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Barocke Rückkehr am Neustädter Markt

Zwischen Blockhaus und Hotel Bellevue soll bald gebaut werden. Dafür gibt es Wünsche für Barockrekonstruktionen.

© Visualisierung: GHND/Arte4D

Von Lars Kühl

Hübsche Gestecke aus getrockneten Früchten und Blumen baumeln in den Fenstern der Kastenerker. Die dreigeschossige Arkade mit ihren Bögen im Innenhof ist von der Großen Meißner Straße nur zu erahnen. Die Mittelachse des Nachbarhauses ist schlicht, während über den Fenstern rechts und links ornamentreiche Auswölbungen Mini-Dächer bilden. Das angrenzende Gebäude besticht durch sein Muschelwerk an der Fassade, genannt Rocaille. Am bedeutendsten in dem Bürgerhausensemble, einem der schönsten in Dresden, ist aber das „Sonnenwaldische Brauhaus“ mit seiner reich verzierten Fassade und den Reliefs in der Mitte.

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Heute ist das Areal gegenüber vom Neustädter Markt ein Parkplatz für das Hotel, der dicht zugewachsen ist. Bei einer Bebauung müsste der Anschluss an das Bellevue neu gestaltet werden.
Heute ist das Areal gegenüber vom Neustädter Markt ein Parkplatz für das Hotel, der dicht zugewachsen ist. Bei einer Bebauung müsste der Anschluss an das Bellevue neu gestaltet werden. © Sven Ellger

Doch die Zeiten, als dieser Straßenzug die Dresdner derart begeisterte, sind vorbei. Die Bombenangriffe im Februar 1945 zerstörten auch diese Zeile und damit den beschriebenen Anblick. Heute ist dort ein Parkplatz, eingefasst von dichtem Grün. Auf der Linken seit 1982 vom wiederaufgebauten Blockhaus flankiert, rechts vom Hotel Bellevue, das zwischen 1983 und 1985 errichtet wurde. Zur Luxusherberge gehört als Mittelteil der letzte Barockbau, der die Kriegsangriffe und das Feuer auf der Großen Meißner Straße unbeschadet überstanden hatte. Dass er überhaupt noch steht, ist engagierten Bürgern zu verdanken, die zunächst 1950 gegen die geplante Sprengung protestierten und sie verhinderten. Dann sollte das inzwischen heruntergekommene Haus erneut weichen, als das Hotel gebaut wurde. Auch da waren es aufgebrachte Denkmalschützer, Architekten und Dresdner, die sich dagegen wehrten.

Jetzt gibt es sogar einen Plan, den alten Anblick wieder Wirklichkeit werden zu lassen. Die Gesellschaft Historischer Neumarkt (GHND) unterbreitet einen entsprechenden Vorschlag. Grundlage ist ein Bebauungsplan, den die Stadtverwaltung für das Neustädter Elbufer erarbeiten will. Auf der Ostseite der Augustusbrücke ist nach wie vor die Rekonstruktion des Narrenhäusels eine Option, so wie es der Stadtrat nach langen Diskussionen beschlossen hatte. Was dagegen auf der Fläche zwischen Hotel und Blockhaus passiert, ist momentan noch völlig offen. Die barocken Bürgerhäuser für die Südseite des Neustädter Marktes sind ein erster Gedankenanstoß von der Gesellschaft, die sich für den Wiederaufbau historischer Gebäude in der Innenstadt starkmacht. Inwieweit sie vom Stadtplanungsamt aufgegriffen werden, ist momentan noch völlig offen.

Fakt ist, dass das Hotel Bellevue verschiedene Anbauwünsche gegenüber der Verwaltung geäußert hat. Würde eine Ausführung, wie von GHND ins Spiel gebracht, infrage kommen, müsste die Ostseite des Bellevues umgestaltet werden. Dort befinden sich jetzt unter anderem auch Fenster. Ein neuer Übergang wäre notwendig. Dass so etwas sehr ansprechend gelöst werden kann, zeigt der jetzige Hotelkomplex. Der erhaltene Barockbau wurde gekonnt in den damaligen Neubau integriert.

Die schmale Verbindung zur Elbe zwischen dem Blockhaus, das in den nächsten Jahren saniert wird, und der neuen Häuserzeile will die GHND als frühere Blockhausgasse erhalten. Besondere Bedeutung hat für die Mitglieder das „Sonnenwaldische Brauhaus“. Seinen Namen verdankte es einem Wald und einer Sonne, die in einem Relief in der Mittelachse abgebildet waren, sowie der Besitzerin Maria Sonnewald, einer Bäckerswitwe. Interessant ist, dass der erste Entwurf für das Haus von George Bähr stammte, dem Baumeister der Frauenkirche. Dieser wurde aber abgelehnt – aus künstlerischen Gründen. Den Zuschlag erhielt schließlich Daniel Pöppelmann mit seiner Gestaltung im Zwingerstil.