und Gemeinderat Walter Kaiser sorgen sich um das Wandernetz im Gebergrund. Regelmäßig pflegen sie mit anderen einzelne Strecken, wie kürzlich den hinter ihnen liegenden Weg an der einstigen Gaustritzer Mühle. © Daniel Schäfer

Unweit der alten Schule in Goppeln führen Stufen hinab in den Gebergrund. Um diese und den anschließenden Wanderweg zu erhalten, setzen sich Mitglieder von Ortschaftsrat und Heimatverein seit Jahren ein. "Mit Unterstützung von Bürgern haben wir hier eingefallene Stufen angehoben und Geländer erneuert", zeigt Gemeinderat Walter Kaiser (Bürgergemeinschaft) auf die Treppe. 2.000 Euro aus der Ortschaftskasse und viel Enthusiasmus der Beteiligten hätte das in den vergangenen zwei Jahren gekostet.

Beim Abstieg plaudert Kaiser aus der Geschichte. Direkt neben der Treppe gab es einst einen Weinberg. Die noch erhaltenen Teile der Mauer seien ebenfalls gesichert worden. Ältere Goppelner dürften Bielacks Weinberg als Gastwirtschaft zumindest vom Namen her noch kennen. Jetzt ist dort alles zugewuchert.

Anfang der 1990er-Jahre hatte der damalige sächsische Landtagspräsident Erich Iltgen das Anwesen gekauft. Inzwischen gehört es seinem Sohn. Über Pläne für das verwilderte Grundstück möchte er auf Nachfrage von Sächsische.de keine Auskunft geben. "Das ist rein privat", sagt er nur. So wird Wanderern der unschöne Anblick erhalten bleiben.

Tafel erinnert an Mühlengeschichte

Walter Kaiser und Ortsvorsteherin Elke Schleife führen an die Stelle, wo einst die Gaustritzer Mühle, auch bekannt als Gebergrundmühle, stand. Eine ebenfalls auf Initiative engagierter Bürger aufgestellte Informationstafel erinnert an die wechselvolle Geschichte des Gebäudes, das im 16. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt wurde und viele Besucher anlockte.

Darunter waren auch Künstler wie Ernst-Ludwig Kirchner und Max Pechstein aus der Künstlergruppe Brücke, aber auch Gäste und Initiatoren der in Goppeln angesiedelten Malerschule. Die war 1890 von Carl Bantzer gegründet, Unterlagen zufolge 1901 allerdings schon wieder aufgelöst worden. Zur Gruppe gehörten bekannte Künstler wie Robert Sterl und Georg Lührig.

Alle vertraten die aus Frankreich kommende Freilichtmalerei, wie sie später auch die Brücke-Maler praktizierten.

Weitere Schilder sind in Arbeit

Um das Wirken genau diese Landschaftsschule in Goppeln hat sich der Ortschaftsrat ebenfalls gekümmert und eine Tafel mit einem kleinen Geschichtsexkurs gestaltet. "Die soll demnächst oberhalb der Treppe aufgestellt werden", sagt Ortsvorsteherin Schleife. Eine weitere Tafel skizziert den Verlauf des Geberbaches von der Quelle bis nach Kauscha. Diese wird am 6. November, wenn der Ortsvorstand zur nächsten Pflegeaktion in den Gebergrund einlädt, ihren Platz finden.

Da eine solche Tafel mit Gestell je nach Größe zwischen 600 und 700 Euro kostet, könne die Umsetzung nur nach und nach erfolgen, denn das Ortschaftsratsbudget sei klein, so Schleife. Unterstützung von der Gemeinde gab es für den vor einigen Wochen freigeschnittenen und mit Mineralgemisch befestigtem Teil des Wanderweges von etwa 100 Metern, der bis in die drei Dörfer Goppeln, Golberode und Gaustritz führt und über den die Betreiber bis in die 1970er-Jahre Waren aus der Mühlenbäckerei zu den Bewohnern lieferten.

Immer wieder wächst die Wiese am Stausee zu, die als Ausgleichsmaßnahme für den nahe gelegenen Autobahnbau renaturiert wird. Ein Jahr lang lagerten auch gefällte Bäume oberhalb des Hanges. Jetzt gibt es einen Pflegeplan dafür.
Immer wieder wächst die Wiese am Stausee zu, die als Ausgleichsmaßnahme für den nahe gelegenen Autobahnbau renaturiert wird. Ein Jahr lang lagerten auch gefällte Bäume oberhalb des Hanges. Jetzt gibt es einen Pflegeplan dafür. © Daniel Schäfer

Ausgleich für den Autobahnbau im Gebergrund

Beim letzten Arbeitseinsatz Freiwilliger vergangene Woche wurde am Stausee begonnen, ein Stück Weg wieder begehbar zu machen. In diesem Areal endet der Verantwortungsbereich der Goppelner.

Dort an den Südhängen des Gebergrundes - seit diesem Jahr in Bundesbesitz - ist die List GmbH aus Hainichen als Dienstleister der Autobahn GmbH des Bundes aktiv und mit der Renaturierung des Grünlandes beauftragt.

Das sind noch Kompensationsmaßnahmen als Ersatz für den Bau der A 17 zwischen den Anschlussstellen Dresden-Südvorstadt und Pirna. Auf 1.000 Quadratmetern seien dort wild wachsende Gehölze beseitigt worden, um den ursprünglichen Zustand als Grünland wieder herzustellen, so Danko Knothe, Sprecher der Autobahn GmbH.

Autobahn GmbH geht Bürgerbeschwerden nach

Walter Kaiser und Elke Schleife wünschen sich, dass die Einsätze kontinuierlicher stattfinden. Denn die Wiese oberhalb des Stausees würde immer wieder zuwachsen. Davon seien auch eine aufgestellte Bank und der Wanderweg betroffen. Ein Jahr lang hätten zudem gefällte Bäume gelegen. Den Bürgerbeschwerden gehe man nach und stehe in Kontakt mit der Gemeinde, so Knothe.

Auch die Untere Naturschutzbehörde Sächsische Schweiz-Osterzgebirge hatte auf starken Wildwuchs hingewiesen. Deshalb gebe es jetzt für 2022 einen festen Plan für die Pflege, sagt der Autobahn GmbH-Sprecher. Danach wird im Mai und Juni gemäht, die Fläche im August und September beweidet und im Oktober noch einmal gepflegt. Zudem würden die Gehölzstreifen und Hecken in Abhängigkeit vom Wuchs aller fünf bis zehn Jahre, die vorhandenen Obstbäume alle zwei bis vier Jahre beschnitten. Danko Knothe: "Wir prüfen derzeit mit dem Auftragnehmer auch die geäußerten Wünsche nach intensivierten Pflegeaktivitäten."

  • Zum nächsten Pflegeeinsatz lädt der Ortsvorstand von Goppeln am 6. November ein. Treff ist 8.30 Uhr an der Brücke am Platz neben der einstigen Gaustritzer Mühle.